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Potsdam Maximales Ergebnis, minimaler Aufwand
Lokales Potsdam Maximales Ergebnis, minimaler Aufwand
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17:19 02.11.2017
Marry Jean Paschke hat im Steigenberger-Hotel Potsdam als Reinigungskraft angefangen, stieg dann in eine 2-jährige Ausbildung als Fachkraft im Gastgewerbe ein und stockte auf Restaurantfachfrau (3 Jahre) auf. Quelle: Bernd Gartenschläger
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Potsdam

Marry Jean Paschke (31) ist das positive Beispiel. Die 31-Jährige hat die Gelegenheit genutzt, von der Service-Hilfskraft zur Restaurantfachfrau zu werden. Birgit Langholz hat sie auf diesen Weg gebracht; sie führt das Personal im Steigenberger am Luisenplatz: 40 Angestellte aus neun und neun Azubis aus vier Nationen. Marry Jean kam 2013 aus den Philippinen, fing als Mini-Jobber und Putzfrau an. Langholz riet ihr zunächst zur Zwei-Jahres-Ausbildung als Fachkraft im Gastgewerbe, doch schon ein Jahr später stockte sie Restaurantfachfrau auf: Tranchieren, Flambieren, Filetieren – das wird sie machen, wenn sie nach drei Jahren die Lehre abgeschlossen hat. Den Job im Hotel hat sie schon sicher. „Sicherheit wollen wir bieten“, sagt Langholz: „Berufe für die Zukunft. Gegessen, getrunken und geschlafen wird ja immer.“ Die Hotelbranche freue sich über jeden Interessenten und rate dringend, mal ein Praktikum zu machen. „Das ist der einfachste Weg, sich am Ausbildungsmarkt zu orientieren.“

Und der ist äußerst angespannt. Langholz sieht eine veränderte Lebehnsphilosophie der jungen Leute: „Die haben hohe Ansprüche an ihre Karriereplanung: Maximale Ergebnisse mit minimalem Aufwand.“ Junge Leute seien inzwischen „nicht leicht zu handhaben und schwer zu begeistern“. Als Personalchefin sehe sie sich als Mutterersatz und als Sozialarbeiter.

Birgit Langholz ist Personalchefin im Steigenberger. Quelle: Bernd Gartenschläger

In der Arbeitsagentur beobachtet man mit Sorge, dass bei immer mehr Schülern immer größere Hürden genommen werden müssen, ehe das Thema Berufswahl überhaupt behandelt werden kann. Amtschefin Ramona Schröder spricht von „Blockaden, die ein Auseinandersetzen mit der beruflichen Zukunft zunächst fast ganz verhindern.“ Immer häufiger kämen junge Menschen mit familiären Sorgen zur Berufsberatung, auch die Kehrseite der Digitalisierung werde spürbarer. „Wir sehen, dass einige Jugendliche in ihrer digitalen Wunschwelt versinken und keine Motivation finden, sich mit ihrem reellen Leben auseinanderzusetzen.“ Psychische Erkrankungen und schulische Probleme seien wachsende Herausforderungen.

Dabei ist die Lage auf dem regionalen Ausbildungsmarkt für junge Leute gar nicht schlecht, denn auf 13 Stellen kommen nur zehn Bewerber. Man kann also wählen, doch für allzu viele ist der Wunschberuf eben nicht dabei und das Interesse für Alternativen schwer zu wecken.

Ramona Schröder ist Chefin der Arbeitsagentur Potsdam. Quelle: Bernd Gartenschläger

Im abgelaufenen Berufsberatungsjahr vom 1. Oktober 2016 bis zum 30. September 2017 wurden fast 1000 Lehrstellen mehr gemeldet als sich Jugendliche dafür interessierten: 4108 gemeldete Stellen standen 3183 Ausbildungsinteressierten zur Verfügung. „Die Tendenz zeichnete sich im vergangenen Jahrzehnt ab, aber so weit geöffnet war die Schere noch nie“, schlägt Schröder Alarm. Obwohl es gelungen sei, den Bewerberrückgang zu stoppen – im aktuellen Jahr konnten 370 mehr junge Menschen für eine Ausbildung begeistert werden als noch 2013/2014 – habe sich der Trend durch die rasant wachsende Personalnachfrage nochmals verschärft. Die Wirtschaft stöhnt.

Der Arbeitsmarkt im Oktober

Potsdam hatte im Oktober 4969 Arbeitslose, das waren 94 weniger als im September 2017 und 703 weniger als im Oktober 2016.

Die Arbeitslosenquote liegt damit bei 5,5 Prozent gegenüber 5,6 Prozent im September und 6,3 Prozent im Oktober vergangenen Jahres.

Unter den Arbeitslosen waren 57,9 Prozent Männer und 42,1 Prozent Frauen.

Langzeitarbeitslose machen 33,2 Prozent aus.

Ein Prozent der Erwerbslosen sind 15 bis 20 Jahre alt, 6,5 Prozent 15 bis 25 Jahre.

5,1 Prozent waren schwerbehindert.

20 Prozent der Arbeitslosen sind Ausländer.

Neu arbeitslos geworden sind im Oktober 1395 Menschen. 508 von ihnen verloren ihren Job. 425 fanden nach der Ausbildung oder einer anderen Maßnahme keine Anstellung.

Demgegenüber fielen 1496 Menschen aus der Arbeitslosigkeit heraus. 492 fanden einen Job, 457 eine Aus- oder Weiterbildung. 307 waren arbeitsunfähig.

Nach dem 30. September waren noch 639 Ausbildungsstellen unbesetzt (59 weniger als im Vorjahr) und 439 Bewerber unversorgt (104 mehr als im Vorjahr). Trotz Stellenvielfalt bleiben am Jahresende immer mehr Jugendliche ohne Ausbildungsvertrag – in diesem Jahr doppelt so viele wie vor zwei Jahren.

Diese Entwicklung zeige aus Sicht der Agenturchefin einmal mehr, wie elementar wichtig die gebündelte Jugendarbeit in den Jugendberufsagenturen ist. Hier werden die Dienstleistungen der Kommunen, der Jobcenter und der Arbeitsagentur gemeinsam und unter einem Dach angeboten. In Teltow-Fläming gibt es die Jugendberufsagentur bereits seit eineinhalb Jahren, in Potsdam wird sie im Dezember 2017 eröffnet, in Brandenburg an der Havel im kommenden Jahr.

Von Rainer Schüler

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