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Potsdam Mehr Ratsuchende bei der Opferhilfe
Lokales Potsdam Mehr Ratsuchende bei der Opferhilfe
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20:03 14.03.2019
Die Kriminalpolizei meldet mehr Sexualdelikte für Potsdam. Quelle: dpa
Potsdam

Die Kriminalpolizei meldet mehr Sexualdelikte für Potsdam. Warum ist das so? Wie ist diese Entwicklung zu erklären? – Über die subjektiven Gründe derer, die Anzeige erstatten, könne die Polizei nichts sagen, teilt Heiko Schmidt, der Leiter der Pressestelle der Polizeidirektion West, mit. Offenbar haben aber die MeToo-Bewegung und die damit verbundene öffentliche Debatte „zu einem veränderten Anzeigeverhalten und auch zu einer nachträglichen Anzeigenerstattung beigetragen“, die sich auch in Westbrandenburg bemerkbar machte.

280 Ratsuchende bei der Opferhilfe allein wegen sexueller Gewalt

Dass MeToo Wirkung zeigt, bestätigt die Leiterin der Potsdamer Beratungsstelle des Vereins Opferhilfe Land Brandenburg. „Allein, dass so offen über sexualisierte Gewalt gesprochen wurde, hat vielen Frauen Mut gemacht“, sagt Rosmarie Priet. „Die Bereitschaft, Anzeige zu erstatten, ist auch unserer Erfahrung nach gestiegen.“ Die Psychologin und ihre Kollegen haben zudem mehr Ratsuchende empfangen: Wendeten sich im Jahr 2017 landesweit 237 Personen wegen einer sexuellen Gewaltstraftat an die Opferhilfe, so waren es 2018 insgesamt 280. Die Beratung steht sowohl Opfern als auch Angehörigen und Zeugen offen, wobei die Betroffenen in der Mehrheit sind.

Ein weiterer Grund für den Anstieg der Anzeigen gegen Sexualdelikte ist laut Polizei und Opferberatung die Verschärfung des Sexualstrafrechts Ende 2016. Seither gilt nicht nur der Grundsatz „Nein ist Nein“, auch der Tatbestand „Sexuelle Belästigung“ ist nun im Strafgesetzbuch verankert – der neue Paragraf 184i kommt einer Roten Karte für Grapscher gleich. Darin ist festgeschrieben, dass bereits geringfügige körperliche Berührungen „in sexuell bestimmter Weise“ – etwa Umarmungen oder auch ein Klaps auf den Po – strafbar sind und mit einer Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren oder mit einer Geldstrafe geahndet werden. In besonders schweren Fällen kann die Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren betragen – ein besonders schwerer Fall liegt laut Gesetz zum Beispiel dann vor, wenn die Tat von mehreren gemeinschaftlich begangen wird.

Ob der Beschuldigte festgenommen wird, hängt vom Einzelfall ab

Die Polizei nimmt – wenn von der oder dem Geschädigten gewünscht oder im besonderen öffentlichen Interesse – in jedem Fall eine Strafanzeige auf, erklärt Heiko Schmidt. Es schließen sich ärztliche Untersuchungen, Spurensicherung und die Vernehmung des Opfers und möglicher Zeugen an. Ob der Beschuldigte festgenommen wird, ist vom konkreten Einzelfall abhängig.

Ob MeToo oder Paragraf 184i: „Der Slogan ,Nein heißt Nein’, der auf den Punkt bringt, worum es geht, ist ins Alltagsverständnis eingegangen – und das ist wichtig und gut“, sagt Rosmarie Priet. „Wir können allerdings nicht absehen, ob es nun auch zu mehr Verurteilungen kommt.“

Die Potsdamer Opferberatung ist unter 0331/2 80 27 25 zu erreichen.

Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung

In Potsdam hat die Polizei im Jahr 2018 mehr Sexualdelikte erfasst als im Vorjahr. Die Anzahl der angezeigten Straftaten stieg demnach von 99 auf 163. Die Aufklärungsquote liegt bei 84,7 Prozent.

Unter dem Oberbegriff „Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung“ zählen 43 verschiedene Straftatbestände, darunter Vergewaltigung, sexuelle Belästigung, sexuelle Nötigung und Kindesmissbrauch, aber auch exhibitionistische Handlungen, Zuhälterei und Verbreitung pornografischer Erzeugnisse.

Zurückgegangen ist die Zahl der schweren Sexualdelikte: 2018 sind in Potsdam 19 Vergewaltigungen und sexuelle Nötigungen registriert worden – vier weniger als im Vorjahr.

Gestiegen ist die Zahl der sexuelle Belästigungen wie sie in dem Ende 2016 eingeführten Paragraf 184i des Strafgesetzbuches definiert sind. Wurden 2017 in Potsdam 13 solcher Fälle angezeigt, so waren es 2018 mit 47 mehr als dreimal so viele. nf

Von Nadine Fabian

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