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Potsdam Meierei am Kuhtor wird komplett saniert
Lokales Potsdam Meierei am Kuhtor wird komplett saniert
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12:18 10.02.2019
Die Meierei am Kuhtor im Park Sanssouci Quelle: Rainer Schüler
Sanssouci

Nach über 20 Jahren Leerstand soll die Meierei am Kuhtor nun saniert werden. Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten (SPSG) Berlin-Brandenburg hat die nötigen Planungen ausgeschrieben und will im Juni 2021 mit der Komplettsanierung des 1833/34 entstandenen Gebäude-Ensembles beginnen; es gilt als Erstlingswerk des königlichen Baumeisters Ludwig Persius (15.02.1803 –12.07.1845) Die Fertigstellung ist für November 2023 vorgesehen.

Bauschäden im ganzen Objekt

Doch 185 Jahre nach dem Bau und nach zwei Jahrzehnten Leerstand ohne Heizung sind die Bauschäden so groß, dass Reparieren nicht mehr hilft. Schon 2014 musste man als Rettungsmaßnahme die Fundamente des „Turmes“ sichern, die im Wasser stehen; das Bauwerk drohte umzukippen.

Vor vier Jahren schätzte man den Aufwand auf rund 2,5 Millionen Euro, doch diese Geld fehlte der Schlösserstiftung. Inzwischen gibt es das 2017 aufgestellte Sonderinvestitionsprogramm 2, gefüttert mit Mitteln aus dem Bundeskulturhaushalt und der Länder Berlin und Brandenburg.

In den ersten fünf Jahren sollen Bauarbeiten an etwa 25 von 60 Projekten der Stiftung beginnen. Wann es mit der Meierei am Kuhtor los geht, hängt davon ab, welche Firmen sich zu welchen finanziellen Bedingungen wann um den Auftrag bewerben, doch es gibt deutschlandweit mehr Aufträge als ausführende Unternehmen.

Denkmalschutz und Land uneins in Details

Die Stiftung hat den Finanzbedarf inzwischen auf 2,35 Millionen Euro geschätzt, aber einige strittige Vorhaben nicht eingerechnet. So will sie das derzeit mit Schiefer gedeckte Dach wieder mit Ziegeln in italienischer Bauweise eindecken, so, wie es zu Persius’ Zeiten war. Ebenfalls nicht Teil der Rechnung ist das Zumauern von Fenstern, die man nach der Bauzeit in die Wände brechen ließ, um Licht in Wohnräume zu bringen, die es ursprünglich nicht gab. Auch weisen die heutigen Fenster eine andere Unterteilung durch „Sprossen“ auf als im Original, das man bei der Stiftung weitestgehend wiederherstellen möchte. Doch das Land sieht auch die späteren baulichen Formen als denkmalwürdig an und drängt darauf, den Nutzwert der Gebäude nicht zu schmälern, indem man zum Urzustand zurückkehrt.

Etwa zwei Jahrzehnte stand die Meierei am Kuhtor leer und verfiel. Als Kulisse des Kiosk-Cafés „Eden“ war sie im Sommer extrem beliebt. Jetzt soll sie für rund 2,5 Millionen Euro saniert werden.

Die Schieferdeckung anstelle der damals bereits beschädigten Eindeckung mit italienischen Ziegeln stammt von 1855; Schiefer war damals leicht verfügbar und viel kostengünstiger als Dachziegel aus Italien. Die Fenster im früheren Heuboden wurden 1911 in die Wand gebrochen, um Licht zu schaffen für Wohnungen.

Es sollen wieder Wohnungen entstehen

Das Ensembles aus einem Haupt-, einem Neben- und einem Stallgebäude steht unter Denkmalschutz und enthielt nach Angaben der Stiftung bis in die 1990er Jahre mehrere Wohnungen. Nach der Sanierung sollen im Hauptgebäude wieder bis zu vier Wohnungen entstehen.

Zum Wohnen geeignet sind 290 Quadratmeter. Das etwa 80 Quadratmeter große Erdgeschoss ist nach heutigen Vorschriften zu niedrig zum Wohnen; bis in die 90er war es kein Problem, in nur 2,25 Meter hohen Räumen zu leben; gefordert sind inzwischen 2,40 Meter. Das Gebäude hat keinen Keller; dafür wird in den zu niedrigen Räumen viel Abstell- und Haustechnikfläche geschaffen werden.

Gaststätte im Erdgeschoss geplant

Im so genannten Gehilfenhaus, dem der Parkbesucher hinter dem Kuhtor als erstem begegnet, sind rund 70 Quadratmeter nutzbar und für den Schankraum, die Aufwärmküche und den Vorratsraum eines Freiluft-Cafés vorgesehen.

Die Meierei am Kuhtor im Park Sanssouci wird saniert: In diesem Gebäudeteil könnte ein „Ausschank“ mit Aufwärmküche entstehen. Quelle: Rainer Schüler

Das würde vermutlich das Kiosk-Café „Eden“ im Gartenteil des Hauses ersetzen, dem die Stiftung bescheinigt, Menschen vom „Belagern“ der „Vegetationsflächen“ abzuhalten. Die 100 Quadratmeter großen, früheren Stallungen sollen Abstellflächen werden. Auch 75 Quadratmeter nicht als Wohnraum nutzbarer Flächen sollen Abstellräume werden. Das Dach soll auch künftig ungenutzt bleiben. Sein Tragwerk muss aber entgiftet werden, denn es ist mit Arsen (fünf Prozent höher als der Grenzwert) und Quecksilber (fast 20-fache Grenzwertüberschreitung) belastet.

Italienische Erweiterung für Sanssouci

Der Parkbereich Charlottenhof ist eine Erweiterung des Parkes Sanssouci, der unter König Friedrich II. nach Süden nur etwa bis zum heute autobefahrbaren Ökonomieweg ging. Kronprinz Friedrich Wilhelm (IV.) erhielt 1825 das Vorwerk mit dem Gut Charlottenhof von seinem Vater Friedrich Wilhelm III. als Weihnachtsgeschenk. 1832 formulierte Ludwig Persius den Umbau des Handtmannschen Diensthauses und realisierte den Umbau 1833/34.

Immer wieder Umbauten

Die ersten großen Umbauten erfolgten 1873-75, vor allem im zweiten Obergeschoss. Um 1892 wurde das so genannte „Blumenfenster“ auf der Ostseite zugemauert; aus ihm hatte der Hofgärtner Aussicht auf das Geschehen in der Ziergärtnerei vor dem Kuhtor. Um 1900 folgten Umbauten in allen Geschossen sowie zwischen 1911 uns 1929 im 1. Obergeschoss.

Die Meierei am Kuhtor im Park Sanssouci: Mehrere Fenster im zweiten Obergeschoss wurden weit nach der Bauzeit in die Fassade gebrochen, um Licht für Wohnräume zu bekommen. Auch die Formen und Aufteilungen der anderen Fenster sind nicht mehr original. Quelle: Rainer Schüler

Die letzten Sanierungsarbeiten wurden 1968 vorgenommen, als man das gesamte Objekt neu verputzte und das Dach reparierte; seither ist nichts mehr passiert, seit 50 Jahren nicht.

Nachfahre erinnert an Hofgärtner

Joachim Schmidt (85) ist Potsdamer und Ur-Ur-Ur-Enkel des Hofgärtners Carl Christian Handtmann, dessen Haus von Persius zur Meierei umgebaut wurde. Er möchte das Leben seines Vorfahren der heutigen Öffentlichkeit nahe bringen. Der ehemalige Chemiker von der Pädagogischen Hochschule in Potsdam hofft auf Unterstützung durch Stiftungen und Kunst-Mäzene.

Joachim Schmidt (85), Ur-Ur-Ur-Enkel von Hofgärtner Carl Christian Handtmann Quelle: Rainer Schüler

Ähnlich wie bei der zugedeckten Festungsanlage, des so genannten Modell-Forts, in der Nähe des Neuen Palais müsste an der Kuhtor-Meierei eine Informationstafel auf die Bedeutung dieses Gebäudes aufmerksam machen, findet er. Wenn dies unter der Überschrift „Handtmannsches Gärtnerhaus“ geschieht, könnte er sich vorstellen, dass dafür die Kosten von den Handtmann-Nachfahren getragen werden. Doch die Stiftung schrieb ihm, sie habe schon genug Tafeln an ihren Gebäuden. Schmidt hofft auf ein Einlenken.

In den 60ern lebte ein Pferd in der Meierei

Schmidt kennt die Meierei seines Vorfahrens noch im bewohnten und genutzten Zustand: „Mit unseren Kindern sind wir auf dem Wege von der Geschwister-Scholl-Straße 96 zum Sanssouci-Schloss oft an der Seitenfront dieses Hauses vorbeigegangen“, erzählt er, „denn wenn man die Kinder hochhob, konnten sie durch ein vergittertes Fenster den Kopf eines Pferdes sehen, das dort offenbar seinen engen Stall hatte.“ Damals, Mitte der 1960er Jahre, wusste er zwar, dass sein Vorfahre irgendwo nahe den Römischen Bädern gewohnt haben musste, doch wo genau, erfuhr er erst bei einer Nachfrage bei den Staatlichen Schlössern und Gärten Potsdam-Sanssouci.

Gute Dokumentationen über die Meierei

Dabei gibt es durchaus umfangreiche Beschreibungen und Dokumentationen der Meierei und ihres Vorgänger-Baus. Über die Baugeschichte des Handtmannschen Gärtnerhauses heißt es bei Wimmer „Die Preussischen Hofgärtner“: „Südlich des Rehgartens in Sanssouci war 1748 eine holländische Windmühle auf einer von Kanälen gebildeten Insel errichtet worden. Man nannte sie Kunstmühle, da sie das Wasser für die Wasserkünste fördern sollte. Sie funktionierte aber nicht und verfiel. Der findige Planteur Burghoff erhielt sie 1777 auf sein Ersuchen als Wohnung.

Das Leben des Carl Christian Handtmann

Die wesentlichen Lebens-Stationen von Carl Christian Handtmann wurden vom Enkel Paul Handtmann am 27. Dezember 1890 niedergeschrieben als „Nachrichten über die Familie Handtmann“.

Darin heißt es, der Ursprung der Handtmanns sei um 1400 in Villingen (Schwarzwald) zu suchen. Die Bezeichnung „handten“ solle so viel heißen wie „Recht sprechen, Streit schlichten“, wahrscheinlich hatten die Namensbegründer das Amt eines Friedensrichters inne.

Carl Christian Handtmann wurde am 7.9.1777 in Neuendorf bei Barth (nahe Strahlsund, Vorpommern) geboren. Dort absolvierte er seine erste Gärtnerlehre und verdiente sich etwas durch Samenverkauf hinzu. Er setzte seine Ausbildung fort beim großherzoglichen Hofgärtner in Ludwigslust und hatte dort einen Zuverdienst durch Gartenführungen.

Von Ludwigslust kam er nach Berlin zum Handelsgärtner Fintelmann, dann zum Hofgärtner Steinert in Charlottenburg. Durch Vermittlung von Steinert bekam er eine Anstellung beim Bergwerksminister von Reden in Buchwald im Hirschberger Tal unterhalb des Riesengebirges.

Aus Buchwald wurde er durch den Landgraf von Fürstenberg nach Kunzendorf (ebenfalls im Hirschberger Tal) abgeworben. Dort heiratete er Therese Thamm, geboren am 15. August 1787 in Landeck (Schlesien). 1811 wurde dort Sohn Joseph geboren.

In Kunzendorf lernte ihn Friedrich Wilhelm III. von Preußen kennen, der ihn 1821 durch seinen Hofmarschall nach Paretz bei Potsdam berief. Als direkter Untergebener des Gartendirektors Peter Joseph Lenné war er unter anderem für die Baumschulwirtschaft (Anzucht der jungen Gehölze und deren Vermarktung) verantwortlich und hatte die Mitarbeiter entsprechend zu schulen. In seinem Hause war deshalb das „Unterrichtslocal der Gärtner-Lehranstalt“ untergebracht. Sein Gehalt betrug jährlich 600 Taler.

Handtmann starb 1852, er überlebte seine Frau um 11 Jahre. Im Sterberegister Bornstedt ist vermerkt: „Carl Handtmann, Königlicher Hofgärtner zu Sanssouci, Alter 76 Jahre 7 Monate 2(?) Tage, hinterläßt 2 majorene Kinder, gestorben 16. November morgens 6 Uhr, Todesursache: Lungenlähmung, Beerdigung 19. November 1852 von Hofprädiger Heym.“

Die Grabstätte Handtmann ist infolge von Neubelegungen, wie viele andere auch, nicht mehr vorhanden.

Nach Burghoffs Verhaftung zog 1780 sein Nachfolger Wilhelm Sello hier ein. Jedoch brannte die Kunstmühle 1785 ab, und der freigebige König Friedrich Wilhelm II erbaute Sello 1787 ein neues Haus an gleicher Stelle.“

Erst Mühle, dann Gärtnerhaus

„Das Haus Wilhelm Sellos anstelle der früheren Kunstmühle wurde 1833-1834 für seinen Nachfolger Handtmann italianisierend umgebaut.

Hofgärtner Carl Christian Handtmann, (7.9.1777 - 16.11.1852) Quelle: Joachim Schmidt

Es hieß nun Handtmannsches Haus und später Meierei.“ „ Es ist …. Auf das reizendste mit Epheu und Weinranken, blumenreichen Umgebungen, sammetweichen Rasenplätzen, Kugelakazien, Festons von Rankengewächsen zwischen den Bäumen und Weinlaubarkaden geschmückt.“

Der Umbau erfolgte durch Ludwig Persius (1803-1845), einen Schüler Schinkels, der auch die Römischen Bäder und die Fasanerie in Sanssouci 1828-44 mit Stilelementen der italienischen Renaissance erbaute und nun den italienischen Charakter des Gebäudes mit seiner langen Pergola (1842 angefügt) den anderen Gebäuden des Charlottenhof-Parkes im Stil einer italienischen Fabricca anpasste. Als Anregung diente vermutlich die Villa Cenci im Park der Villa Borghese in Rom.

Von Rainer Schüler

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