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„Mercure-Abriss-Diskussion ist Luxusproblem“

Top-Thema Bürgerbegehren „Mercure-Abriss-Diskussion ist Luxusproblem“

Bernhard Schuster, Präsident der Brandenburgischen Architektenkammer, plädiert im MAZ-Interview dafür, das Bürgerbegehren zur Potsdamer Mitte nicht zu verteufeln. Sondern es als Chance für die Zukunft zu sehen: Alle Potsdamer sollen mit ins Boot geholt werden bei der Debatte um die Mitte. Sonst droht, dass viele Potsdam nicht mehr als „ihre“ Stadt wahrnehmen.

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Bernhard Schuster ist der Präsident der Brandenburgischen Architektenkammer.

Quelle: Christel Köster

Potsdam. Das laufende Bürgerbegehren, das sich gegen die Verwendung öffentlicher Gelder für den Abriss der alten Fachhochschule, des Wohnblocks „Staudenhof“ und des Hotels Mercure wendet, bestimmt die Schlagzeilen. Bernhard Schuster, Präsident der Brandenburgischen Architektenkammer, hält die aktuelle Diskussion für lange überfällig.

Herr Schuster, wie bewerten Sie das Begehren, in dem es um die Zukunft der Potsdamer Mitte geht?

Bernhard Schuster: Ich sehe das so: Die Bürgerinitiative „Mitteschön“ und andere sind erstaunt und vielleicht auch erschrocken, weil jetzt ein Widerspruch öffentlich aufbricht. Dieser Prozess hat gerade erst begonnen. Aber das gehört zu einer normalen Stadt dazu. Auch bei der Stadtspitze hat man den Eindruck, dass sie erschrocken ist und nicht weiß, wie sie dem begegnen soll.

Wie meinen Sie das?

Schuster: Sie sind noch dabei, das Ganze zu diskreditieren. Eine normale Diskussion hat da noch gar nicht stattgefunden.

Andererseits ist diese Abwehrhaltung aber doch teilweise nachvollziehbar. Schließlich geht es bei der Entwicklung der Mitte mit den Grundstücksverkäufen auch um viel Geld, das in das Treuhandvermögen des Sanierungsträgers fließen würde. Da muss das Bürgerbegehren doch automatisch wie ein Hemmschuh wahrgenommen werden, etwa wenn es um die Zukunft des FH-Areals geht.

Schuster: Es ist ja noch nicht so weit, dass da etwas gekippt worden ist. Klar ist aber mittlerweile: Die Voraussetzungen werden sicher nicht so bleiben, wie man das bisher dachte. Jeder Diskurs bringt am Ende ein anderes Ergebnis als die Ausgangspositionen. Und jeder Diskurs hat am Ende den Kompromiss zum Ziel. In einer demokratisch verfassten Stadtgesellschaft ist das dauerhaft der Normalfall.

Was denken Sie, sollte die Konsequenz des Bürgerbegehrens sein?

Schuster : Danach müssen die Planungsansätze noch offener diskutiert werden. Dieses Leitbautenkonzept ohne Einbeziehung des Bestehenden scheint mir noch nicht zu Ende diskutiert zu sein. Derzeit scheint es in Potsdam eine ganz starke Erwartung zu geben, dass man sich noch nicht komplett von dem verabschiedet, was bislang als sicher galt.

Aber es gibt doch bereits die Stadtverordnetenbeschlüsse, die auf eine behutsame Wiederannäherung an die alte Mitte abzielen.

Schuster :

Es geht bei dem Bürgerbegehren also auch um die Möglichkeit, endlich einmal Gehör zu finden?

Schuster : Ja, im Wesentlichen geht es um Partizipation, um den Teilhabeprozess. Das ist zwar nicht der von der Stadtführung gewollte und organisierte Bürgerbeteiligungsprozess. Dennoch sollte die Stadtführung in einen Diskurs treten und diese Leute nicht durch Taktik abdrängen. Anscheinend besteht auch bei einigen Fraktionen eine Abwehrhaltung. Die Stadt sollte sich aber der Mühe unterziehen, dass sich größere Teile der Stadtgesellschaft in diesen Prozess integriert sehen. Denn wenn alles so gebaut wird, wie es derzeit geplant ist, könnte es wegen mangelnder Teilhabe zu einer Ablehnung kommen. Dann betrachten diese Leute Potsdam nicht mehr als „ihre“ Stadt.

Wie könnte die Lösung aussehen?

Schuster : Das Schwierige wird wahrscheinlich sein, wieder miteinander zu reden. Schließlich sind manche Dinge wie die Neubebauung des FH-Areals ja fast schon zum Greifen nahe. Da ist es schon grausam, das Ganze noch einmal auf den Prüfstand zu stellen. Aber wenn man nicht nur Machtpolitiker ist, dann muss man auch integrativ wirken.

Zentraler Bestandteil des Begehrens ist ja das Hotel Mercure. Passt das DDR-Hochhaus überhaupt noch in die neue alte Mitte?

Schuster : Ich lebe in Frankfurt an der Oder. Dort gibt es noch viel schärfere architektonische Kontraste. Neben der gotischen Backsteinkirche St. Marien steht ein 25-geschossiges Hochhaus – das höchste im Land. Es gibt in Frankfurt unter den Interessierten niemanden, der einen Rückbau der Altstadt auf einen bestimmten historischen Punkt fordert.

Nun ist Potsdam ja die Landeshauptstadt mit einem entsprechenden Selbstverständnis. Wie ist da die Außenwahrnehmung auf die Mercure-Debatte?

Schuster : Man hat hin und wieder den Eindruck, als ob Potsdam die Bedeutung als Landeshauptstadt für die Stadtentwicklung nutzt, aber das damit einhergehende Mitspracherecht nicht so recht wahrhaben will. Ich glaube aber, dass eine Landeshauptstadt es aushalten muss, dass sich das Land einmischt.

Sehen Sie die Mercure-Abriss-Diskussion als ein Luxusproblem?

Schuster :


 

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Von Ildiko Röd

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