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Mercure „Mercure“-Direktor geht nach München
Lokales Potsdam Mercure „Mercure“-Direktor geht nach München
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00:26 24.03.2018
Hotel-Direktor Marco Wesolowski (38) verlässt das Potsdamer „Mercure“ und führt ab April ein Vier-Sterne-Plus-Haus in München. Quelle: Julian Stähle
Innenstadt

Hotel-Direktor Marco Wesolowski verlässt das Potsdamer „Mercure“. Am 3. April übergibt er das Haus an seinen Nachfolger. Wesolowski, der beinahe eine Dekade lang die Geschicke des umstrittenen Hotelturms in der wiedererstehenden historischen Potsdamer Mitte mitbestimmt hat, wechselt an die Spitze des ebenfalls zum Accor-Konzern gehörenden Vier-Sterne-Plus-Hotels „Pullmann“ in München. Er habe sich um den neuen Job nicht beworben, betont der 38-Jährige. Die Münchener seien auf ihn zugekommen. „Ich hätte hier im Mercure gern noch die 50-Jahr-Feier 2019 mitgemacht“ – die neue Aufgabe habe er aber einfach nicht ausschlagen können. Zu spannend, zu herausfordernd sei das Geschäft in der Bayernmetropole, die mehr Hotelbetten als Manhattan bietet und Jahr für Jahr um die 3500 dazubekommt – Experten warnen seit Langem schon vor einer Hotel-Blase. Der Münchener Markt ist umkämpft wie kein anderer in Deutschland. Das ideale Betätigungsfeld für einen, der nicht nur das Hotelhandwerk von der Pike auf gelernt hat, sondern auch, sich und sein Haus zu behaupten.

„Eine härtere, aber dadurch auch bessere Schule wie meine Potsdamer Zeit kann man gar nicht haben“, sagt Marco Wesolowski. Seit 18 Jahren ist er für den Accor-Konzern tätig. Er hat seine Ausbildung im Ibis-Hotel im Europarc Dreilinden absolviert und danach in diversen Berliner Häusern gearbeitet. Am 1. Januar 2009 trat er seinen Dienst als Direktionsassistent im Potsdamer Mercure an, Ende 2010 wurde er zum stellvertretenden, im Sommer 2013 zum Direktor befördert. „Stürmische Zeiten“, sagt Wesolowski, der so vehement wie keiner seiner Vorgänger für das Mercure eingetreten ist. Der Ruf nach dem Abriss des einstigen DDR-Vorzeigehotels und die Proteste dagegen sind der Sound seiner Amtszeit.

Von Potsdam nach München: Nach mehr als neun Jahren im Dienste des „Mercure“ verlässt Marco Wesolowski das umkämpfte Hotel-Hochhaus

Die Diskussion über die Zukunft des Plattenbaus hatte sich vor allem an der 1999 erlassenen Sanierungssatzung „Potsdamer Mitte“ entzündet. Das Mercure, heißt es darin, dominiere die Eingangssituation, Maßstäblichkeit und Standort im ehemaligen Lustgarten seien „als äußerst problematisch einzustufen“. Im Frühjahr 2012 spitzt sich die Situation zu, als der Unternehmer und Mäzen Hasso Plattner ankündigt, er wolle eine Kunsthalle in Potsdam eröffnen. Schnell kommt das Mercure-Gelände als Standort ins Gespräch – die Stadt macht keinen Hehl daraus, dass man jede Chance ergreifen sollte, „dieses jede Maßstäblichkeit sprengende Gebäude abzutragen oder umzubauen, um damit Sichtbeziehungen und Proportionen in der Mitte wieder herzustellen.“ Wer bei Google nach dem Potsdamer Mercure sucht, erhält damals als ersten Vorschlag der Autocomplete-Funktion „Abriss“.

Es ist leise geworden – und doch bleibt es brisant

Die Debatte war geschäftsschädigend“, sagt Wesolowski damals wie heute. „Obwohl es politisch betrachtet jetzt leise um das Hotel geworden ist, dürfen wir nicht vergessen, dass sich die Situation nicht verändert hat: Wir liegen noch immer im Sanierungsgebiet mit dem definierten Ziel, den Lustgarten zu einem Zeitpunkt X ohne dieses Hotel glänzen zu lassen.“

Wenn er jetzt geht, dann bleibt diese Sorge. „Aber ich gehe auch mit einer gewissen Gelassenheit, denn ich weiß, dass meine Mitarbeiter gewappnet sind.“ Die Fluktuation sei trotz der schweren Zeit gering gewesen. „All das Erlebte hat das Team zusammengeschweißt. Das liegt auch an den Potsdamern. Wir können uns auf sie verlassen – sie haben mehr als eine Lanze für uns gebrochen. Wenn ich auf etwas stolz bin, dann darauf, dass die Identifikation der Bevölkerung mit diesem Haus und das Selbstwertgefühl der Menschen, die darin arbeiten, gewachsen sind. 2013 war das Mercure ein Plattenbau – heute ist es ein Haus mit Gesichtern.“

Imkern auf dem Dach und ein Heiratsantrag

Die Highlights? „Da gibt’s so viele!“, sagt Wesolowski. Er hat mit seiner Frau Bienenstöcke aufs Dach geschleppt und den Honig auf dem Frühstücksbüfett angeboten – einer der Haustechniker wird nun hoch über Potsdam weiter imkern. Er hat der Stadt den größten Weihnachtsbaum geschenkt und war Komplize eines einmaligen Heiratsantrags: Im Herbst 2016 hatte eine junge Frau ihrem Freund im Riesenrad auf der Kirmes zu Füßen des Hotels die entscheidende Frage gestellt – auf einem Transparent, das aus den Fenstern der 17. Etage flatterte.

Apropos: Unvergessen die Eröffnung des Landtagsschlosses Anfang 2014, als 2500 Gäste in das eigens geöffnete Stockwerk kamen, um den Blick über die Stadt zu genießen. Die Renaissance der legendären Café-Bar „Bellevue“, initiiert von drei findigen Freunden aus der Potsdamer Gastro-Szene. Die Stadtwerkefeste und „Unterwegs im Licht“. Der Handshake mit dem erstem Hoteldirektor Helmut Fröhlich. Der DAK-Firmen- und der Mukoviszidoselauf. Drei Bomben-Evakuierungen und das OSZE-Außenministertreffen, bei dem sich die Scharfschützen auf dem Vordach in Stellung brachten. Der Schulterschluss mit den anderen Hoteliers im Widerstand gegen die Bettenteuer und mit dem Bündnis „Potsdamer Mitte neu denken“. Die Kooperation mit Film- und Potsdam-Museum, mit Kletterpark, Nikolaisaal und anderen Tourismus-Akteuren. „Wir haben uns dichter und dichter verwoben. Heute gehört das Hotel zu Potsdam wie nie zuvor. – Die Zeit für neue Impulse ist gekommen.“

Neun Jahre und drei Monate Mercure liegen hinter Marco Wesolowski. „Die Erfahrungen, die ich in dieser Zeit gesammelt habe, werde ich nie vergessen“, sagt er. „Ich verlasse Potsdam – aber Potsdam wird mich nicht verlassen.“

Von Nadine Fabian

Ein Bild vom 9. September 2017 hat viele Potsdamer beeindruckt: Linke Aktivisten stehen auf dem Dach des Mercure und entrollen beim Auftritt von AfD-Mann Björn Höcke ein „Nazis raus“-Plakat. Nun hat sich die AfD-nahe Erasmus-Stiftung mit einer geschlossenen Veranstaltung im Hotel angesagt. Wer die Gäste sind, sei zunächst nicht klar gewesen, sagt der Direktor.

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