Volltextsuche über das Angebot:

11 ° / 3 ° Regenschauer

Navigation:
Engländer (89) hält dem Mercure die Treue

Potsdam-Besuch führt in die 17. Etage Engländer (89) hält dem Mercure die Treue

Seit Kriegsende lebt Günter Winkler (89) in England. Der Kontakt zu seiner Familie in Potsdam ist nie abgerissen. Alle zwei Jahre kommt er zu Besuch. Oft ist das Mercure eines seiner Ziele. Zu DDR-Zeiten liebte er es, in der Bar in der 17. Etage zu schwofen. Klar, dass er dabei ist, wenn sie für eine Nacht wieder auflebt. Wie auch Sie an Karten kommen, verraten wir hier.

Potsdam, lange brücke 52.3930063 13.0623004
Google Map of 52.3930063,13.0623004
Potsdam, lange brücke Mehr Infos
Nächster Artikel
Wie komme ich in die 17. Etage des Mercure?

Am 3. September öffnet die Bar hoch oben in der 17. Etage.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Potsdam. Der Smoking liegt bereit. Die Tanzschuhe sind geputzt. Und Günter Winkler zählt wohl daheim in Southend-on-Sea schon die Tage bis zum 3. September. Der 89-Jährige hat an diesem Tag eine Verabredung, die er kaum mehr für möglich hielt. Nicht etwa, weil 850 Kilometer Luftlinie zwischen ihm und seinem Date liegen – die Entfernung hatte ihn doch all die Jahre nicht abgehalten, nach Potsdam zu kommen! Nicht der Ärmelkanal, nicht die Mauer. Eines Tages aber, da war sie einfach verschwunden – die Bar in der 17. Etage des Hotels, das 1969 als Interhotel eröffnet und nach der Wende in Mercure umbenannt wurde. Günter Winkler hatte ein Wiedersehen längst abgehakt. Und nun diese Überraschung!

Dort oben in der 17. hat man noch Träume, meinen drei Potsdamer Gastronomen und planen, die legendäre Bar noch einmal für eine Nacht aufleben zu lassen. Klar, dass Günter Winkler dabei sein und „seine“ Potsdamer Bar noch einmal sehen möchte, so schön sind die Erinnerungen an die Abende über der Stadt, in der sich nach dem Krieg und der Flucht aus Ostpreußen ein Teil der Familie niedergelassen hat.

Als Ingo Opitz, Claudia Thom-Neumann und Ronny Rammelt ihr Vorhaben im April publik machten, setzte umgehend der Sturm auf die 17. Etage ein. Potsdamer, Hotelgäste und einstige Mitarbeiter meldeten sich, schickten Fotos, erzählten ihre ganz persönlichen Hotel-Anekdoten, boten ihre Hilfe an. Auch Günter Winklers Nichte Manuela Thiersch (55) schrieb einen Brief:

„Was für eine grandiose Idee, die legendäre Bar in der 17. Etage zu öffnen. Auch ich bin begeistert. Folgende Geschichte dazu: Mein Onkel hat nach dem Krieg (englische Gefangenschaft) in England geheiratet und wohnt heute noch dort. Zu DDR-Zeiten besuchte er uns alle zwei Jahre in Potsdam, was auch seine Schwester (meine Mutter) sehr freute. Da er jahrelang im englischen Tanzclub tanzte, war er immer sehr froh, wenn wir seinen Besuch mit einem Tanzabend in der 17. Etage verbinden konnten. Leider war das nicht ganz so einfach mit mehreren Personen in der Bar Eintritt zu bekommen. Als dann mein Onkel zum Einlass sagte, er würde die Rechnung in englischen Pfund bezahlen, gewährte man uns Einlass. Wir genossen das Panorama und hatten einen wunderbaren Tisch nahe dem Parkett – und tanzten wie im siebten Himmel. Heute ist mein Onkel 89 Jahre alt und sehr rüstig. Wir würden sehr gerne mit ihm noch einmal die 17. Etage besuchen, ein Glas Sekt oder Kaffee trinken, die Aussicht genießen und vielleicht, wenn auch Musik in luftiger Höhe erklingt, das Tanzbein schwingen. Auf jeden Fall kommt er uns auch in diesem Jahr wieder besuchen. Er hat den Flug schon gebucht und sich den 3. September in den Kalender eingetragen. Es wäre einfach zu schön und genial, wenn das klappen könnte. Ich wünsche gutes Gelingen – und wenn Sie Unterstützung oder Hilfe bei Ihrem Vorhaben benötigen, sprechen Sie mich an. Es ist doch toll, wenn Träume wahr werden.“

Günter Winkler bei einem Potsdam-Besuch mit seinen Schwestern Toni (M) und Steffi im Restaurant „Oscar“ im Hotel Mercure

Günter Winkler bei einem Potsdam-Besuch mit seinen Schwestern Toni (M.) und Steffi im Restaurant „Oscar“ im Hotel Mercure.

Quelle: Privat

Diese Zeilen rührten nicht nur das „Team 17“, sondern auch den Hoteldirektor. Marco Wesolowskis Entschluss war schnell gefasst: „Herr Winkler ist selbstverständlich unser Gast. Wir laden ihn in unser Haus ein.“ Das Mercure spendiert dem 89-Jährigen ein Zimmer. Einer der heiß begehrten Plätze in der Bar ist ihm sicher.

Mehr als 800 Reservierungsanfragen haben die Veranstalter bislang erreicht. „Wir waren sehr überrascht, dass die Nachfrage so enorm hoch war“, sagt Ingo Opitz. „Wir möchten uns bei allen Interessenten für Ihre Geduld bedanken.“ Bedauerlicherweise habe die 17. Etage aber nur ein Fassungsvermögen von 220 Personen. „Dieser Umstand hat uns großes Kopfzerbrechen bereitet“, so Opitz. Nun habe man sich für eine Variante entschieden, die allen die gleiche Chance geben soll: Ab 6. August, 18 Uhr gilt das Windhundprinzip.

Wie komme ich an Karten?

Für die Bar in der 17. Etage benötigt man eine Eintrittskarte.

Für das Café in der 17. Etage ist kein Ticket erforderlich.

Der Kartenvorverkauf erfolgt online am 6. August ab 18 Uhr. Die E-Mailadresse für die Anfrage lautet 17etage@gmail.com – bitte fügen Sie den Vermerk „Kartenbestellung“ in die Betreffzeile ein. Weil die Kapazität begrenzt ist, stellen die Veranstalter pro Anfrage via E-Mail nur zwei Karten zur Verfügung. Es gilt daher das Windhundprinzip: Die Anfragen werden nach Eingangszeit gewertet – der Schnellste gewinnt. Vor 18 Uhr eingegangene Anfragen werden nicht berücksichtigt.

Die Ausgabe der Karten erfolgt gegen Barzahlung in Höhe von 17 Euro pro Karte am 9. August im Hotel Mercure.

Eine Abendkasse wird es auch geben – und zwar am 3. September ab 21.30 Uhr. Wer keine Karten im Vorverkauf erstehen konnte, hat hier die Gelegenheit dazu, wenn erste Plätze wieder frei werden.

Die Ausstellung im Erdgeschoss ist frei zugänglich. Zwischen 11 und 17 Uhr gibt es zudem Kaffee, Kuchen und kleine Leckereien in die 17. Etage. Für diesen Zeitraum nehmen die Veranstalter Reservierungen entgegen. Bei Reservierungsanfragen via Email (Betreff „Kaffee und Kuchen“) bitte die Telefonnummer für einen etwaigen Rückruf angeben. nf

 

Von Nadine Fabian

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Mercure
105f8eda-72d6-11e6-8faf-24d8a6ce3852
Teil 1: Träumen und feiern in der 17. Etage

Über alle Abrissdiskussionen hinweg: Das umstrittene „Mercure“ hat am Sonnabend gestrahlt. „In der 17. hat man noch Träume“ – so der Slogan. In der legendären Bar haben viele Gäste die Nacht zum Tag gemacht, um zu plaudern und zu tanzen, Cocktails zu trinken und den einmaligen Ausblick zu genießen. (Teil 1)

Bau des Mercure in Potsdam

Das Mercure, ehemaliges Interhotel Potsdam, wurde im Jahr 1969 fertiggestellt. Nach dem der Fall der Mauer wurde das Hotel saniert und umgebaut. Es steht an der Langen Brücke und grenzt an den Lustgarten. Seit Jahren wird über einen möglichen Abriss des Hotels gestritten. Hasso Plattner wollte am Standort des Hotels eine Kunsthalle bauen, gab das Vorhaben aber schließlich auf, weil diese Pläne auf erheblichen Widerstand stießen.

Potsdams Innenstadt - vor und nach dem Krieg

Der 14. April 1945 ist ein sonniger, warmer Frühlingstag – ein Sonnabend.  Um 22:15 Uhr ertönen die Sirenen, Bomben fallen auf Potsdam und wenig später marschiert die russische Armee in Potsdam ein. Das Stadtbild ist ein anderes geworden.

Das Protokoll zum Luftangriff: www.maz-online.de/Nacht-von-Potsdam

Sehen Sie das Mercure als städtebaulichen Missstand, den es zu beseitigen gilt?