Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Mercure Mercure, Extra 3 und der reale Irrsinn
Lokales Potsdam Mercure Mercure, Extra 3 und der reale Irrsinn
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:26 21.05.2016
Ein gutes Dutzend Erwachsene, zwei Kinder und zwei Hunde fanden sich am Freitagnachmittag auf Einladung des Satiremagazins Extra 3 zum Picknick ein, wo nach dem Abriss des „Mercure“ die Wiese des Volkes entstehen soll. Quelle: Bernd Gartenschläger
Anzeige
Innenstadt

Dieses Picknick ist an Idylle schwer zu unterbieten. Statt Kaffeeduft wehen den Frauen und Männern, die ihre Decken auf dem Bürgersteig gegenüber dem Landtagsschloss ausgebreitet haben, Abgase um die Nase. Eltern hechten ihren Kindern hinterher, auf dass sie nicht unter die Räder kommen. Ein Müllauto rumpelt vorbei, die Tram kreischt sich durch die Kurve, die Melodie der Gitarre ersäuft im Getöse von Lastern und Limousinen. Willkommen auf der Wiese des Volkes!

Extra 3 löste mit Beitrag eine Staatsaffäre aus

Eingeladen zu diesem Picknick haben die Satiriker von Extra 3. Genau – das waren die, denen der türkische Präsident Erdogan Mitte März zu unverhoffter Popularität verhalf, weil er gegen den Song „Erdowie, Erdowo, Erdogan“ vorgehen wollte. Die, deren Satire einen internationalen Skandal anbahnte, der in der Staatsaffäre um Jan Böhmermann gipfelte.

Extra 3 – 40 Jahre Satire

Extra 3 ist ein politisches Satiremagazin des Norddeutschen Rundfunks. Es wird monatlich im Ersten und wöchentlich im NDR ausgestrahlt.

Die erste Sendung wurde am 21. September 1976 gesendet. Die Moderation hat derzeit Christian Ehring inne. Einige seiner Vorgänger sind: Dieter Kronzucker (1976-1977), Wolf von Lojewski (1976-1981), Jörg Thadeusz (2000-2004) und Tobias Schlegl (2007-2011). Lea Rosh war eine der wenigen Frauen, die durch das Satiremagazin führten (1977-1989).

Der reale Irrsinn ist eine regelmäßige Rubrik. Dabei geht es um reale Vorfälle und Ereignisse – etwa um staatliche Baumaßnahmen – , die beim Publikum meist nur Kopfschütteln hervorrufen.

Der türkische Präsident Erdogan verhalf der e Sendung vom 17. März 2016 zu unverhoffter Popularität, weil er gegen den Song „Erdowie, Erdowo, Erdogan“ vorgehen wollte.

Sendetermin für NDR-Beitrag steht noch nicht fest

Nach Ankara knöpft sich Extra 3 nun Potsdam vor. Am Freitag drehte ein Team des NDR-Satiremagazins in der Innenstadt. Im Fokus das Hotel „Mercure“, das in einer der nächsten Extra-3-Ausgaben – der Sendetermin steht noch nicht fest – in der Rubrik „Realer Irrsinn“ die Hauptrolle spielen wird. „15 Millionen, um ein lebendiges Haus abzureißen und Platz für eine Wiese zu machen – das spricht für sich“, sagt Extra-3-Autorin Anna Lisa Lohmann. Sie hat Bürger befragt, den Hoteldirektor Marco Wesolowski und André Tomczak vom Bürgerbegehren „Kein Ausverkauf der Potsdamer Mitte“, das inzwischen 11 800 Unterschriften zählt. Nur ein in der Causa „Mercure“ bisher durchaus redseliger Potsdamer wird fehlen, wenn der Beitrag über die Mattscheiben zwischen Oberammergau und Ostsee, zwischen Rhein- und Havelland flimmert: Jann Jakobs. „Der Oberbürgermeister möchte sich nicht äußern“, sagt Anna Lisa Lohmann. Überhaupt wolle „niemand von der Stadt oder der Pro Potsdam“ vor die Kamera. „Aber man hat uns ein offizielles Statement versprochen. Darauf warten wir allerdings seit Wochen.“

Extra 3 drehte bereits einen Beitrag in Potsdam

André Tomczak hat das Satiremagazin auf die Debatte um das Hotel, die er Kampagne nennt und für die „Realer-Irrsinn“-Rubrik „wie gemacht“ hält, hingewiesen. Es habe aber auch „einige andere Zuschriften aus Potsdam“ gegeben, sagt Anna Lisa Lohmann. Sie und ihr Team waren übrigens nicht das erste Mal in der Stadt. Nur fünf Gehminuten vom „Mercure“ entfernt haben sie vor einem halben Jahr am Neuen Markt die Unkraut-Posse gefilmt. Wer Nachhilfe bei der Frage wann Unkraut Unkraut ist und Gras Gras benötigt – der Beitrag ist noch immer auf www.ndr.de zu sehen. Rubrik? „Realer Irrsinn“.

Von Nadine Fabian

Potsdam Ersatz für Hotel-Mercure wäre da - Potsdam warnt vor Bürgerbegehren-Erfolg

Explosives Papier aus dem Rathaus: Auf 18 Seiten erklärt die Potsdamer Stadtverwaltung, welcher Schaden durch das Bürgerbegehren zur Stadtmitte entstehen würde und warum das Hotel Mercure weggerissen werden kann. Die Reaktionen werden nicht lange auf sich warten lassen. Derzeit läuft eine Pressekonferenz.

20.05.2016

Einst Schmuddelmeile, heute 1-A-Lage: Auf der Brandenburger Straße zwischen Bassinplatz und Brandenburger Tor kann gemütlich man durch die Potsdamer Innenstadt spazieren. Der Ur-Potsdamer Wolfgang Cornelius hat daran großen Anteil und hofft auf weitere Veränderungen in der Stadtmitte.

17.05.2016
Mercure Erinnerungen an das Interhotel Potsdam - Vier Gänge und ein paar Bols für den Rallyesieg

Tibet, Patagonien – Hans Hannemann war mit dem Motorrad überall auf der Welt. Dennoch ist dem 73-Jährigen eine Tour in eher unscheinbarer Kulisse besonders in Erinnerung geblieben. 1972 gewann er die Interhotel-Rallye kreuz und quer durch die DDR. Die 200 Mark Preisgeld verprasste er in dem Haus, das heute Mercure heißt. Das war schwerer als gedacht.

13.05.2016
Anzeige