Volltextsuche über das Angebot:

1 ° / -2 ° Nebel

Navigation:
Mercure, Extra 3 und der reale Irrsinn

Debatte um das Hotel „Mercure“ in Potsdam Mercure, Extra 3 und der reale Irrsinn

Einige haben es schon lange vermutet – die Mercure-Debatte in Potsdam ist nicht mehr als eine Realsatire. Nun bekommt die Debatte tatsächlich einen Platz in einem Satiremagazin. Und zwar bei Extra 3. Das NDR-Team drehte am Freitag in Potsdam. Die Satiriker haben bereits eine Staatsaffäre ausgelöst.

Potsdam 52.393711610449 13.059838042822
Google Map of 52.393711610449,13.059838042822
Potsdam Mehr Infos
Nächster Artikel
Potsdams Mercure-Hotel hat neuen Besitzer

Ein gutes Dutzend Erwachsene, zwei Kinder und zwei Hunde fanden sich am Freitagnachmittag auf Einladung des Satiremagazins Extra 3 zum Picknick ein, wo nach dem Abriss des „Mercure“ die Wiese des Volkes entstehen soll.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Innenstadt. Dieses Picknick ist an Idylle schwer zu unterbieten. Statt Kaffeeduft wehen den Frauen und Männern, die ihre Decken auf dem Bürgersteig gegenüber dem Landtagsschloss ausgebreitet haben, Abgase um die Nase. Eltern hechten ihren Kindern hinterher, auf dass sie nicht unter die Räder kommen. Ein Müllauto rumpelt vorbei, die Tram kreischt sich durch die Kurve, die Melodie der Gitarre ersäuft im Getöse von Lastern und Limousinen. Willkommen auf der Wiese des Volkes!

Extra 3 löste mit Beitrag eine Staatsaffäre aus

Eingeladen zu diesem Picknick haben die Satiriker von Extra 3. Genau – das waren die, denen der türkische Präsident Erdogan Mitte März zu unverhoffter Popularität verhalf, weil er gegen den Song „Erdowie, Erdowo, Erdogan“ vorgehen wollte. Die, deren Satire einen internationalen Skandal anbahnte, der in der Staatsaffäre um Jan Böhmermann gipfelte.

Extra 3 – 40 Jahre Satire

Extra 3 ist ein politisches Satiremagazin des Norddeutschen Rundfunks. Es wird monatlich im Ersten und wöchentlich im NDR ausgestrahlt.

Die erste Sendung wurde am 21. September 1976 gesendet. Die Moderation hat derzeit Christian Ehring inne. Einige seiner Vorgänger sind: Dieter Kronzucker (1976-1977), Wolf von Lojewski (1976-1981), Jörg Thadeusz (2000-2004) und Tobias Schlegl (2007-2011). Lea Rosh war eine der wenigen Frauen, die durch das Satiremagazin führten (1977-1989).

Der reale Irrsinn ist eine regelmäßige Rubrik. Dabei geht es um reale Vorfälle und Ereignisse – etwa um staatliche Baumaßnahmen – , die beim Publikum meist nur Kopfschütteln hervorrufen.

Der türkische Präsident Erdogan verhalf der e Sendung vom 17. März 2016 zu unverhoffter Popularität, weil er gegen den Song „Erdowie, Erdowo, Erdogan“ vorgehen wollte.

Sendetermin für NDR-Beitrag steht noch nicht fest

Nach Ankara knöpft sich Extra 3 nun Potsdam vor. Am Freitag drehte ein Team des NDR-Satiremagazins in der Innenstadt. Im Fokus das Hotel „Mercure“, das in einer der nächsten Extra-3-Ausgaben – der Sendetermin steht noch nicht fest – in der Rubrik „Realer Irrsinn“ die Hauptrolle spielen wird. „15 Millionen, um ein lebendiges Haus abzureißen und Platz für eine Wiese zu machen – das spricht für sich“, sagt Extra-3-Autorin Anna Lisa Lohmann. Sie hat Bürger befragt, den Hoteldirektor Marco Wesolowski und André Tomczak vom Bürgerbegehren „Kein Ausverkauf der Potsdamer Mitte“, das inzwischen 11 800 Unterschriften zählt. Nur ein in der Causa „Mercure“ bisher durchaus redseliger Potsdamer wird fehlen, wenn der Beitrag über die Mattscheiben zwischen Oberammergau und Ostsee, zwischen Rhein- und Havelland flimmert: Jann Jakobs. „Der Oberbürgermeister möchte sich nicht äußern“, sagt Anna Lisa Lohmann. Überhaupt wolle „niemand von der Stadt oder der Pro Potsdam“ vor die Kamera. „Aber man hat uns ein offizielles Statement versprochen. Darauf warten wir allerdings seit Wochen.“

Extra 3 drehte bereits einen Beitrag in Potsdam

André Tomczak hat das Satiremagazin auf die Debatte um das Hotel, die er Kampagne nennt und für die „Realer-Irrsinn“-Rubrik „wie gemacht“ hält, hingewiesen. Es habe aber auch „einige andere Zuschriften aus Potsdam“ gegeben, sagt Anna Lisa Lohmann. Sie und ihr Team waren übrigens nicht das erste Mal in der Stadt. Nur fünf Gehminuten vom „Mercure“ entfernt haben sie vor einem halben Jahr am Neuen Markt die Unkraut-Posse gefilmt. Wer Nachhilfe bei der Frage wann Unkraut Unkraut ist und Gras Gras benötigt – der Beitrag ist noch immer auf www.ndr.de zu sehen. Rubrik? „Realer Irrsinn“.

Von Nadine Fabian

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Mercure
105f8eda-72d6-11e6-8faf-24d8a6ce3852
Teil 1: Träumen und feiern in der 17. Etage

Über alle Abrissdiskussionen hinweg: Das umstrittene „Mercure“ hat am Sonnabend gestrahlt. „In der 17. hat man noch Träume“ – so der Slogan. In der legendären Bar haben viele Gäste die Nacht zum Tag gemacht, um zu plaudern und zu tanzen, Cocktails zu trinken und den einmaligen Ausblick zu genießen. (Teil 1)

Bau des Mercure in Potsdam

Das Mercure, ehemaliges Interhotel Potsdam, wurde im Jahr 1969 fertiggestellt. Nach dem der Fall der Mauer wurde das Hotel saniert und umgebaut. Es steht an der Langen Brücke und grenzt an den Lustgarten. Seit Jahren wird über einen möglichen Abriss des Hotels gestritten. Hasso Plattner wollte am Standort des Hotels eine Kunsthalle bauen, gab das Vorhaben aber schließlich auf, weil diese Pläne auf erheblichen Widerstand stießen.

Potsdams Innenstadt - vor und nach dem Krieg

Der 14. April 1945 ist ein sonniger, warmer Frühlingstag – ein Sonnabend.  Um 22:15 Uhr ertönen die Sirenen, Bomben fallen auf Potsdam und wenig später marschiert die russische Armee in Potsdam ein. Das Stadtbild ist ein anderes geworden.

Das Protokoll zum Luftangriff: www.maz-online.de/Nacht-von-Potsdam

Sehen Sie das Mercure als städtebaulichen Missstand, den es zu beseitigen gilt?