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Mercure-Gedankenspiele, Ironie und Kritik

Unmut beim Dehoga Mercure-Gedankenspiele, Ironie und Kritik

Vertreter des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands kritisieren Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs scharf. Er spanne Pro Potsdam für artfremde Aufgaben ein, so ihr Vorwurf. Von „Quatsch“ ist die Rede, von „hanebüchenen Plänen“ und von einem „fragwürdigen Lieblingsprojekt des Oberbürgermeisters“.

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Weithin sichtbar: Das Hotel Mercure bei Nacht.

Quelle: Foto: Friedrich Bungert

Innenstadt. Das Agieren der Stadtspitze in Sachen Mercure-Hotel sorgt für Unmut unter der Hotellerie. Spitzenvertreter des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) halten mit ihrer Kritik nicht mehr hinterm Berg: Dehoga-Kreisverbandschef Arndt Gilka-Bötzow spricht gar von „Quatsch“. Grund ist der kürzlich publik gewordene Statusbericht zur Umsetzung des Masterplans für den Lustgarten, der vom kommunalen Sanierungsträger im August erstellt worden ist – mit folgendem Szenario: Die kommunale Immobilienholding Pro Potsdam müsste nach einem Ankauf des „Mercure“ das Risiko einer erfolgreichen Weiterverpachtung tragen – je nach Variante für fünf oder 21 Jahre.

Obwohl beide Varianten momentan wegen fehlender Kaufoptionen ohnehin nur Gedankenspielereien sind, ist man beim Dehoga rund um Hauptgeschäftsführer Olaf Lücke und Gilka-Bötzow baff darüber, dass die Pro Potsdam – zumindest potenziell – zum Hotelbetreiber werden könnte. „Wir halten das insofern für Quatsch, weil die Zeit der Staatsbetriebe für Potsdam anscheinend noch nicht vorbei ist“, ätzt Gilka-Bötzow. Seine spitzzüngig formulierte Kritik richtet sich in erster Linie gegen Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) – die kommunale Pro Potsdam sei dabei ohnehin nur in der Rolle des Erfüllungsgehilfen. „Sie wird vom Oberbürgermeister eingespannt, um seine wirtschaftspolitisch hanebüchenen Pläne – ein etabliertes und gut funktionierendes Hotel an einem Top-Standort abzureißen und gegen eine Wiese auszutauschen – zu realisieren.“

Bereits in der Vergangenheit hatte der Verband das unbeirrbare Festhalten des Oberbürgermeisters an seinen Mercure-Plänen bemängelt – allerdings noch nie mit solcher Schärfe. Der Verband habe das Thema in letzter Zeit „bewusst runtergefahren“, so der Kreisverbandschef. „Wir erwarten aber auch von der Stadt, dass endlich Schluss ist mit der Verunsicherung der Mitarbeiter und Gäste.“ Seine Kritik am wirtschaftspolitischen Gebaren von Jakobs verbrämt Gilka-Bötzow mit Ironie. „Für den Dehoga stellt sich die weiterführende Frage, ob die Pro Potsdam auch für das nächste fragwürdige Lieblingsprojekt des Oberbürgermeisters herhalten muss: die Vermeidung des Parkeintritts für Sanssouci“, legt der Kreisverbandschef noch eine – nicht ernst gemeinte – Spitze drauf: „Wir erwarten natürlich, dass die Pro Potsdam dafür dann die Verwaltung von Park Sanssouci übernimmt.“

Für Pro-Potsdam-Chef Bert Nicke ist die Mercure-Kritik des Dehoga-Kreisverbandschefs nicht stichhaltig: „Wäre es so gekommen, dann hätte die Pro Potsdam auf keinen Fall das Hotel selber betrieben, sondern an einen Hotelbetreiber weiterverpachtet.“ Gilka-Bötzow kontert: „Die Pro Potsdam hängt so oder so mit drin – das ist einfach nicht ihr Kerngeschäft.“

Statusbericht: Zwei Varianten für das Mercure

Laut Statusbericht wäre ein Ankauf des Mercure „prinzipiell“ unter folgenden Voraussetzungen möglich:

Variante 1 sieht vor, dass der Eigentümer der Pro Potsdam das Grundstück zum Verkehrswert überlässt. Diese betreibt das Hotel über ein Managementmodell für fünf Jahre ohne weitere Investitionen in das Gebäude. Der Betrieb wird danach eingestellt. Bei dieser Variante müsste man dem Hotel-Eigentümer Flächen im Lustgarten für zwei Millionen Euro überlassen und zudem 4,8 Millionen Euro selbst tragen.

Variante 2: Der Eigentümer überlässt der Pro Potsdam das Grundstück zum Verkehrswert. Die Pro saniert das Hotel, betreibt es über ein Pachtmodell. Nach 21 Jahren wäre dann ein Abriss ohne Liquiditätsverluste möglich.

Von Ildiko Röd

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