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Mercure: Unterschriften „für das Hässliche“

Professoren kritisieren Potsdamer Bürgerbegehren Mercure: Unterschriften „für das Hässliche“

Das erfolgreich gestartete Bürgerbegehren gegen den Abriss des „Mercure“-Hotels, der alten Fachhochschule und des Wohnblocks am Staudenhof in der Potsdamer Innenstadt weckt Kritik. Professoren der Potsdam School of Architecture an der Fachhochschule werfen den Initiatoren eine „Begeisterung für das Hässliche“ vor.

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Der Streit um das „Mercure“-Hotel brachte das Bürgerbegehren ins Rollen.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Innenstadt. Sechs Tage nach dem Start des Bürgerbegehrens gegen den Abriss des „Mercure“-Hotels, der alten Fachhochschule und des Wohnblocks am Staudenhof gibt es erstmals heftige Kritik. Mit einem Thesenpapier „Zukunft denken. Kein Stillstand in der Potsdamer Mitte“ nennt eine Gruppe von Professoren der Potsdam School of Architecture an der Fachhochschule um Ludger Brands „Zehn gute Gründe gegen eine Unterschrift“. Zu den Punkten zählen „Potsdams Potenziale weiter ausschöpfen“, „Sozialverträglichen Wohnaum schaffen“, „Neue hochwertige Architektur in der Mitte der Stadt stärken“, „Kultur im Herzen der Stadt fördern“ und „Aufwändige Sanierung desolater Bestandsbauten vermeiden“.

Mit Blick auf die Initiatoren des Bürgerbegehrens stellen die Professoren fest: „Ihre Begeisterung für das Hässliche und ihr Beharren auf ästhetischen

Ludger Brands

Ludger Brands.

Quelle: Privat

Brüchen bleiben rätselhaft.“ Die Initiatoren versuchten, „sich diesen Stadtraum anzueignen und ihn damit einer vielfältigen Entwicklung zu entziehen“. In einem begleitenden Anschreiben versichert Brands, dass es „nicht der Wahrheit entspricht, dass eine Mehrheit der Potsdamer Bürger gegen die Rekonstruktion des historischen Stadtgrundrisses“ sei.

Unterdessen nähert sich die am Freitag eröffnete Unterschriftensammlung der 2000er-Marke, hat sie vielleicht schon überschritten. Bis Mittwochabend waren nach Angaben von Lutz Boede, dem Koordinator der Listensammlung, exakt 1923 Unterschriften beisammen. Allerdings seien die Zahlen mehrerer Sammelstellen wie der Waschbar in Potsdam-West, dem Buchladen Sputnik an der Charlottenstraße oder auch dem Pavillon der Schifffahrt in Potsdam überhaupt noch nicht eingeflossen. Die dort ausliegenden Listen würden erst in den nächsten Tagen zum ersten Mal abgeholt, so Boede.

Mehr als 150 Unterschriften wurden nach Angaben der Initiatoren bisher allein im Hotel „Mercure“ gesammelt. Der politische Streit um einen mittelfristigen Abriss des Hochhauses gilt als Auslöser des Bürgerbegehrens, das von der Initiative „Potsdamer Mitte neu denken“ eingeleitet wurde. Unterstützt wird das Begehren unter anderem vom DGB, den Linken und der Wählergruppe Die Andere.

Anfang März hatte eine bürgerliche Mehrheit in der Stadtverordnetenversammlung mit einer Änderung der Sanierungsziele für den Lustgarten den Weg für den Erwerb und Abriss des Hotels durch die Stadt geöffnet. Wiederholt gestellte Anträge der Linken auf Bürgerbefragung zum „Mercure“ wurden von der Mehrheit abgelehnt.

Info Die Initiative „Potsdamer Mitte neu denken“ führt am Freitag um 18.30 Uhr im Rechenzentrum, Dortustraße 46, einen Informationsabend für alle durch, die Fragen zum Bürgerbegehren haben oder es aktiv unterstützen möchten.

Von Volker Oelschläger

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