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Was MAZ-Leser zum Abrissvotum sagen

Mercure – Potsdams umstrittenstes Hotel Was MAZ-Leser zum Abrissvotum sagen

Eine deutliche Mehrheit der Potsdamer Stadtverordneten hat sich am Mittwochabend für den Abriss des umstrittenen Mercure-Hotels ausgesprochen. Die Zukunft des markanten Baus gegenüber des Stadtschlosses wird unter MAZ-Lesern emotional diskutiert. Wir geben einen Überblick.

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Jetzt steht das Mercure noch, in einiger Zeit soll dort eine „Wiese des Volkes“ entstehen.

Quelle: Bungert

Potsdam. „Ding“, „hässlich“, „Klotz“ oder aber „spiegelt DDR-Architektur wider“, „gehört zu Potsdam“ - über das Mercure-Hotel wird schon seit Monaten leidenschaftlich zwischen Abriss-Befürwortern -und Gegnern leidenschaftlich gestritten. Jetzt bekommt der Streit neue Nahrung. Denn am Mittwoch haben die Potsdamer Stadtverordneten nach einer emotionalen Debatte für den Abriss des Hotels gestimmt. An Stelle des Hotels soll eine „Wiese des Volkes“ angelegt werden. Ein Abriss-Zeitpunkt steht freilich noch nicht fest. Bevor es soweit ist, müssen noch einige Hürden genommen und Unwägbarkeiten geklärt werden. Zunächst erstellt die Stadtverwaltung ein Finanzierungskonzept zur Umgestaltung des Lustgartens.

Das wurde am Mittwoch beschlossen

Die Sanierungsziele für den Lustgarten werden auf Basis des Masterplans konkretisiert, der im Ergebnis einer internationalen Planungswerkstatt aufgestellt wurde. Die Ergebnisse stehen unter einem Finanzierungsvorbehalt.

Auf Basis der Sanierungsziele werden Szenarien über finanzielle Auswirkungen entwickelt. Geprüft werden mehrere Phasen mit der Wiese des Volkes statt des Hotels als letztem Schritt.

Ein Finanzierungskonzept zur Umsetzug des Masterplans soll vier Monate nach dem Beschluss vorliegen. Darauf aufbauend sollen die Sanierungsziele für den Lustgarten präzisiert werden.

Zur Umsetzung der Sanierungsziele soll ein Bebauungsplan für den Lustgarten aufgestellt werden. Die Linke, die vorzeitige Tatsachen befürchtet, scheiterte mit dem Antrag, diesen letzten Punkt nicht zu beschließen.

Obwohl es noch eine Weile dauern wird, bis es zum Abriss des Hotels kommt, wird unter den MAZ-Lesern nach dem Abriss-Votum emotional über die Zukunft des Hotels diskutiert.

Das sagen MAZ-Leser – eine Auswahl der Reaktionen

Vor allem auf Facebook wird die Entscheidung der Potsdamer Stadtverordneten diskutiert. Der Post erreichte mehr als 20.000 Leser und wurde rund 70 Mal kommentiert. Einige geben wir hier wieder (Kommentare werden gekürzt und in verbesserter Rechtschreibung zitiert).

Jamie Greiner ist für den Erhalt und erinnert auch an das gegenüberliegende Stadtschloss: „Ich bin ehrlich - mir ist der Kosten-Nutzen-Faktor scheißegal und auch, ob der Kasten nun ausgelastet ist oder nicht. Für mich, die hier geboren ist und schon immer hier lebt, gehört dieser nostalgische Klotz einfach ins Stadtbild wie das Chrysler Building zu New York. Das unsägliche Stadtschloss und Konsorten hat keiner von uns jemals gesehen oder (...) erlebt.“

Ähnlich argumentiert Bianca Bastian: „ Die Gegend am Hauptbahnhof wird endgültig zur Barockwüste. (...) Diese Stadt ist bald nur noch zum angucken für Wochenendtouristen da. Nur, dass die in Zukunft mit dem letzten Zug nach Berlin dödeln, weil es keine Schlafplätze mehr gibt.“

Für viele Leser gehört das Hotel zu Potsdam, es habe nostalgischen Wert, finden sie. Zum Beispiel Jens Stoof: „Okay, das schönste Hotel ist es ja nicht. Jedoch gehört es zu Potsdam! Aber brauchen wir Potsdamer eine „Wiese des Volkes“ oder brauchen doch eher unsere Abgeordneten einen unverbauten Blick auf die Havel?“

Mehrheit für Erhalt des Hotels – Kritik an der Alternative

Vor allem die Alternative zum Hotel, die sogenannte „Wiese des Volkes“ stößt bei vielen MAZ-Lesern auf Skepsis. „Von einer „Wiese des Volkes“ wirst du als Bürger (...) nichts haben! Grünflächen gibt’s mehr als genug (...)! Und von einem „Park“ ist dieses Projekt meilenweit entfernt! Zumal mit den benötigten aber gar nicht vorhandenen Millionen definitiv nötigere Dinge umgesetzt werden könnten!“, meint etwa Benny Berger .

Auch über mögliche Abrisskosten wird diskutiert. Fred Stulle schrieb dazu: „Wieder ein Projekt angeschoben, von dem keiner weiß, wie es finanziert werden soll. (...).“ Jens Wollschlaeger hat diesen Vorschlag: „Klar, Potsdam hat auch keine anderen Probleme (...). Sorgt für vernünftige P+R Parkplätze (...). Baut ein Tierheim. Saniert die Straßen. Baut Radwege (...).“

Leserin unterstellt Potsdam „Größenwahn“

Auch der Artikel über die Entscheidung wurde häufig kommentiert und war Mittwoch und Donnerstag einer der meistgelesenen auf MAZonline. L eserin „Feuerblume“ schreibt etwa: „Wieder schlägt der Größenwahn der Landeshauptstadt Potsdam zu. Alles haben wollen, aber kein Geld (...). Es gibt bestimmt wichtigere Sachen (...). Empfehle mal ein Besuch bei den armen Rentnern in der Stadt,die kaum über die Runden kommen.“ In den meisten Kommentaren wird Unmut darüber geäußert, dass die Stadtverordneten sich gegen den Willen der Bevölkerung für den Mercure-Abriss aussprechen.

„Schön ist das Ding zudem auch nicht wirklich“

Es gibt aber auch Befürworter des Abriss. „Was habt ihr nur alle mit diesem Hotel. Es ist nur ein Gebäude, Städte verändern sich halt. (...) Egal ob DDR oder Preußen (...), die Welt dreht sich weiter“, findet Tobias Seifert . Carlotta Lehmkuhl kommentiert kurz und bündig: „Sehr gut.“ David Rei könnte sich mit einem Abriss ebenfalls abfinden: „Also ich hab doch von dem Hotel gar nichts als Bürger dieser Stadt. Da finde ich einen nutzbaren Park deutlich sinnvoller (...). Von daher kann ich nicht ganz verstehen, warum sich so viele über den Abriss aufregen. Schön ist das Ding zudem auch nicht wirklich.“

Forderung nach Bürgerbefragung

Während bei Facebook die Mehrheit für einen Erhalt des Mercure zu sein scheint, gibt es noch ein weiteres Thema, das dort in diesem Zusammenhang diskutiert wird. Viele Leser, zum Beispiel Gerome Jeames , wollen eine Bürgerbefragung zu dem Thema. Etwas polemisch fordert er: „Stadtschloss muss auch wieder abgerissen werden! BÜRGERBEFRAGUNG JETZT!“

Das fordern auch die Potsdamer Linken, die in den vergangenen Tagen dafür Unterschriften gesammelt haben. Nach ihren Angaben kamen mehr als 3600 Unterzeichner zusammen.

Die Diskussion über Potsdams wohl umstrittenstes Hotel wird in den kommenden Wochen, Monaten, vielleicht sogar Jahren weitergehen. Soviel ist sicher, egal ob letztlich zu einem Abriss kommt oder nicht.

Von MAZonline

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Das Mercure, ehemaliges Interhotel Potsdam, wurde im Jahr 1969 fertiggestellt. Nach dem der Fall der Mauer wurde das Hotel saniert und umgebaut. Es steht an der Langen Brücke und grenzt an den Lustgarten. Seit Jahren wird über einen möglichen Abriss des Hotels gestritten. Hasso Plattner wollte am Standort des Hotels eine Kunsthalle bauen, gab das Vorhaben aber schließlich auf, weil diese Pläne auf erheblichen Widerstand stießen.

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