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Potsdam Messerstecher-Prozess: „Er hatte Angst zu sterben“
Lokales Potsdam Messerstecher-Prozess: „Er hatte Angst zu sterben“
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20:23 28.09.2017
Seit Juni wird der Fall vor dem Potsdamer Landgericht verhandelt. Quelle: dpa
Potsdam

Er hat seinem schwer verletzten Freund geholfen, die Wunde mit den Händen zugedrückt, bis der Notarzt eintraf. „Alles war voller Blut“, erinnert sich Jakob L. (22) an die Silvesternacht. „Er hat gesagt, er hat Angst zu sterben.“

Doch der 22-jährige Georg A. hat die Messerattacke überlebt, die ihn Neujahr gegen 2 Uhr morgens in der Nedlitzer Straße unvermittelt traf – wegen eines Streits über laute Silvesterknaller. Der 20 Jahre alte Hauptangeklagte Kilian R. muss sich deswegen seit Juni vor dem Potsdamer Landgericht wegen versuchten Totschlags verantworten. Sein fünf Jahre älterer Kumpel Marko Z. sitzt wegen gemeinschaftlich begangener Körperverletzung auf der Anklagebank. Am Donnerstag sagten Freunde der insgesamt zwei Opfer der Silvesterauseinandersetzung als Zeugen aus.

Sie seien zuerst in der Innenstadt unterwegs gewesen, dann hätten sie von einer Party im Bornstedter Feld erfahren und seien mit der Straßenbahn dorthin gefahren, schilderten eine junge Frau und zwei Männer aus der etwa zehnköpfigen Partygruppe nacheinander. Auf dem Fußweg zur Partywohnung habe sich die Gruppe dann etwas auseinandergezogen. Plötzlich sei ein Kumpel aufgetaucht, mit gebrochener Nase, weil ihm ein Unbekannter ins Gesicht geschlagen habe. Kurz darauf sei dann der an der linken Brust verletzte Georg A. voll aufgelöst erschienen, erinnert sich Freund Jakob L. „Er meinte, er sei angestochen worden."

„Er hat gesagt, ihn kotzt die Sache an.“

Als Grund für die brutale Attacke nannte der Angeklagte Marko Z., der anders als Kilian R. auf freiem Fuß ist, Ärger über die Knallerei der Partybesucher. Auf dem Weg hätten diese laute Böller gezündet. Zu der Zeit saßen die beiden Angeklagten in Z.s WG-Wohnung in der Nedlitzer Straße, zechten Wodka und schnupften Kokain. Dann stürmten sie laut Z. auf die Straße, um die Gruppe zur Rede zu stellen. Während R. die Aussage verweigert, hat Marvin Z. bereits zum Prozessauftakt ausgesagt. Z. habe sich kooperativ gezeigt, sagte auch der Ermittlungsleiter der Kriminalpolizei am Donnerstag. „Er hat gesagt, ihn kotzt die Sache an, weil K. so einen Scheiß gebaut hat“, schildert er sein erstes Gespräch mit Marko Z. in dessen Wohnung. Z. erkannten mehrere Zeugen auch vor Gericht wieder, nicht aber den mutmaßlichen Messerstecher Kilian R., der in Handschellen, blauen Shorts und beigem Pullover in den Gerichtssaal geführt wurde.

Im Freundeskreis der Opfer kursierten später Fotos von der Facebook-Seite R.s . Der könne es gewesen sein, hätten die beiden Verletzten erklärt, so die Freunde. Auf seinem Profilbild ist R. allerdings nicht zu erkennen. Er posiert darauf maskiert, zeigt den Stinkefinger. Aber andere Bilder auf der Seite zeigen ihn mit extrem kurzen Haaren und finsterem Blick. Unter den „Gefällt mir“-Angaben befindet sich neben der Dauerseifenopfer „Lindenstraße“ der „Böse Buben Club“, ein Label für martialische Street- und Bikerwear. Kilian R. , der in der Justizvollzugsanstalt Wriezen einsitzt, verfolgt stumm die Ausführungen der Zeugen. Z.s frühere WG-Mitbewohnerin, die von der Tat selbst gar nichts mitbekommen hat, ist so aufgewühlt von den Ereignissen, dass sie im Zeugenstand in Tränen ausbricht und ihre Anhörung auf einen späteren Prozesstag verschoben wird. Ein Zeugenbeistand soll der 18-Jährigen dann helfen, ihre Aussage zu machen. Für die Beweisführung hilfreich waren die Ausführungen einer Gutachterin des Landeskriminalamts in Eberswalde: An der durch das Messer zerstörten Jacke von Opfer Georg A. sei DNA von Kilian R. gefunden worden.

Weitere Prozesstermine anberaumt

Ursprünglich war am 17. Oktober der vorletzte und am 20. Oktober der letzte Prozesstag anberaumt.

Weil sich die Befragung der Zeugen hingezogen hat, hat das Gericht am 3. November um 9 Uhr einen Zusatztermin anberaumt. Zwei weitere Prozesstage sollen dann noch folgen, für sie steht aber noch kein Termin fest.

Der Auftakt des Verfahrens fand am 29. Juni statt.

Von Marion Kaufmann

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