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Michail Tkach wird 75

Koschere Geburtstagsfeier für Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Michail Tkach wird 75

Nur einen Steinwurf vom künftigen Standort der Synagoge ist das derzeitige Domizil der Jüdischen Gemeinde beheimatet: Seit mehreren Jahren ist die Gemeinde nun schon in einem früheren Gebäude der Alten Feuerwache in der Werner-Seelenbinder-Straße untergebracht.

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Jubilar Michail Tkach mit der Vorsitzenden des Migrantenbeirats Hala Kindelberger.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Potsdam. Ursprünglich hätte es nur eine Übergangslösung bis zur Eröffnung der Synagoge sein sollen. Doch angesichts der schleppenden Verhandlungen im Synagogenstreit wird aus dem temporären Quartier immer mehr eine Dauerlösung.

Offiziell läuft der Mietvertrag mit der städtischen Pro Potsdam bis Ende 2014. Doch so wie es derzeit aussieht, wird das Provisorium wohl noch darüber hinaus verlängert. "Wir gehen davon aus, dass der Vertrag verlängert wird", sagte der Gemeindevorsitzende Michail Tkach am Dienstag am Rande der Feier zu seinem 75. Geburtstag. Immer neue Gratulanten kamen um die Mittagszeit in das schlichte Versammlungszimmer der Gemeinde, wo ein Büffet mit koscheren Speisen und Getränken (etwa koscherer Marillenschnaps und Wein) angerichtet war. Gründe für Glückwünsche gab es einige, schließlich ist Tkach trotz seiner 75 Jahre immer noch bemerkenswert agil und voller Pläne. Demnächst steht zum Beispiel eine Reise nach Israel auf dem Programm. Von dort wird der Vorsitzende eine neue Torarolle für seine Gemeinde mitbringen.

Michail Tkach kann sich noch ziemlich genau an jene Jahre erinnern, als Juden nicht nur ihr Judentum, sondern ihr Lebensrecht aberkannt wurde. In der kleinen Stadt Naroditschi in der Ukraine wurde er 1938 geboren. Dann kam der Krieg: "Es hieß, dass es die Deutschen mit den Juden so machen wie mit den Tieren", erinnert er sich. Dem großen Schlachten fielen auch die Verwandten des Vaters zum Opfer, sie wurden erschossen. Die Mutter, eine Lehrerin, kämpfte sich mit den Kindern durch bis in die mittelasiatische Republik Tadschikistan. Dort hausten sie alle in einem 15-Quadratmeter-Zimmerchen.

Zu Sowjetzeiten arbeitete Tkach 35 Jahre in einer Kiewer Firma auf dem Gebiet der Waage-Technik. Am Ende seines Berufslebens, das mit einem Studium an der Technologischen Hochschule in Leningrad begonnen hatte, war er Stellvertretender Generaldirektor. Eine schöne Karriere. Der Preis, der ihm und all den anderen Menschen mit dem Wort "Jude" im Sowjet-Ausweis abverlangt wurde: Verleugnung der alten Traditionen. Manchmal wagte man sich heimlich in einen "verborgenen" Betraum. Es gab noch viel unterschwelligen Antisemitismus.

Seit 2001 lebt Michail Tkach nun mit seiner Frau Bella in Potsdam. Das Ehepaar verließ Kiew, weil Michails Mutter und Schwester schon lange in Berlin lebten. Die Tochter, eine Journalistin, hatte nach dem Studium beim ukrainischen Programm der BBC in London angeheuert. Sie ist mit einem Japaner verheiratet. Familie - das ist für den kleinen Herrn mit der blausamtenen Kippa aber auch seine Gemeinde. "Für mich ist es wichtig, dass ich immer Mitglied dieser Gemeinde bleibe; egal, in welcher Funktion", bedankte sich Tkach gestern in seiner Rede für die vielen guten Wünsche. Unter den Gratulanten: Rabbiner Josh Spinner von der Lauder-Foundation (die Stiftung von US-Mäzen Ronald S. Lauder fördert unter anderem die Rabbinerausbildung); Gemeinderabbiner Reuven Konnik; Hans-Jürgen Schulze-Eggert vom Verein für christlich-jüdische Zusammenarbeit; Stadtpräsident und Synagogen-Bauvereinschef Peter Schüler; die Ex-Bauvereinschefs Horst Mentrup (Geschäftsführer Lotto Land Brandenburg) und Horst-Dieter Weyrauch; Synagogen-Architekt Jost Haberland; Oberbürgermeister Jann Jakobs und Kulturstaatssekretär Martin Gorholt, der beim Land für den Synagogenbau zuständig ist.

Die Position der Jüdischen Gemeinde bei der Debatte um den Bau ‒ sie dreht sich momentan um die Aufteilung der Räume - ist klar: "Wir möchten den Gebetssaal in der dritten Etage haben - mit Oberlicht", erklärte Tkachs Vize Evgeni Kutikow am Dienstag. Auch die Gesetzestreue Jüdische Gemeinde von Shimon Nebrat vertritt diese Variante, die allerdings von der Synagogengemeinde rund um Ud Joffe abgelehnt wird.

Von Ildiko Röd

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