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Kreis macht Sporthalle zur Asylunterkunft

Michendorf: Ab Montag ist Halle für Vereinssport gesperrt Kreis macht Sporthalle zur Asylunterkunft

Die Schul-Sporthalle des Michendorfer Gymnasiums wird ab Montag zur Asylunterkunft. Weil der Landkreis Potsdam-Mittelmark keine Unterkunftsalternativen sieht, werden etwa 100 Menschen in der Halle leben. Eltern, Schüler und Sportvereine sind von dieser Entscheidung überrascht worden.

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In Michendorf wird eine Schul-Sporthalle zur Flüchtlingsunterkunft.

Quelle: dpa

Michendorf. Der Landkreis richtet überraschend in der Sporthalle des Michendorfer Wolkenberg-Gymnasiums eine Notunterkunft für Asylsuchende ein. Wie Kreissprecher Kay-Uwe Schwinzert am Freitag bestätigte, sollen etwa 100 Menschen in der Halle untergebracht werden. Wann genau die ersten Flüchtlinge eintreffen, ist noch unklar. Die Halle soll aber bereits ab Montag nicht mehr für Sportvereine nutzbar sein. „Zur Zeit sehen wir keine andere Lösung, die schnell umsetzbar und wirtschaftlich vertretbar ist“, so Schwinzert.

Kreis soll dieses Jahr rund 1100 Flüchtlinge aufnehmen – eine Verdopplung ursprünglicher Zahlen

Der Kreis, dem Gymnasium und Turnhalle gehören, ist in eine Notlage geraten, weil die Zahl der Flüchtlinge, die er aufnehmen muss, unerwartet stark gestiegen ist. „Wir haben Planungsgrößen, und wenn die über den Haufen geworfen werden, müssen wir reagieren“, sagte Landrat Wolfgang Blasig (SPD). Laut Schwinzert hatte der Kreis mit 600 Flüchtlingen für dieses Jahr gerechnet, nun soll er 1162 Asylsuchende aufnehmen. „Das ist fast eine Verdoppelung.“ Momentan würden 931 Plätze zur Verfügung stehen, es fehlen mehr als 200 Plätze. Als einwohnerstärkster Kreis muss Potsdam-Mittelmark die meisten Flüchtlinge im Land Brandenburg aufnehmen.

Zahlen zu Flüchtlingen

Laut Innenministerium musste die Prognose der Flüchtlingszahlen, die 2015 im Land aufzunehmen sind, deutlich nach oben korrigiert werden.

„Anfang des Jahres sind wir von 9200 Flüchtlingen ausgegangen. Inzwischen sind wir bei einer Prognose von 13 800 Asylsuchenden“, sagte Ministeriumssprecherin Susann Fischer. „Wir müssen deshalb in der Erstaufnahmeeinrichtung in Eisenhüttenstadt in Erwägung ziehen, Zelte aufzustellen.“

2014 nahm Brandenburg 6300 Menschen auf, 2013 etwa 3300. Die Quote, die bei der Verteilung von Asylsuchenden auf Kreise und kreisfreie Städte herangezogen wird, richtet sich vor allem nach der Bevölkerungsstärke.

Vereine sind kurzfristig informiert worden

Das Gymnasium und die Sportvereine, die die Halle mit nutzen, wurden kurzfristig erst am Mittwoch beziehungsweise Donnerstag informiert. In einem Schreiben an die Vereine heißt es: „Die Sporthalle steht ab dem 1. Juni 2015 bis voraussichtlich 31. Dezember 2015 für den Schul- und Vereinssport nicht mehr zur Verfügung. Die Halle dient ab diesem Zeitpunkt als Notunterkunft für Flüchtlinge.“ Die Nachricht sorgte in Michendorf und vor allem unter den Nutzern der Halle für Unruhe. Sie hatten keine Zeit, um nach Alternativen zu suchen.

MAZ-Kommentar: Herzlich Willkommen – trotzdem!

Weltoffenes Gymnasium – Schüler äußern sich positiv

Der Direktor des Wolkenberg-Gymnasiums, Hendrik Reinkensmeier, wollte sich nicht weiter äußern und verwies an die Pressestelle des Kreises. Er sagte nur so viel: „Sie können davon ausgehen, dass ich gemeinsam mit meinem Lehrerkollegium die Belange aller Beteiligten in diesem Prozess im Auge haben werde und mein möglichstes tun werde, um die kommenden Probleme vernünftig zu bewältigen.“ Das Gymnasium gilt als weltoffen und hat Partnerschulen unter anderem in den USA und Israel. „Ich finde es gut, dass wir den Flüchtlingen helfen“, sagte Gymnasiast Maximilian Spatz.

Schule sucht nach Ausweichorten für den Schulsport

„Eine Unterbringung in Sporthallen ist für alle Beteiligten eine schlechte Lösung. Wir hoffen, dass es dem Kreis Potsdam-Mittelmark gelingt, noch andere Unterbringungsmöglichkeiten zu finden. Er hat dies in der Vergangenheit sehr erfolgreich geschafft“, sagte Florian Engels, Sprecher im Brandenburger Bildungsministerium. Engels bescheinigte der Schulleitung um Reinkensmeier einen verantwortungsbewussten Umgang mit der Situation. Die Schule arbeite daran, Alternativen für den Sporthallenunterricht anzubieten. Bis zu den Sommerferien werde das relativ problemlos möglich sein. „Für den Spätsommer und Herbst braucht die Schule alternative Möglichkeiten in einer Sporthalle“, so Engels.

Kritik an unzureichender Informationspolitik

Michendorfs Ortsvorsteher Hartmut Besch (FDP) kritisierte, dass mit den Sportvereinen nicht gesprochen wurde. Sie seien vor vollendete Tatsachen gestellt worden. Besch verweist auf Nutzungsverträge, die der Kreis mit der Gemeinde Michendorf für die Vereinsnutzung der Halle abgeschlossen hat und die nun einseitig für einen bestimmten Zeitraum faktisch aufgekündigt werden. „Dass die Flüchtlinge aufgenommen werden müssen, ist unstrittig. Solche Schritte muss man aber besser vorbereiten“, so Besch. Von einer schlechten Informationspolitik sprach Klaus-Dieter Barby vom Volleyballverein. Der Verein ist Nutzer der Sporthalle, die der Kreis 2008 neu gebaut hat. „Wir haben am Donnerstag erfahren, dass wir Montag nicht mehr in die Halle können“, so Barby.

„Wir haben Verständnis dafür, wenn Menschen untergebracht werden, die in ihrer Heimat um Leib und Leben fürchten mussten“, sagt Volkmar Woite, Vorsitzender der SG Michendorf. Die Gemeinde werde sicherlich mit den Vereinen nach Lösungen suchen, so Woite. Die Rede ist davon, dass die Kommune versuchen will, Nutzungszeiten in ihren Sporthallen bereitzustellen.

Landkreis prüfte mehrere Optionen

Laut Kreissprecher Schwinzert wurden in Potsdam-Mittelmark mehrere dutzend Varianten für eine Flüchtlingsunterbringung in den vergangenen zwei Jahren geprüft. Viele Optionen seien entweder an Brandschutzrichtlinien oder an den üppigen Forderungen von privaten Vermietern gescheitert. Auch der Standort der Förderschule in Kleinmachnow, die seit 2014 geschlossen ist, sei geprüft worden. „Wegen des Brandschutzes hätte man nur das Erdgeschoss nutzen können. Es wären weniger als 20 Plätze gewesen“, sagte er.

Von Jens Steglich

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