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Mieter der ersten Stunde

Schlaatz – der verkannte Potsdamer Stadtteil Mieter der ersten Stunde

Der Potsdamer Stadtteil Schlaatz ist jüngst wegen eines Kriminalfalls bundesweit bekannt geworden: Bei der Suche nach dem vermissten Elias (6) halfen hunderte Schlaatzer. Doch wie lebt es sich tatsächlich in der Siedlung an der Nuthe, die lange als Problemkiez galt? Wir haben mit „Ureinwohnern“ gesprochen.

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Potsdam . Der Blick aus dem Küchenfenster ist die große Konstante im Leben von Burghard und Petra Sell. Aus dem 13. Stock am Schlaatzer Schilfhof haben die beiden einen dreiseitigen Blick bis zum Horizont. Im März 1983 hatte das Ehepaar ihre 69 Quadratmeter große Wohnung als Erstmieter bezogen und von dort die bauliche Entwicklung des Schlaatzes verfolgt. Auch persönlich sind die beiden ehrenamtlich engagiert. „Als ich arbeitslos wurde, habe ich mich beim Naturschutzbund gemeldet und gefragt, was zu tun ist“, sagt der 59-Jährige. Heute ist er der Biberbeauftragte für die Stadt Potsdam. Fünf Tiere zählt er mittlerweile allein an der Schlaatzer Nuthe. Auch um Schwalben kümmert sich das Paar. „Wir haben einen Schwalbenbalkon“, sagt er. Statt um Blumenkästen kümmern sie täglich darum, den Schwalbenmist zu entsorgen. Den besten Blick auf das Zentrum des Wohngebiets haben sie eh aus der Küche.

Petra Sell, die seit 2014 in der Stadtverordnetenversammlung saß und gerade aus gesundheitlichen Gründen ihr Mandat abgeben musste, leitet den Mieterclub des Hochhauses. Die zwischenmenschlichen Erfahrungen aus über 30 Jahren am Schlaatz hat sie vor einigen Jahren sogar auf einer CD veröffentlicht. Im „Schlaatzer Lieder- und Lesebuch“ reimte sie über die „Stillen Helden“ in der Nachbarschaft, die Tierwelt zwischen den Plattenbauten und über das Hochhaus („Ich bin ein Schlaatzer Typ“), in dem sie wohnt. „Anfangs große Berge Sand, entstanden ist ein neues Land. Kunterbunter Plattenbau, helle Farben nicht nur grau“, dichtete sie.

DieEntwicklung ihres Kiezes sehen sie grundsätzlich positiv. „Früher gab es viel mehr Kinder, nach der Wende kam der Knick, die Isolierung der Bewohner voneinander“, sagt Burghard Sell. Doch mittlerweile habe sich das wieder geändert. „In unserem Haus leben Menschen aus drei Kontinenten mit vielen Kindern. Da kommt man wieder in Kontakt und hilft sich“, erzählt er. „Der Schlaatz ist kein Problemkiez, das wird künstlich hochgeredet“, sagt Petra Sell, „jede Stadt braucht ein Viertel, das schlecht geredet wird und in Potsdam hat es den Schlaatz erwischt.“

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Von Peter Degener

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