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Potsdam Mieter im Musikerviertel protestieren gegen Verkauf
Lokales Potsdam Mieter im Musikerviertel protestieren gegen Verkauf
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19:09 14.11.2014
Julius Burger (31) und seine "spezielle Nachbarschaft" laden zum Diskutieren ein. Quelle: Bernd Gartenschläger
Potsdam

Die Plakate, die sie an den Zaun gehängt hatten, sind verschwunden. "Vom Hausmeister abgemacht", sagt Julius Burger, der für die 35 Männer, Frauen und Kinder spricht, deren Wohnungen die städtische Immobilienholding Pro Potsdam demnächst zum Verkauf ausschreibt. "PotsdamRausschmiss im Welterbe" hatten die Mieter auf eines dieser Plakate gepinselt. "Die Heidesiedlung bleibt – wir auch" auf ein anderes.

"Die Mieter sind in Aufruhr", sagt Julius Burger. "Die Pro Potsdam hatte vorerst nur die Hälfte der Mieterschaft von dem bevorstehenden Verkauf informiert. Dadurch entstand eine enorme Verunsicherung." Die meisten, sagt der 31-Jährige, wollen im Musikerviertel bleiben. Viele wohnen seit Jahrzehnten dort. "Wir sind eine spezielle Nachbarschaft", so Burger. Vom Kleinkind bis zum Rentner, vom Wissenschaftler bis zum ALG-II-Empfänger: "Hier treffen Welten aufeinander, aber wir sind zusammengewachsen und wollen auch zusammen bleiben." Zäune zwischen den Grundstücken haben sie abgebaut, die Kinder flitzen durch die Gärten.

Die Pro Potsdam erklärt ihr Vorgehen damit, dass der Verkauf der Grundstücke Großbeerenstraße 214, 216, 218, 222, 224 und 226 in zwei Abschnitten erfolgt. Demnach werden zunächst die Nummern 216, 218 und 226 veräußert. "Da zu den drei Grundstücken Großbeerenstraße 214, 222 und 224 noch keine Beschlusslage zum Verkauf vorliegt, erfolgte hier auch noch keine Verkaufsinformation an die Mieter", teilt Unternehmenssprecherin Jessica Beulshausen mit. Es seien allerdings alle Bewohner zu einem Mietergespräch eingeladen worden. Dabei seien ihnen die Gründe für den geplanten Verkauf "ausführlich und verständlich" erläutert und die Möglichkeiten vorgestellt worden, sich gemeinschaftlich zum Beispiel als Genossenschaft oder einzeln am Verkaufsverfahren zu beteiligen.

Mieter wollen mitreden

  • Nicht zum ersten Mal protestieren Mieter kommunaler Pro-Potsdam-Wohnungen gegen deren Verkauf.
  • Die Heidesiedlung stand 2012 vor dem Verkauf, doch die Pro Potsdam musste einlenken.
  • Der Behlert-Block und das Brauhausberg-Quartier galten ebenfalls als Verkaufskandidaten. Die Stadtverordneten sprachen sich dagegen aus; die Sache ist womöglich vom Tisch.
  • Die Leiblstraße 11 wurde 2013 nach Kritik der Mieter an eben jene verkauft – zum Höchstgebot.
  • Die Sellostraße 25 steht derzeit zum Verkauf. Ob die Mieter den Zuschlag erhalten, ist unklar. 

Ob für die Mieter ein Kauf in Frage kommt, steht indes noch in den Sternen. "Wir werden darüber nachdenken", sagt Julius Burger. "Allerdings wird nur zum Maximalgebot verkauft. In Potsdam geht alles zu horrenden Preisen weg, da kann man als normaler Mensch nicht mithalten." Ein Kauf auf eigene Tasche sei aber wohl die einzige Chance, die Mietergemeinschaft zu erhalten. Denn die Mieter haben Angst vor dem Rausschmiss. Weil es sich um Häuser mit jeweils nur zwei Parteien handelt, hätten sie keinen mehrjährigen gesetzlichen Schutz vor Kündigung, so Burger, und könnten nach wenigen Monaten Frist ohne Wohnung dastehen. Dies sei ihnen von Mitarbeitern der Stadtverwaltung und von der Pro Potsdam in persönlichen Gesprächen bestätigt worden.

"Die Mieter können beruhigt sein", heißt es indes von Pro Potsdam. "Willkürliche Kündigung ist nicht möglich." Sie seien wie Millionen andere Mieter geschützt. "Grundsätzlich gilt: Kauf bricht nicht Miete." Und: "Die berühmt-berüchtigte Eigenbedarfskündigung ist ebenfalls nicht willkürlich möglich und jedenfalls strengen gesetzlichen Vorschriften unterworfen", erklärt Jessica Beulshausen. "Ein Vermieter kann keinesfalls mehreren Mietparteien wegen Eigenbedarfs kündigen."

Die Leute aus dem Musikerviertel beruhigt das nicht. Am Samstag wollen sie neue Plakate malen. Und sie wollen mit den Nachbarn, gern auch mit Politikern ins Gespräch kommen und beraten, wie es möglich sein kann – eventuell mit Fördermitteln, eine über Jahre gewachsene Mietergemeinschaft zu erhalten. Immer wieder samstags laden sie von 10 bis 11 Uhr an "ihre" Ecke ein.

Von Nadine Fabian

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