Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Potsdam Mieterwut im Kirchsteigfeld in Potsdam
Lokales Potsdam Mieterwut im Kirchsteigfeld in Potsdam
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:18 01.01.2018
Im Kirchsteigfeld kocht der Unmut der Mieter über zweifelhafte Betriebskostenabrechnungen des neuen Eigentümers Vonovia hoch. Quelle: Bernd Gartenschläger
Anzeige
Drewitz

Mit Wut im Bauch gehen die meisten Mieter im Kirchsteigfeld ins neue Jahr. Ihr neuer Vermieter Vonovia aus Bochum hat ihnen kurz vor Jahresende gepfefferte Betriebskostenabrechnungen geschickt, die selbst die sparsamsten Verbraucher nach Jahren der Rückerstattung erstmals zu Nachzahlungen auffordern. Mehrere hundert Euro pro Wohnung würden verlangt, berichten langjährige Mieter. Das sei eine Massenerscheinung, versicherten mehrere Anrufer der MAZ. „Flächendeckend“ sei das Problem, sagt auch Reinhard Schuster, Vorstandsvorsitzender des Babelsberger Mietervereins, der derzeit rund 30 Mietparteien vertritt, indem qualifizierte Widersprüche formuliert werden. Generell rät Schuster den Mietern, die Abrechnungen anzufechten, „denn sie sind falsch und ein Verstoß gegen die Heizkostenverordnung“, die Gesetzesstatus hat und also „zwingend anzuwenden“ ist. Schuster zufolge ist Vonovia als Vermieter verpflichtet, nach Verbrauch abzurechnen: Kaltwasser nur nach Verbrauch, Warmwasser und Heizkosten nach Verbrauch und Quadratmetern. Das Verhältnis von Grundkosten nach Wohnfläche zu Verbrauchskosten kann variieren von 30 zu 70 über 40 zu 60 bis zur gebräuchlichsten Verteilung 50 zu 50 Prozent. Vonovia aber hat alles nach Quadratmetern berechnet; das ist laut Verein gesetzwidrig.

Schuster vermutet, dass die Vonovia nach der Übernahme der österreichischen Conwert Immobilien Invest im Frühsommer 2017 nicht die Ablesedaten für 2016 bekommen hat und vor dem Jahreswechsel schnell noch die Abrechnungen verschickt, um die Gesetzesfrist einzuhalten, auch wenn sie falsch sind. Das könne man 2018 noch nachträglich korrigieren, sagte Schuster der MAZ. Das Problem aber ist: rund 90 Prozent der Mieter zahlen lieber als sich zu streiten. Sie durchschauen die Abrechnungen nicht, haben keine Rechtsschutzversicherung oder fürchten eine Kündigung. Haben sie erstmal gezahlt, gibt es auch bei einer späteren Korrektur durch den Vermieter kein Zurück mehr. Wer nicht bezahlt und widerspricht, hat eine Chance auf Abrechnungsgerechtigkeit.

Aber auch vor einem Widerspruch sollte man nachdenken, rät Schuster. Je nach Personenzahl könnte nämlich eine Quadratmeterabrechnung auch nützlich sein. Lebt etwa eine vielköpfige Familie mit entsprechend hohen Verbräuchen an Energie und Wasser und mit großen Abfallmengen auf relativ wenig Quadratmetern, könnte die reine Flächenabrechnung von Vorteil sein für sie. Wenige Bewohner mit wenig Verbrauch, die aber relativ viel Wohnfläche nutzen, zahlen dagegen bei der jetzigen Abrechnung deutlich drauf. Das ist so im Falle einer von Mietern beispielhaft benannten Klinikmitarbeiterin, die allein lebt und wegen Drei-Schicht-Dienst und Sparsamkeit sehr wenig Verbrauch hat, bei der jetzigen „Berechnung“ aber heftig nachzahlen muss. Bislang bekam sie immer eine stattliche Summe zurückerstattet.

Von „teilweise irrwitzigen Betriebskostenabrechnungen“ spricht Mieter Peter Unkelbach (Name geändert, d.Red). Da würden Wasserkosten für die Wohnanlage plötzlich von ca. 4000 Euro auf 75 000 Euro gesteigert, schreibt er. Hausmeister kosteten plötzlich nicht mehr 14 000, sondern 35 000 Euro.“ Und die Straßenreinigungsgebühr habe sich mehr als verdoppelt, obgleich die Gebühren in Potsdam gesunken seien. Trotz regelmäßiger Ablesung und Abrechnung von Heizkosten und Wasserverbrauch werde nun rechtswidrig 0 Prozent Verbrauch und 100 Prozent nach Wohnfläche veranschlagt, obwohl selbst die Abrechnung von einer Abrechnung wie bisher 50/50 spricht.

„Auf Nachrichten reagiert die Vonovia überhaupt nicht“, berichtet Unkelbach: „Einer Bekannten wurde bei einem Telefonat mit der Kundenbetreuung schon ob des Widerspruchs mit Kündigung gedroht.“ Das kann sich Vonovia-Sprecher Max Niklas Gille „nicht vorstellen. So sind wir nicht unterwegs.“

Mieter behaupten, man erreiche bei Schadensfällen keinen Hausmeister mehr in Potsdam, weil alle früheren, ortskundigen Hausmeister der Conwert gekündigt wurden; man müsse bei der Vonovia in Bochum an rufen, erreiche dort erst nach Stunden jemanden und werde schließlich barsch behandelt. Hilfe werde erst nach mehrfachem Nachhaken und viel zu spät geschickt, beschwerte sich ein Bewohner vom Hirtengraben.

Wer ist Vonovia?

Vonovia ist Deutschlands führendes Immobilienunternehmen und das erste Wohnungsunternehmen der Bundesrepublik, das in den DAX-30 Index aufgenommen wurde.

Verwaltet werden rund 350 000 Wohnungen in allen Regionen Deutschlands; hier lebt rund eine Million Menschen.

Gegründet wurde Vonovia erst Im September 2015 durch den Zusammenschluss der Deutschen Annington und der GAGFAH. Beide Unternehmen haben ihre Wurzeln im gemeinnützigen Wohnungsbau des 19.Jahrhunderts. Darauf beruft sich auch die heutige Vonovia, die guten und bezahlbaren Wohnraum sowie einen „kundenorientierten Service rund ums Wohnen“ anbieten will.

Ein wichtiger Faktor für die Kundenzufriedenheit sind die Objektbetreuer in den Siedlungen; sie sind laut Unternehmen „jeden Tag in ihrem Viertel im Einsatz. Kleine und große Handwerksdienstleistungen – vom Austausch eines Waschbeckens bis zur Sanierung eines Mehrfamilienhauses – leisten wir zeitnah und aus einer Hand!“ versichert die Vonovia.

„Grundsätzlich ist die Nummer des Objektbetreuers in den Hausfluren ausgehängt“, versichert Gille: „Uns ist es sehr wichtig, dass unsere Mieter gute Kontaktmöglichkeiten haben. Daher haben wir verschiedene Kanäle, auf denen wir für Kunden erreichbar sind. Zum Beispiel unsere Hotline, das Online-Kundenportal und natürlich unsere Mitarbeiter vor Ort.“ Wie und vor allem wie schnell die erreichbar sind und wie lange Hilfe aus Bochum dauert, sagte er der MAZ nicht. „Wir sind uns bewusst, dass ein Wechsel auch immer Neuerungen mit sich bringt“, erklärte er: „Unser Kundenservice ist an zwei Standorten gebündelt. So ist es einfacher, den richtigen Ansprechpartner für die jeweiligen Kundenanliegen zu bekommen. Es tut uns leid, wenn bisher ein anderer Eindruck bei unseren Kunden entstanden ist.“ Bei den Neben- oder Betriebskosten sei der Vonovia eine „genaue und nachvollziehbare Abrechnung sehr wichtig. Daher prüfen wir im Zweifelsfall gerne nochmal nach.“ Die genauen Hintergründe der Abrechnungen für das Kirchsteigfeld müsse man noch ergründen. Die MAZ bleibt dran.

Von Rainer Schüler

In Potsdam gibt es für einige Silvesterpartys noch Restkarten. Manche stehen unter einem Motto. So etwa im Kutschstall, wo es in die Zwanziger Jahre des Großen Gatsby geht oder im Krissel’s Primatus, wo „1001 Babelsberg Nacht“ gefeiert wird. Wer Interesse hat, sollte sich aber beeilen.

30.12.2017
Potsdam Der Jahresrückblick für die Landeshauptstadt - Potsdam 2017: Das war dieses Jahr wichtig

Es war viel los: Überschwemmungen, eine Kindesentführung, eine Publikumsmagnet, eine Paketbombe, eine Hausbesetzung, Stinkbomben beim Gottesdienst, ein pinker Bus in der Stadt und und und... Das Jahr 2017 war in Potsdam alles andere als ereignislos. Im Gegenteil. Hier der Rückblick.

02.01.2018
Potsdam Polizeieinsatz im Schlaatz - Junger Mann schlägt und nötigt Freundin

Zuviel Drogen, zuviel Alkohol: eine 26-jährige Frau kriegte sich mit ihrem Freund über dessen Drogenkonsum in die Haare. Der Streit eskaliert. Der Mann schlägt zu, drückt seine Lebensgefährtin gegen eine Wand. Die 26-Jährige schafft es, die Polizei zu alarmieren. Die ist kurze Zeit später vor Ort – und findet noch diverse Drogen.

29.12.2017
Anzeige