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Potsdam Mike Schwitzke und zwei gefährliche MC 500
Lokales Potsdam Mike Schwitzke und zwei gefährliche MC 500
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18:40 20.07.2017
Mission erfolgreich: Mehr als ein Krater und ein paar umliegende Bäume sind von Mike Schwitzkes Sprengungen nicht übrig. Quelle: Bernd Gartenschläger
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Potsdam-Süd

Kurz vor Kriegsende, am 14. April 1945, wurde Potsdam von der Royal Air Force bombardiert. Über 500 Bomber zerstörten die historische Innenstadt rund um den heutigen Hauptbahnhof. Weit über 1000 Menschen verloren damals ihr Leben. Die Folgen des verheerenden Bombardements sind noch heute zu spüren – wenn auch nicht so dramatisch. Nur wenige Menschen mussten am Donnerstag ihr Zuhause verlassen, keine Straßen gesperrt oder der Bahnverkehr unterbrochen werden, damit Sprengmeister Mike Schwitzke und drei Kollegen vom Kampfmittelbeseitigungsdienst des Landes sich ruhigen Gewissens an ihre Arbeit machen konnten. Der Einsatzort: Potsdams Süden mitten im Wald.

Das Gebiet hatte der Landesbetrieb Forst von einer externen Firma nach Kampfmitteln durchsuchen lassen, um dort einen Teil der Bäume mit schwerem Gerät fällen zu können. Dabei wurden sie in den vergangenen Tagen fündig: Fünf Bomben wurden in dem Waldstück, über mehrere Hundert Meter verstreut, entdeckt. „Drei davon konnten wir ohne weiteres abtransportieren“, berichtete Mike Schwitzke. Sie gehen nicht in die offizielle Bombenstatistik der Landeshauptstadt ein. Gezählt wird seit 1990 und erst ab einem Gewicht von 100 Kilogramm. Lediglich die zwei großen Bomben mit dem Titel MC 500 werden als Blindgänger mit den Nummern 182 und 183 erfasst.

Eine der zwei 250-Kilogramm-Bomben haben Mike Schwitzke und seine Kollegen zu ihrem Sitz in Wünsdorf (Teltow-Fläming) abtransportiert. Quelle: Bernd Gartenschläger

Die Bezeichnung MC 500 erklärt die Herkunft und Details der Fundstücke. Alle Bomben, die Schwitzke am Donnerstag unschädlich machte, stammen von der britischen Luftwaffe. Die Zahl 500 bestimmt das Gewicht in der englischen Maßeinheit Pfund, also circa 250 Kilogramm. Die Abkürzung MC bedeutet übersetzt etwa „mittlere Kapazität“ und bezieht sich auf den Sprengstoffgehalt zwischen 50 bis 60 Prozent. Bis zu drei Meter tief waren die Bomben im Erdboden versunken und in den zurückliegenden Tagen wieder ausgebuddelt worden.

Eine der zwei größeren Blindgänger konnte Mike Schwitzke vor Ort entschärfen, den Zünder sprengen und den Rest abtransportieren. Ihr Zwilling nur wenige Meter entfernt war hartnäckiger. „Dabei war das Risiko zu hoch, weshalb wir uns entschieden haben, sie nicht zu entschärfen, sondern zu sprengen“, erklärt der Sprengmeister.

Als es die Verwaltungsmitarbeiter am Rande des Sperrkreises – 150 Einsatzkräfte hatte die Stadt bereit gestellt – aus dem Wald am Donnerstagmittag knallen hörten, war am Einsatzort kaum mehr etwas zu sehen. Denn die 250 Kilogramm schwere Bombe war mit Sand abgedeckt worden, der sich fein wie Staub bis in die Baumkronen verteilte. Der letzte Knall um 13.07 Uhr galt kleineren Munitionsüberresten, die Schwitzke und seine Kollegen auf einer Lichtung zusammengesammelt hatten. „An diesem Ort konnten wir sie sprengen, ohne unnötigerweise dem Förster seinen Wald zu beschädigen“, erklärte er.

Systematische Munitionssuche

Oranienburg ist landesweit Nummer Eins in Sachen Bombenfunde. In der Stadtverwaltung existiert ein Sachgebiet „Kampfmittel und Altlasten“.

In Potsdam werden von der Stadt Gebiete systematisch nach Munition abgesucht, wenn auf kommunalem Grund Kitas oder Schulen gebaut werden sollen. Fast alle Einrichtungen sind inzwischen abgesucht worden. Auch beim Hausbau ist eine Unbedenklichkeitserklärung vom Kampfmittelbeseitigungsdienst Pflicht.

Von Victoria Barnack

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