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Potsdam Minus 160 Grad in der Kältesauna
Lokales Potsdam Minus 160 Grad in der Kältesauna
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19:43 12.09.2018
Eiskalt: MAZ-Reporterin Anne Knappe hat die erste Eis-Sauna in Werder getestet – drei Minuten darf man höchstens drinbleiben. Quelle: Friedrich Bungert
Werder

Bevor es losgeht, fährt die Tonne mit einem leisen Surren herunter. Nur der Kopf lugt hervor. Innen ist die Kabine mit beigen Polstern ausgestattet, Modell Space-Shuttle mit der Mission Nordpol – jedenfalls was die Temperaturen angeht. Um mich herum wabert Stickstoffnebel, der die Luft gerade auf minus 110 Grad herunterkühlt. Bis zu minus 160 Grad kann es noch runtergehen. Nase nach oben halten, damit man den Stickstoff nicht einatmet. „Wer möchte, kann sich auch etwas bewegen“, erklärt Petra Klaka.

Der Kältesauna-Trend kommt gerade aus den USA nach Deutschland. Stars wie Profi-Fußballer Christiano Ronaldo oder Schauspielerin Demi Moore bibbern regelmäßig, um sich fit zu halten. Petra Klaka (50) hat eine solche Kältesauna nun nach Werder in ihr Fitness- und Gesundheitsstudio „Vitalformer“ geholt. Im Gegensatz zu dem heißen Pendant steht man bei der Kältesauna mit Bikini und dicken Fell-Puschen in der Kabine.

Im September 2011 hat die gelernte Krankenschwester das Studio eröffnet. Angefangen hat sie mit sogenanntem EMS – also elektrischer Muskelstimulation, die in wenigen Minuten fit machen soll und Dellen schrumpfen lässt. Ein Artikel in einer Fachzeitschrift brachte sie dann auf die Idee, das Angebot mit einer Kältesauna zu erweitern. „Wir sind im Umkreis die Einzigen, die das anbieten“, erzählt Petra Klaka, selbst überzeugte Eissauna-Gängerin.

Positive Effekte für den Körper

„Insbesondere die Haut und die oberen Schichten des Körpers werden dabei heruntergekühlt“, erklärt Dr. Tim Meyer vom Institut für Sport und Präventivmedizin Universität des Saarlandes. Er forscht zur Regeneration von Leistungssportlern und untersucht in diesem Zusammenhang auch Kälteanwendungen. Zu einer Abkühlung bis in den Kern des Körpers komme es bei höchstens drei Minuten aber nicht, gibt der Mediziner Entwarnung. Die Kälte kann schmerz- und entzündungshemmende Prozesse im Körper in Gang bringen. Etwa könne man so Rheuma-Patienten helfen. „Entzündungsprozesse können durch Kälte eingedämmt werden. Das lindert auch den Schmerz“, so Meyer. Die Methode nutzen aber auch Sportler zur Regeneration. „Die Muskelzelle ist von einer Membran umgeben. Bei verschiedenen Trainingsformen nimmt diese Schäden“, erklärt Meyer. Wir kennen das auch als klassischen Muskelkater. „Der erste Schritt zur Heilung, aber auch ein Teil des Schmerzes, ist dann eine lokale Entzündungsreaktion, die mit Kälte gehemmt werden kann.“

Wer an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung leidet, sollte auf die Behandlung allerdings verzichten. Am besten hält man im Zweifel mit seinem Hausarzt Rücksprache, bevor man in die Kältesauna geht. Dass es fürs Immunsystem gut sei oder den Stoffwechsel ankurbelt, kann Meyer nicht bestätigen. „Es ist sicher nicht nachteilig für das Immunsystem, aber nachgewiesen ist eigentlich gar nichts“, sagt er.

Kaltes Wasser schmerzt mehr

Die ganze Zeit steht Petra Klaka neben mir und überwacht den Vorgang. In die Kälte-Sauna darf nur, wer gesund ist. Das klärt sie vorher mit einem Einverständnis-Bogen ab. Alle paar Sekunden fragt sie nach meinem Wohlergehen.

Eine 17 Grad kalte Ostsee fühlt sich schlimmer an als die Kältesauna. Petra Klaka nickt, zu der Erkenntnis kommen die meisten Besucher. Der Grund liegt in der unterschiedlichen Leitfähigkeit von Wasser und Stickstoff. Minus 135 Grad zeigt das Thermometer jetzt an. Für Anfänger wie mich reicht das zu Beginn völlig aus. Nach gut 45 Sekunden spüre ich die Kälte, wie sie langsam die Beine und den Rücken hochkriecht. Es kribbelt. Die Fingerspitzen frieren zuerst. Petra Klaka empfiehlt die Hände unter die Arme zu klemmen, wenn es zu kalt wird. Nach drei Minuten – länger sollte man nicht in der Kältesauna bleiben – steige ich aus der Kabine. Meine Haut fühlt sich zuerst etwas taub an. Das Gefühl weicht aber schnell einem enormen Energieschub. Noch Stunden danach habe ich das Gefühl, Bäume ausreißen zu können – und auch das allseits bekannte Mittagstief bleibt an diesem Tag aus. Kein Wunder, die Anwendung soll schließlich Glückshormone freisetzen und das Wohlbefinden steigern.

Von Anne Knappe

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