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Missbrauchsverdacht: Experte warnt vor Folgen

Missbrauchsverfahren eingestellt Missbrauchsverdacht: Experte warnt vor Folgen

Zwei von drei Verfahren wegen Missbrauchsverdachts an Potsdamer Kitas sind wie berichtet eingestellt worden. Dass Missbrauchsfälle nicht vor Gericht kommen, ist keine Seltenheit, sagt der vom Bundeskabinett bestimmte Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, Johannes-Wilhelm Rörig.

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Johannes-Wilhelm Rörig

Quelle: dpa

Potsdam. „Weil ein Tatnachweis nicht geführt werden konnte“, sind zwei der drei Missbrauchsverfahren an Potsdamer Kitas des Evangelischen Jugend- und Fürsorgewerks (EJF) eingestellt worden. Das sagte die Sprecherin der Potsdamer Staatsanwaltschaft, Sigrid Komor, am Montag. Komor bestätigte damit einen MAZ-Bericht vom Samstag, wonach nicht mehr gegen einen Hausmeister ermittelt wird, der an zwei Innenstadt-Kitas des EJF Kinder missbraucht haben soll. Eltern hatten den Mann angezeigt, der vom EJF suspendiert worden war. Ihnen steht nun frei, gegen die Einstellung der beiden Verfahren Widerspruch einzulegen. Die Ermittlungen, die seit Ende des Jahres 2014 liefen, seien umfangreich gewesen, sagte Komor. Zahlreiche Zeugen seien befragt worden.

Johannes-Wilhelm Rörig

Johannes-Wilhelm Rörig.

Quelle: Pressefoto

Fast 80 Prozent aller Anzeigen landen nicht vor Gericht

Dass Missbrauchsverfahren eingestellt werden, ist keine Seltenheit. „Fast 80 Prozent aller Anzeigen wegen sexuellen Kindesmissbrauchs kommen nicht vor Gericht, zum Beispiel weil sie vorab eingestellt werden, aus Mangel an Beweisen oder weil die Anzeige zurückgenommen wird“, sagt Johannes-Wilhelm Rörig, Unabhängiger Beauftragter für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs der Bundesregierung, auf MAZ-Anfrage. Die Einstellung eines Verfahrens könne zu schweren Belastungen der Opfer bis hin zur Retraumatisierung führen. „Es ist schwer aushaltbar für Betroffene, wenn sie beispielsweise das Gefühl haben, dass ihnen nicht geglaubt wird oder der Täter straffrei ausgeht“, so Rörig. Ob ein Widerspruch gegen eine Einstellung sinnvoll sei, hänge vom Einzelfall ab. Häufig werde ein Verfahren aber dann eingestellt, wenn sich schon vorher deutlich abzeichnet, dass die Beweislage für eine Verurteilung nicht ausreicht. „Dann kann es die bessere Entscheidung sein, nicht auch noch erleben zu müssen, wie der Täter oder die Täterin aus Mangel an Beweisen freigesprochen wird“, erklärt Rörig.

Noch offen ist ein Verfahren wegen Missbrauchsverdachts an der EJF-Kita Am Heiligen See. Die Ermittlungen richteten sich weiter gegen unbekannt, sagte Komor.

Vom Kabinett beauftragt

Johannes-Wilhelm Rörig ist der Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs. Ihm wurde das Amt zum 1. Dezember 2011 übertragen.

Durch Beschluss des Bundeskabinetts vom 26. März 2014 wurde Johannes-Wilhelm Rörig zum 1. April 2014 für die Dauer von fünf Jahren erneut zum Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs berufen.

Informationen für Betroffene unter https://beauftragter-missbrauch.de

Von Marion Kaufmann

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