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Missbrauchsverdacht: Kind nicht befragt

Elternbeschwerde gegen Verfahrenseinstellung Missbrauchsverdacht: Kind nicht befragt

Missbrauchsverfahren an zwei Potsdamer EJF-Kitas sind wie berichtet eingestellt worden. Eltern wollen das nicht hinnehmen: Sie haben Beschwerde gegen die Entscheidung der Potsdamer Staatsanwaltschaft eingelegt.

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Die Dienstaufsichtsbeschwerde betrifft die Polizeiwache Potsdam.
 

Quelle: Köster

Potsdam.  Sie wollen, das weiter ermittelt wird: Eltern haben nach MAZ-Informationen Beschwerde gegen die Einstellung eines Verfahren wegen Missbrauchsverdachts an Potsdamer Kitas des Evangelischen Jugend- und Fürsorgewerks (EJF) eingelegt. „Die Beschwerde ist am Freitag eingegangen“, bestätigte der Potsdamer Staatsanwalt Christoph Lange am Montag auf Anfrage.

Ein dreijähriges Kind, das sich seinen Eltern anvertraut hatte, wurde laut Beschwerde vor der Verfahrenseinstellung gar nicht von den Ermittlern befragt. Ein Arzt hatte zwischenzeitlich wegen des psychischen Zustands eine Nicht-Aussagefähigkeit attestiert. Seitens der Behörden sei aber nie versucht worden, das Kind zu einem späteren Zeitpunkt anzuhören, als sich sein Zustand stabilisiert hatte, monieren die Eltern. Dem Vernehmen nach hielten die Beamten die Befragung des Kindes offenbar auch wegen seines Alters für wenig erfolgversprechend. Lediglich die Aufzeichnungen und Aussagen der Eltern über die Berichte des Kindes lagen demnach vor.

Wie berichtet, hat die Staatsanwaltschaft Potsdam ein Missbrauchsverfahren gegen einen Hausmeister eingestellt, der an den Kitas Am Kanal und Clara Zetkin tätig und im November 2014 angezeigt worden war. Ein Tatnachweis habe nicht geführt werden können, so die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Sigrid Komor. Es seien aber zahlreiche Zeugen befragt worden. Ein Hauptzeuge, ein Kind, offenbar nicht.

Verbindung zum Fall Elias wurde geprüft

Mehrere Kinder sollen erzählt haben, dass der Missbrauch auch außerhalb der Kita an verschiedenen Orten stattgefunden habe. Auch vom Fotografieren der Kinder soll die Rede gewesen sein. Die Ermittlungsbehörden konnten das offenbar nicht verifizieren. Wie berichtet, soll der Hauswart kurzzeitig auch im Zusammenhang mit dem Verschwinden des kleinen Elias aus dem Schlaatz unter die Lupe genommen worden sein. Unter anderem soll sein Handy untersucht worden sein – ohne dass etwas Belastendes gefunden wurde. „Der betreffende Mitarbeiter war durch die gegen ihn erhobenen Vorwürfe persönlich sehr belastet“, so EJF-Sprecherin Svenja Milde. „Er ist seit einigen Monaten krankgeschrieben. Nach seiner Genesung werden wir über seinen künftigen Einsatzort entscheiden.“

Dass Missbrauchsverfahren im Sande verlaufen, sei nichts Ungewöhnliches, hatte der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, erklärt. Fast 80 Prozent aller Anzeigen kämen nicht vor Gericht. Der Betroffenenrat, ein bei Rörig angesiedeltes Fachgremium, fordert in einer aktuellen Stellungnahme eine bundesweite Studie zum Umgang mit Missbrauchsfällen bei der Polizei, den Staatsanwaltschaften und Strafgerichten. „ Die derzeitige Rechtslage, das hohe Ausmaß an Einstellungen, die Verfahrensführung und die oft nicht ausgeschöpften Strafrahmen bei sexualisierter Gewalt sind ein falsches Signal“, heißt es darin.

Für Irritationen hatte auch der Umgang der Polizei mit einem weiteren Verdachtsfall an der EJF-Kita Am Heiligen See gesorgt. Wie berichtet, hatten Eltern zwei Mal bei der Potsdamer Polizei versucht, Anzeige gegen drei namentlich benannte Kita-Mitarbeiter zu erstatten. Der Vorgang wird aber nicht als Anzeige, sondern nur als Aktenvermerk geführt, weil die Eltern zu einem früheren Zeitpunkt bereits Anzeige gegen unbekannt erstattet hatten. Sie legten deshalb Dienstaufsichtsbeschwerde bei Polizeipräsident Hans-Jürgen Mörke ein. Zu diesem konkreten Fall äußert sich das Präsidium nicht. In der Regel werde aber, wenn bereits eine Strafanzeige gegen unbekannt vorliege, keine weitere beziehungsweise neue aufgenommen, erklärt Sprecher Mario Heinemann. Die Ermittlungen gegen unbekannt dauerten an.

Großer Sozialträger mit Sitz in Berlin

27 Kitas und Horte in fünf Bundesländern betreibt das Evangelische Jugend- und Fürsorgewerk (EJF), das den Hauptsitz in Berlin hat.

Die meisten Kita
s , insgesamt 13, hat das EJF in Brandenburg. Neben den sieben Einrichtungen in Potsdam gibt es Häuser in Teltow, Glienicke, Bergfelde (beide Oberhavel), Felchow und zwei in Schwedt (beide Uckermark).

In Berlin und Niedersachsen verantwortet das EJF jeweils sechs Kitas, in Nordrhein-Westfalen eine.

Auch in der Jugendhilfe ist das EJF aktiv und betreibt zum Beispiel in Frostenwalde ein Haus für straffällig gewordene Jugendliche. Außerdem betreibt der Sozialträger Einrichtungen für Flüchtlinge, für Senioren und Behinderte.

Von Marion Kaufmann

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