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Missbrauchsverdacht spaltet Elternschaft

Missbrauchsvorwürfe an Potsdamer EJF-Kitas Missbrauchsverdacht spaltet Elternschaft

Ein Missbrauchsverdacht in einer Kita belastet nicht nur die betroffenen Familien selbst, sondern auch andere Eltern und ihre Kinder. Werden meine Kinder gut betreut? In den Potsdamer EJF-Kitas, in denen Missbrauchsvorwürfe laut wurden, sind viele Eltern massiv verunsichert. Aber es gibt auch andere Stimmen.

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Ein Missbrauchsverdacht in der Kita verunsichert auch Eltern, deren Kinder gar nicht direkt betroffen sind.

Quelle: dpa

Potsdam. Die Missbrauchsvorwürfe an drei evangelischen Kitas in Potsdam beschäftigen die Eltern in den betroffenen Einrichtungen weiter massiv: Mütter, die ihre Kinder an der Kita „Am Heiligen See“ betreuen lassen, fühlen sich schlecht informiert und kritisieren den Umgang des Evangelischen Jugend- und Fürsorgewerk (EJF) mit dem Fall. Sie werfen dem Kita-Träger „Intransparenz und Bagatellisierung“ der Vorwürfe vor.

Bei einer durch den Träger einberufenen Vollversammlung am 10. September sei seitens des Trägers und der Kita-Leitung nur abstrakt von einem Verdacht gesprochen worden. Erst Elternvertreter hätten dann mitgeteilt, dass es sich „um den Verdacht mehrfachen sexuellen Missbrauchs über einen längeren Zeitraum in der Zeit der Mittagsschlafpause“ gehandelt habe. Insgesamt herrschten in der Kita nach dem Bekanntwerden des Verdachts „Ohnmacht, Verunsicherung und Irritationen“ vor. Einige Eltern hätten ihre Kinder inzwischen aus der Kita abgemeldet. Zuvor hatten bereits Eltern einer der beiden anderen EJF-Kitas, an denen Anzeigen wegen Missbrauchsverdachts erstattet wurden, gegenüber der MAZ ähnliche Kritik an der Informationspolitik des Trägers geäußert.

Ein Vater verteidigt die EJF-Kita

Die Elternschaft ist in der Frage gespalten. Ein Vater, der über Jahre zwei Kinder an der Einrichtung am „Heiligen See“ betreuen ließ und wegen eines Umzugs die Kita wechseln musste, bricht eine Lanze für die Einrichtung: „Die Vorstellung, dass die Kita-Leitung solche Vorwürfe nicht ernstnehmen würde, ist für mich komplett abwegig“, sagte er der MAZ. Er habe die Kita als sehr positiv erlebt. In einem Portfolio sei akribisch die Entwicklung der Kinder beschrieben worden. Wenn sich die Kinder verändert hätten, wäre das den Erziehern aufgefallen, meint er.

„Wir sprechen keinesfalls für die gesamte Elternschaft“, betont die Müttergruppe vom Heiligen See. Welche Meinung andere Eltern zur Politik von Träger und Kita haben, sei ihnen nicht bekannt. Der anfängliche gesuchte Austausch mit weiteren Eltern sei weitgehend zum Erliegen gekommen.

Die mutmaßlichen Fälle sollen in der Mittagsschlafzeit passiert sein

Das EJF verwies am Mittwoch auf eine Erklärung aus der Vorwoche. Der Träger halte für alle seine Kitas Präventions- und Sicherheitskonzepte gegen Missbrauch vor. Für deren Umsetzung seien geschulte Kinderschutzbeauftragte verantwortlich. In allen Einrichtungen – in Potsdam insgesamt sechs – gelten demnach „hohe Sicherheitsstandards“. Einige Eltern aus der Kita „Am Heiligen See“ fordern mehr Sicherheit. Während der Mittagsschlafzeit, in der Missbrauch durch nichtpädagogisches Personal stattgefunden haben soll, gebe es nur eine „ Schlafwache“, die sich in einem Rundgang versichere, dass alles in Ordnung sei. Permanent unter Aufsicht seien die Kinder in der Zeit nicht.

Die Staatsanwaltschaft Potsdam ermittelt in insgesamt drei Fällen. Die Verfahren werden noch einige Zeit in Anspruch nehmen, sagte Sprecher Christoph Lehmann am Mittwoch.

Von Marion Kaufmann

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