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Potsdam Misstöne zum Baubeginn
Lokales Potsdam Misstöne zum Baubeginn
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19:58 27.07.2018
Parkplatz-Baustelle auf dem Billy-Wilder-Platz. Quelle: Friedrich Bungert
Potsdam/Babelsberg

Weltweit einzigartig sei die „Cinema Stage“ der Firma Rotor Film auf dem Babelsberger Studiogelände mit ihrer hoch komplexen Kombination von neuesten Ton- und Bildsystemen für die Filmnachbearbeitung. Das wurde im November 2015 zur Eröffnung im eigens umgebauten früheren Studiokino Defa 70 bekannt gegeben, und laut Geschäftsführer Martin Frühmorgen ist es auch dabei geblieben.

In wenigen Tagen droht der Firma trotz exzellenter Technik ein Tiefschlag. Am 1. August komme ein Großauftrag ins Haus, sagt Frühmorgen. Am selben Tag beginnen auf dem Parkplatz gleich nebenan erste Arbeiten für einen neuen Bürokomplex mit Tiefgarage. Das bestätigte David Eckel, Sprecher der Bauträgergesellschaft KW Development, am Freitag auf Anfrage. Der Start der Arbeiten am „Verbau“ werde „planmäßig“ am 1. August erfolgen.

Trägerbohlenwände gegen sensible Raumakustik

Unter einem Verbau versteht man Trägerbohlenwände, die zur Stabilisierung von Baugruben metertief in die Erde gerammt und gerüttelt werden. Frühmorgens „Cinema Stage“, deren extrem sensible Raumakustik von internationalen Spezialisten um Zoo-Palast-Architektin Anna Maske designt wurde, versagt schon bei kleinsten Erschütterungen.

Deshalb, sagt er, gebe es mit den Bauarbeitern auf dem benachbarten Billy-Wilder-Platz die Vereinbarung, dass sie schwerere Geräte abstellen, wenn bei Rotor Film gearbeitet wird. Der Platz vor der Marlene-Dietrich-Halle wird zur neuen Stellfläche für die Wohnwagen von Filmcrews ausgebaut, die bisher auf dem Parkplatz am Haupteingang abgestellt wurden.

„Es ist wie ein Störsender“

Rotor Film teilt sich das Haus 4 auf dem Studiogelände mit dem Filmorchester Babelsberg, das bereits Alarm geschlagen hat. Einspielungen von Filmmusiken, ein Haupterwerb des Traditionsklangkörpers, seien nur bei Stille möglich, sagt Intendant Klaus-Peter Beyer: „Es ist wie ein Störsender, wenn da draußen Baugeschehen ist.“

Das Filmorchester hat 65 Beschäftigte, bei Rotor Film sind es 18 Angestellte und dazu ein Dutzend feste Freie. Die Studiotechnik beider Institutionen kostete rund 4 Millionen Euro; allein der Rückzug des Filmorchesters aus Berlin nach Babelsberg wurde laut Kulturministerium mit rund 1,7 Millionen Euro gefördert.

Am 11. Juli gab es nach Mitteilung des Kulturministeriums eine erste Krisenrunde mit Vertretern von Orchester, Rotor Film und der Stadt. Am Montag gibt es ein weiteres Treffen, an dem auch KW Development teilnimmt, wie das Rathaus am Freitag auf Anfrage bestätigte. Unterschiedliche Angaben gibt es zur Baugenehmigung. Die liege noch nicht vor, bestätigten Investorensprecher Eckel und die Rathaus-Pressestelle zunächst.

Baugenehmigung ja oder nein?

Frühmorgen sagte , dass sein Anwalt den Beginn der Arbeiten am Verbau wegen fehlender Genehmigung per einstweiliger Verfügung stoppen wollte. Die Gegenseite habe ihn jedoch informiert, dass KW Development nach einem Gespräch am letzten Dienstag im Bauamt der Baubeginn für den Verbau noch in dieser Woche genehmigt werden sollte – also vor dem Verständigungstermin. Er habe zumindest den „Eindruck, dass nicht für uns gearbeitet wird“, sagt Frühmorgen.

Das Rathaus teilte auf Nachfrage zu „bauvorbereitenden Maßnahmen (Vorbau/Spundwände)“ mit: „Nein, es wurde diese Woche keine Teilbaugenehmigung erteilt. ... Eine Genehmigung steht noch aus, eine Entscheidung Anfang der kommenden Woche scheint hier möglich.“ Anders die Auskunft von KW Development: Die Genehmigung für den Verbau liege vor, sagt Eckel.

Auch Studio Babelsberg muss Federn lassen

Beyer hat bereits vor dem drohenden Aus für das Filmorchester gewarnt. Frühmorgen, Absolvent der Babelsberger Filmuniversität, stellt zumindest die Entscheidung für die Medienstadt in Frage: „Wir sind auf das Studiogelände gegangen in dem Glauben, dass genau hier so etwas nicht passiert.“ Er schließe den Wechsel von Rotor Film nach Berlin nicht aus.

Auch die Studio Babelsberg AG, die den Parkplatz als Baugrundstück an KW Development verkauft hat, musste bereits Federn lassen. Das Schild, das am Haupteingang über die laufenden Produktionen in der Filmstadt informierte, ist weg. Es stand am Rande des Parkplatzes.

Von Volker Oelschläger

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