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Potsdam Mit Cricketschläger den Kumpel niedergestreckt
Lokales Potsdam Mit Cricketschläger den Kumpel niedergestreckt
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20:28 20.02.2017
Justitia Quelle: dpa
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Bornstedt

Streiten, schubsen, schimpfen – auf dem Spielfeld und am Spielfeldrand geht’s häufig hoch her. Egal, ob das Spiel Fußball heißt oder Eishockey oder eben Cricket. Der in den Ländern des Commonwealth so beliebte Sport für feine Herren ist für manche Skandale und schmutzige Tricks bekannt, führte gar schon zu internationalen Konflikten und gipfelte nun auch in Potsdam in einem handfesten Streit.

9. Juli 2016, die Gemeinschaftsunterkunft am Lerchensteig. Ein schöner Sommertag. Der 23-jährige Umer F. und andere Pakistaner spielen das Spiel ihrer Kindheit. Es endet für Umer F. auf der Anklagebank und für einen Zuschauer in der Notaufnahme des Ernst-von-Bergmann-Klinikums. Umer F. hat ihn mit dem Cricketschläger niedergestreckt – nicht aus Versehen, sondern mit Vorsatz, wie es im Urteil des Amtsgerichts heißt.

Der Ball war nicht gefangen – oder doch?

Die Spieler geraten an jenem schwülen Sommertag wegen eines nicht gefangenen Balls in Konflikt – oder war er doch gefangen? Sie streiten über Regeln und Punkte, es fallen böse Worte, Schaulustige recken die Hälse. Er habe den Streit schlichten wollen, sagt der ebenfalls 23 Jahre alte Hassan S. „Alle gucken zu Euch, hört auf!“, habe er gerufen. Umer F., der meint, dass ihm mehr Punkte zustehen als die Mitspieler ihm gewähren, springt sofort an. „Wenn du dazwischen kommst, schlag ich dich“, habe er gedroht. Hassan S. geht trotzdem dazwischen und versucht, seine streitenden Kumpel zu trennen. Umer F. holt mit dem Cricketschläger aus und trifft Hassan S. am Hinterkopf – der trägt eine Platzwunde davon, die mit sieben Stichen genäht wird.

So ein Cricketschläger ist eine gefährliche Waffe – hier Südafrikas Batsman Hashim Alma (r.) bei einem Match gegen Sri Lanka vor ein paar Tagen. Quelle: AP

Im Gericht gibt Umer F. den Streit zu, er habe auch den Schläger in der Hand gehalten – an den Schlag aber könne er sich nicht erinnern. „Wir haben Drogen genommen – Haschisch – und ein bisschen Bier getrunken“, sagt er. Das Bisschen Bier stellt sich als halbe Flasche heraus und Richterin Reinhild Ahle schüttelt den Kopf: „Nach einem halben Bier und einem Joint hat man doch noch seine Erinnerung!“ Erinnerungslücke hin oder her: Mehrere Zeugen bestätigen, dass Umer F. zugeschlagen hat. Seine Mitbewohner beschreiben ihn als aggressiv, er sei bis zu dem Vorfall aber nie handgreiflich geworden. Für die Zeit danach sind keine weiteren Ausraster belegt, auch wenn Umer F. immer wieder in Streitigkeiten geraten ist.

Das Opfer verlangt Schmerzensgeld

Hassan S. ist inzwischen in ein anderes Asylheim gezogen. Noch heute leide er unter Kopfschmerzen, sagt er, berichtet auch von Gedächtnislücken: „Mein Gehirn arbeitet noch nicht so gut, ich vergesse viel.“ Mit dieser Behauptung läuft allerdings auch Hassan F. bei der Richterin auf. Hassan S. will 2000 Euro Schmerzensgeld. Die Richterin rät ihm, den Antrag zu überdenken. „Schmerzensgeld steht Ihnen zwar zu“, sagt sie. Allerdings sei die Summe gemessen an der Schwere der Verletzung und an den finanziellen Möglichkeiten des Angeklagten zu hoch. Umer F. bezieht laut eigener Angaben 320 Euro Sozialhilfe. Die Richterin schlug daher einen Vergleich über 800 Euro vor, bei dem er monatlich 20 Euro an Hassan S. abgeben soll, „anstatt sich Haschisch zu kaufen“. „So wäre gesichert, dass Herr S. regelmäßig ein kleines bisschen Geld bekommt und der Angeklagte seine gerechte Strafe.“ Hassan S. schlug den Vergleich aber aus und beantragte Schmerzensgeld in Höhe von 1000 Euro.

Das Gericht verurteilte Umer F. wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten ausgesetzt auf zwei Jahre Bewährung und 50 Stunden gemeinnütziger Arbeit. „Es sind schon Menschen durch einen einzigen Schlag gestorben“, sagte Richterin Ahle bei der Urteilsverkündung. „Wenn ich mich über ein Spiel ärgere, dann nehm ich nicht den Schläger und hau ihm jemanden über den Kopf – das geht überhaupt nicht!“ Sie ermahnte Umer F., sich in Zukunft straffrei zu führen: „Drogen zu kaufen, gehört auch zu den Straftaten. Wenn mir zu Ohren kommt, dass Sie damit nicht aufhören, widerrufe ich die Bewährung!“

Von Nadine Fabian

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