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Mit Fähnchen gegen Hundehaufen

Goslar legt vor, Potsdam zieht vielleicht nach Mit Fähnchen gegen Hundehaufen

Ekel-Protest in Potsdam: Anwohner markieren Hundehaufen in ihrer Nachbarschaft mit Fähnchen. In der Landeshauptstadt leben mittlerweile mehr als 6500 Hunde. Die Stadt nimmt 710.000 Euro durch Hundesteuern ein. An Möglichkeiten, Hundekot zu entsorgen mangelt es jedoch an vielen Stellen.

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Jedes Fähnchen ein Häufchen: Protest im Kirchsteigfeld.

Quelle: Ch. Biewald

Potsdam. Goslar macht’s vor. Die Harzstadt hat in dieser Woche die Aktion „Der Haufen muss mit“ gestartet. Wer auf einen Hundehaufen trifft, ist gebeten ihn mit einem Fähnchen kenntlich zu machen. Die Fähnchen gibt’s gratis im Bürgerbüro. Der Clou: Wer so ein Fähnchen in ein Corpus Delicti piksen will, kann es zuvor mit treffenden Worten wie „Haufen sucht Herrchen“ oder „Weg mit dem Dreck“ beschriften. Der flotteste Spruch wird prämiert.

Bewohner des Kirchsteigfelds sind auf eigene Faust zur Tat geschritten

Auch in Potsdam wehen Fähnchen über Hundehaufen. Einige Tage vor dem Beispiel aus Goslar sind Bewohner des Kirchsteigfelds zur Tat geschritten und haben markiert, was die Rabatten und Gehwege in ihrem Kiez so hergeben. In den sozialen Netzwerken macht die von angeekelten Bürgern gestartete Kampagne gerade die Runde.

Vielleicht wird es eine von der Stadt konzertierte Aktion à la Goslar auch in Potsdam geben. „Wir finden die Idee witzig, gut und kreativ“, sagt Stadtsprecher Jan Brunzlow. Man werde die Aktion beobachten und schauen ob sie etwas bringt und dann entscheiden.

6591 Hunde sind in Potsdam registriert – die Dunkelziffer liegt höher

In Potsdam, der wachsenden Stadt, leben auch immer mehr Hunde. Allein in den vergangenen fünf Jahren verzeichnete die Stadt offiziell einen Anstieg von 635 Tieren, steuerlich erfasst sind aktuell 6591. Doch nicht jeder meldet seinen Vierbeiner an. „Die tatsächliche Anzahl ist schwer schätzbar“, so Brunzlow. Hinweise auf nicht angemeldete Hunde würden konsequent verfolgt – immerhin bringen die Hunde Geld in die Kasse. Die Hundesteuereinnahmen beliefen sich im vergangenen Jahr auf 710.000 Euro. Wie viel Geld zudem Hundehalter, die Bello beim Toilettengang nicht hinterher geräumt haben und dabei erwischt wurden, berappen mussten, ist nicht bekannt. Diese Knöllchen würden nicht gesondert erfasst.

„Hundebesitzer sind dazu verpflichtet, dass auf öffentlichen Grün- und Verkehrsflächen kein Hundekot verbleibt“, so Brunzlow. Die Hinterlassenschaften der Gassirunde sind laut Stadtordnung „unverzüglich zu beseitigen“. Wer auch immer am anderen Ende der Leine geht, hat „dafür geeignete Reinigungsmaterialien mitzuführen“. Die Stadt hilft hier inzwischen nach: Seit vergangenem Sommer hat sie 125 Spender aufgestellt, an denen sich Hundehalter kostenfrei mit Tüten eindecken können.

Viele Gassibeutel landen am Wegesrand und in den Büschen

Der Weisheit letzter Schluss ist das System aber offenbar nicht. Allerorten tauchen die leuchtend roten Schietbüdel wieder auf – gefüllt und zugeknotet liegen sie am Wegesrand, in Büschen, um Verkehrsschilder drapiert. Und ein Beutel kommt selten allein, wie ein Rundgang durch die Nachbarschaft von Schloss und Park Sanssouci zeigt. Sieht man von dem Papierkorb auf dem Spielplatz am Köhlerplatz ab, haben Passanten – mit oder ohne Hund – im Eck Lenné-, Sello- und Feuerbachstraße keinerlei Möglichkeit, ihren Wegemüll, sei es ein Kaugummi oder ein Schietbüdel, legal loszuwerden.

2785 öffentlich zugängliche Papierkörbe sind laut Stadtsprecher im Stadtgebiet zu finden. Sie gehören privaten Grundstückseigentümern, dem Verkehrsbetrieb und der Stadt. Wo ein Papierkorb aufgestellt wird, entscheide der Eigentümer. Die Stadtverwaltung zum Beispiel stelle auf Grund der Erfahrungen aus der Straßenreinigung und nach Hinweisen von Bürgern die Behälter dort auf, wo der Abfallanfall am höchsten ist.

Egal, ob aus Mangel an Papierkörben oder an Verantwortungsgefühl: Wer einen vollen Gassibeutel liegen lässt, begeht eine Ordnungswidrigkeit. Aber wohin mit dem Beutel, wenn kein Papierkorb da ist? Auch darauf hat die Stadt eine Antwort: „Jeder Hundebesitzer verfügt über eine private Abfallentsorgungsmöglichkeit.“

Sagen Sie uns Ihre Meinung!

Liebe Leser, stinkt’s Ihnen auch? Haben Sie genug von Tretminen auf den Bürgersteigen und herrenlosen Gassibeuteln im Blumenbeet? Meinen Sie vielleicht, dass es zu wenig öffentlich zugängliche Papierkörbe in der Stadt gibt und haben Sie Vorschläge, wo die Stadt nachbessern sollte? Schreiben Sie uns Ihre Meinung!

Ihre Vorschläge und Anregungen zum Thema Sauberkeit und Ordnung in der Stadt und den Ortsteilen nehmen wir per E-Mail und Brief entgegen: MAZ-Lokalredaktion Potsdam, Friedrich-Engels-Straße 24, 14473 Potsdam und Potsdam-Stadt@MAZ-online.de

Von Nadine Fabian

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