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Mit Hans und Ali nach Sansibar-Stadt

Neue Städtepartnerschaft Mit Hans und Ali nach Sansibar-Stadt

Kilian Kindelberger, der Geschäftsführer der Berlin-Brandenburgischen Auslandsgesellschaft (BBAG), und seine Mitarbeiterin Claudia Dombrowsky verbringen derzeit sehr viel Zeit mit Hans und Ali. Hans ist Lehrer und Ali Mitarbeiter in einem Krankenhaus. Die beiden sind Fantasiefiguren – Helden eines Lehrbuchs zum Erlernen der Sprache Suaheli.

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Kilian Kindelberger, Geschäftsführer der Berlin-Brandenburgischen Auslandsgesellschaft (BBAG), und Claudia Dombrowsky mit ihrem Suaheli-Lehrbuch.
 

Quelle: Bernd Gartenschläger

Babelsberg.  Seit Januar begleiten Kilian Kindelberger und Claudia Dombrowsky Hans und Ali durch diverse Alltagssituationen. An den Kursen, die von dem gebürtigen Tansanier Mnyaka Sururu Mboro gegeben werden, nehmen außerdem zwei Rathaus-Mitarbeiter, eine Physiotherapeutin, eine Unternehmerin und der Kustos des Potsdamer Botanischen Gartens teil.

Die Gewürzinsel hat spektakuläre Szenerien

Die Gewürzinsel hat spektakuläre Szenerien.

Quelle: Fotolia

Mittlerweile kommt ihnen „Hu jambo?“ (Wie geht’s?) und die Antwort „Si jambo!“ (Mir geht’s gut!) flott über die Lippen. Auch das Wort für „Auf Wiedersehen“ (Kwaheri) ist ihnen geläufig. Was aber bislang nicht auf der Vokabelliste stand: Das Suaheli-Wort für Städtepartnerschaft.

Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) und die Stadtverordnetenvorsitzende Birgit Müller (Linke) mit Khatib Abdulrahman Khatib (Mitte) bei der Ver

Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) und die Stadtverordnetenvorsitzende Birgit Müller (Linke) mit Khatib Abdulrahman Khatib (Mitte) bei der Vertragsunterzeichnung des Partnerschaftsvertrages im Filmmuseum Potsdam..

Quelle: Bernd Gartenschläger

Dabei ist das der Grund, weshalb die beiden BBAG-Mitarbeiter jetzt in den Räumen der Auslandsgesellschaft in der Babelsberger Schulstraße regelmäßig mit Hans und Ali büffeln. Vom 10. bis 15. Juli geht’s zur Besiegelung der Städtepartnerschaft zwischen Potsdam und Sansibar-Town mit einer offiziellen Delegation rund um Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) und die Stadtverordnetenvorsitzende Birgit Müller (Linke) auf die Insel im Indischen Ozean.

Blick auf  die Kathedrale in Stone Town in der Hauptstadt von Sansibar

Blick auf die Kathedrale in Stone Town in der Hauptstadt von Sansibar.

Quelle: Fotalia

Kindelberger ist die Erleichterung über die Unterzeichnung des Partnerschaftsvertrags anzumerken. Zehn Jahre Vorlauf hat es gebraucht bis zu jenem Moment, wenn die beiden Stadtoberhäupter im Rathaus von Sansibar-Stadt ihre Unterschriften unter das Dokument setzen. Der erste Teil der Partnerschaft wurde bereits Ende April in Potsdam besiegelt. Eine Delegation mit Oberbürgermeister Khatib Abdulrahman Khatib an der Spitze hatte dafür die sechzehnstündige Flugreise nach Europa angetreten.

Alles, so erzählt Kindelberger, begann mit einer Idee: Die Nord-Süd-Partnerschaft sollte mit Leben gefüllt werden. Potsdam hatte nämlich bis dahin nur Partnerstädte in Europa und den USA. Blieb nur die Preisfrage: Welche Stadt soll es denn sein? Zunächst waren mehrere Städte im Rennen, unter anderem in Lateinamerika oder auf Sri Lanka. Die meisten Parallelen gab es aber mit der Hauptstadt der Insel Sansibar. Auch dort stehen Teile der Altstadtstadt unter dem Unesco-Welterbeschutz. Frauenfußball wird heiß geliebt und jedes Jahr im Juli lockt ein Filmfestival die Besucher an. 2007 gaben die Stadtverordneten grünes Licht für die Anbahnung der Städtepartnerschaft.

Strandszenerie auf Sansibar

Strandszenerie auf Sansibar.

Quelle: Fotalia

Aber nicht jeder war begeistert: Würde die Pflege der Partnerschaft nicht nur einem kleinen Kreis von Privilegierten vorbehalten bleiben, wenn die Partnerstadt so weit weg ist? Macht man mit den Langstreckenflügen nicht das Klima kaputt? Claudia Dombrowsky hält die verschiedenen Kritikpunkten nicht für stichhaltig. So würden Reisen von und nach Sansibar für Projektteilnehmer vom Bund gefördert, erklärt sie. Und angesichts der mittlerweile etablierten nachhaltigen Zusammenarbeit bei Klimaschutzprojekten sei relativ überschaubare Zahl der Flüge durchaus vertretbar.

Blick auf Stone Town

Blick auf Stone Town.

Quelle: Fotolia

Das erste Mal hat Kilian Kindelberger den Flieger Richtung Sansibar 2011 bestiegen – auf eigene Kosten. Allerdings machten sich der BBAG-Chef und seine Tochter Jara nicht auf, um entspannte Tage am traumhaften Strand zu genießen. Stattdessen ging es darum, erste Kontakte aufzubauen. Was Kindelberger besonders begeisterte, war die Offenheit der Menschen. Vieles wurde ihm ermöglicht, ohne dass dafür ein großer bürokratischer Vorlauf nötig gewesen wäre. Im Rathaus rannte er – im übertragenen Wortsinne – offene Türen ein. Der Verwaltungssitz von Sansibar-Stadt ist übrigens ein kleines Weißes Haus.

Der Verwaltungssitz von Sansibar-City ist ein kleines Weißes Haus

Der Verwaltungssitz von Sansibar-City ist ein kleines Weißes Haus

Quelle: Privat

Das ist kein Wunder, denn fast alle Gebäude im historischen Stone-Town-Viertel sind weiß. Zumindest am Anfang. Mit den Jahren schwindet der Glanz wegen der feuchten Meereswitterung. Aber die Inselbewohner haben ohnehin andere Probleme als verwitternde Fassaden. So hat das Leben in den ländlichen Gebieten wenig Paradiesisches. Vieles, was in Europa eine Selbstverständlichkeit ist, gilt als Luxus: „Strom macht für viele nur Sinn, wenn er auch Geld einbringt“, erzählt Kindelberger. Sprich: Wenn der Strom zum Beispiel eine Maschine antreibt. Für den Eigenbedarf ist Strom jedenfalls zu kostbar.

Panorama der Stadt

Panorama der Stadt.

Quelle: Fotalia

Mit durchschnittlich 200 Euro pro Monat muss ein Sansibari über die Runden kommen, wobei manche sehr wenig und andere deutlich mehr haben. Ihren Lebensunterhalt verdienen sich die Menschen mit der Landwirtschaft, der Fischerei oder dem Tourismus, der immer mehr an Bedeutung gewinnt. Dabei wird den Reisenden bei Exkursionen gern die große Geschichte Sansibars näher gebracht. Als Gewürzinsel war sie Sehnsuchtsort vieler Zuwanderer – ein Schmelztiegel der Kulturen aus Indien, Arabien und Afrika. Bald wird in dem großen Multikulti-Mix auch eine kleine Prise Potsdam zu finden sein.

Von Ildiko Röd

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