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Potsdam Mit dem Wassertaxi raus aus dem Stau
Lokales Potsdam Mit dem Wassertaxi raus aus dem Stau
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18:47 10.03.2016
Die Wassertaxis der Weißen Flotte werden bislang nur touristisch genutzt, könnten aber auch den öffentlichen Nahverkehr entlasten, wenn die Stadt das will. Quelle: Christel Köster
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Pirschheide / Innenstadt

Potsdam steckt mindestens zwei Mal täglich im Stau, vor allem die Großbeeren- und die Zeppelinstraße werden für Autofahrer zur Falle. Auch der öffentlichen Nahverkehr wird ausgebremst, denn in den westlichen Stadtteilen teilen sich Bus und Tram den Straßenraum mit dem Individualverkehr. Pförtnerampeln drosseln den Durchfluss an Fahrzeugen, falls die Luft zu schlecht wird; die Verschmalerung der Zeppelinstraße soll Autofahrer zum Umsteigen in Bus und Bahn drängen. Warum nicht auch auf’s Schiff? fragt Flottenchef Jan Lehmann. Immer wieder hat er versucht, die beiden Wassertaxis als alternative Transportmittel im Nahverkehr bekannt zu machen, bislang erfolglos. „Wir sind eine Stadt im Stau und eine Stadt am Wasser“, sagte er: Das Problem der Straße könne mit dem Verkehr zur See gemildert werden; immerhin haben die Wassertaxis 13 Anlegepunkte, die auch fußläufig erreichbar sind. Und in manchen Randgebieten der Stadt fahren die Busse so selten, dass der „Seeweg zwischendurch“ durchaus geeignet wäre, lange Wartezeiten zu vermeiden.

Die Wassertaxis der Weißen Flotte

Seit 2007 ist das System „Potsdamer Wassertaxi“ aktiv; es gibt zwei neu gebaute Schiffe. Sie haben einen festen Fahrplan und 13 Anlegepunkte, die im gegenläufigen Verkehr angesteuert werden. Die Schiffe können jeweils rund 60 Personen und 20 Fahrräder befördern.

Die Linienverbindung durch das „Potsdamer Wassertaxi“ ist eine Zeit sparende Alternative zur Fortbewegung durch die Landeshauptstadt, und so kann man bereits für 3,50 Euro die Havel überqueren. Die Tickets werden ganz einfach beim Einstieg direkt an Bord gelöst. Wer mitfahren möchte, sollte sich zur Abfahrtzeit für den Schiffsführer sichtbar auf oder vor dem Steg stellen. Die Haltestellen sind durch ein Schild gekennzeichnet.

Das erste Wassertaxi war ein umgebauter Frachter. Das Wassertaxi 2 kam 2009 als Neubau hinzu. Es hat rund 500 000 Euro gekostet.

Das Wassertaxi 3 von 2013 ist etwas länger und deshalb teurer. Es hat 700 000 Euro gekostet. Taxi Nr. 1 ist inzwischen außer Dienst gestellt.

7) Die Saison 2016 beginnt am 24.März.

Im vergangenen Jahr haben die Wassertaxis rund 40 000 Personen befördert.

Der Bahnhof Pirscheide wäre für Lehmann ein idealer Umsteigepunkt zwischen dem Umland und der Stadt. Hier gibt es einen ausbaufähigen Park- and-Ride-Parkplatz. Von der Straßenbahn- und Bushaltestelle beträgt der Weg zum nähst gelegenen Wassertaxi-Halt am Kongresshotel rund 400 Meter. Das Schiff hält dort sechs mal in Richtung Innenstadt. Das erste Mal um 9.43 Uhr, das letzte Mal um 19.18 Uhr.

Der Fahrplan erstreckt sich über den ganzen Tag, so dass eine Anpassung an die Taktung des ÖPNV besprochen werden könnte, findet Lehmann. Natürlich müsse man die Wegstrecken zum jeweiligen Schiffsanleger mit einberechnen. Günstig wäre es, die Abfahrzeiten der Wassertaxis zwischen die von Bus und Bahn zu legen.

Auch preislich kann sich Lehmann Anpassungen vorstellen, denn das Taxi-Ticket der nicht öffentlich gestützten Flotte ist fast drei Mal teurer als die Bus- und Bahnfahrkarte. Für die Tour vom Bahnhof Pirschheide zum Flottenhafen der Innenstadt zahlt man bei einer 10er Karte im Zwei-Zonen-Bereich der Flotte fünf Euro, beim ViP nur 1,90 Euro. Der ViP-Karteninhaber könnte aber womöglich – ähnlich der Kiewitt-Fähre – zum ViP-Preis Wassertaxi fahren und die Flotte dafür ein Entgelt bekommen. Die Schiffsabfahrten könnte man in die Abfahrtanzeiger der öffentlichen Verkehrsunternehmen einspielen, sagt Lehmann: „Das wäre schnell zu machen.“ An den Nahverkehrshaltestellen sollten dann Schilder den Weg weisen zu den Wassertaxi-Haltepunkten. „Wassertaxi 400 Meter“ – das müsste nach Lehmanns Ansicht doch zu machen sein.

Das Wassertaxi 1 ist in den Augen von Flottenchef Jan Lehmann „viel mehr Schiff“ als die neu gebauten „Aqua-Cabs“, aber nicht behindertengerecht und teuer im Betrieb. Das einstige Frachtschiff wurde 2013 mit der Beschaffung des Wassertaxis 3 ausgemustert, steht aber noch als Ersatz im Falle von Havarien zur Verfügung. Quelle: Christel Köster

Für die Stadt überwiegen allerdings die Nachteile. Das Wassertaxi mit dem heutigen Takt und den heutigen Ticketpreisen stelle keine Alternative zu den bestehenden Bus- und Bahnverbindungen dar, erklärte Stadtsprecher Jan Brunzlow am Donnerstag. Wenn die Wasserwege mit einbezogen werden sollten, müssten mehrere Veränderungen vorgenommen werden: Ein dichterer Takt vor allen in den Hauptverkehrszeiten mindestens halbstündlich, eine Fahrt zu VBB-Preisen und weitere, zentrale Anlegestellen. Ein Großteil der Anlegestellen bediene vorrangig touristische Ziele. Eine Studentenarbeit habe sich im Jahr 2003 mit dem Thema befasst. Damals wurde der Einsatz eines Wasserbusses als lohnende Alternative gesehen, jedoch aufgrund der zu erwartenden weniger als 400 Fahrgäste als unwirtschaftlich beschrieben.

Zudem könne das Wassertaxis aufgrund von Eis auf dem Fluss nicht ohne zusätzlichen Aufwand als ganzjähriges ÖPNV-Angebot garantiert werden, sagte Brunzlow der MAZ. Die Reisegeschwindigkeit von maximal 12 Stundenkilometern sei zudem „nicht sehr attraktiv für Pendler“. Es gebe aber auch Vorteile: eine wartungsfreie Wasserstraße und kaum Baustellen.

Von Rainer Schüler

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