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Mit leichter und mit schwerer Hand

Potsdam-Gemälde von Wilhelm Barth restauriert Mit leichter und mit schwerer Hand

Ab dem 1. April ist „Der Alte Markt Potsdam nach Südosten“ des einstigen Hofmalers Wilhelm Barth in einer Sonderausstellung im Potsdam-Museum zu sehen. Nach seiner Restaurierung im Atelier von Oliver Max Wenske ist das Gemälde wieder ein echter Hingucker. 1950 hatte sich schon einmal ein Restaurator daran versucht – mit mäßigem Erfolg, wie sich nun nachvollziehen lässt.

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Links die 50er-Jahre Version, rechts das nun restaurierte Bild, davor Jutta Götzmann und Oliver Max Wenske.

Quelle: Julian Stähle

Innenstadt. Vielleicht musste es damals einfach nur schnell gehen. Vielleicht war aber auch ein – mit Verlaub – ungeschickter Restaurator am Werk. Einer mit schwerer Hand, der die Ölfarbe nicht nur großflächig, sondern auch so dick auf das Gemälde pinselte, dass vom Original kaum mehr als eine Ahnung übrig blieb. Die Kuppel des Alten Rathauses: merkwürdig geknickt. Die Attika-Figuren: geköpft. Die Kapitelle: verschoben. Und erst dieser alles überstrahlende blaue Himmel! Nein, so hatte Johann Wilhelm Gottfried Barth den Alten Markt 1824 sicher nicht auf die Leinwand gebannt, das zeigte nicht nur der Vergleich mit anderen Barths, sondern spätestens das UV-Licht, das die Sünden der 1950er-Jahre-Restaurierung gänzlich zu Tage brachte. „Restauratorisch war das Bild eine große Herausforderung“, sagt Oliver Max Wenske, der das Gemälde nun, vom Förderverein des Potsdam-Museums vermittelt und durch eine großzügige Spende der Berliner Volksbank ermöglicht, in die Hand bekam – eine viel leichtere, um es vorweg zu nehmen.

Die einst fein gearbeiteten Vasen auf dem Palast Barberini hat der Restaurator 1950 beinahe übermalt, als er das Gemälde mit einem strahlend bl

Die einst fein gearbeiteten Vasen auf dem Palast Barberini hat der Restaurator 1950 beinahe übermalt, als er das Gemälde mit einem strahlend blauen Himmel versah. Zwischen den Balustern ist das Grau zu erkennen, das Barth seinem Gemälde einst gab.

Quelle: Julian Stähle

„Der Alte Markt Potsdam nach Südosten mit Altem Rathaus und Palast Barberini“ gewährt „einen einmaligen Blick“, sagt Museumsdirektorin Jutta Götzmann. „Wilhelm Barth ist ein qualitativ sehr hochwertiger und bedeutender Architektur- und Landschaftsmaler der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.“ Ihm komme allerdings – so habe es der einstige Generaldirektor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Hans-Joachim Giersberg bereits in den 1990er Jahren formuliert – noch nicht die Wertschätzung zu, die er verdienen würde. Geboren 1779 in Magdeburg, absolviert Barth zunächst eine Lehre zum Porzellanmaler. Studienreisen führen ihn unter anderem nach Russland, wo er sich intensiv der Architekturmalerei widmet. Aus dem Osten zurück, schwenkt Barth von der Gouache- und Aquarellmalerei auf Öl um und arbeitet spätestens ab 1824 in Potsdam. Ein Jahr später ernennt ihn König Friedrich Wilhelm III. zum Hofmaler, was Barth selbst als sein großes Glück bezeichnete. „Sein typisches Motiv sind fortan die Residenzstädte Potsdam und Charlottenburg“, sagt Jutta Götzmann. Die Schlösserstiftung besitze allein 22 Barths. Das Potsdam-Museum hingegen nur den „Alten Markt“, der ab dem 1. April im Rahmen der Sonderausstellung „Faszinierender Blick. Potsdamer Veduten des 18. und 19. Jahrhunderts“ zu sehen sein wird. Hinzu komme durch eine glückliche Wendung eine Dauerleihgabe – der Blick vom Brauhausberg über die Stadt. Das Bild war vor vier Jahren in einer Auktion mit dem Startgebot von 50 000 Euro angesetzt gewesen. Der Preis schoss aber so sehr in die Höhe, dass Museum und Förderverein nicht mithalten konnten, erzählt Jutta Götzmann. Wie gut, dass sich der Käufer der Stadt Potsdam verbunden fühle und das Bild in die Obhut des Museums gab.

Verrestauriert

Verrestauriert: Ausschnitte des Gemäldes nach der ersten Restaurierung (l.) und nach der jetzigen – der Obelisk ist nun wieder viel klarer.

Quelle: Julian Stähle

Der hauseigene Barth zeigt den Alten Markt nach dem Brand der Nikolaikirche anno 1795. Die Ruine stand bis 1811 und wurde schließlich als Steinbruch für das Schauspielhaus abgetragen. Barth malte die Leerstelle – ein Wegekreuz – und lässt einige Staffagefiguren darüber flanieren. 1830 beginnt der Neubau nach Schinkels Plänen.

„Von der Provenienzgeschichte des Bildes ist nur wenig erhalten“, sagt Jutta Götzmann. Nachgewiesen sei aber, dass es im Besitz des Königs war und sich eine Zeit lang im Neuen Palais befand. Im Besitz des Museums sei das Gemälde schon vor 1945 gelangt – wie, das wisse man nicht. 1950 war es offenbar in einem so schlechten Zustand, dass man es nicht nur aus seinem pompösen Goldrahmen nahm und in schlichte Holzleisten sperrte, man ließ es auch restaurieren. Was dabei heraus kam, hat Oliver Max Wenske für die (Forscher-)Nachwelt dokumentiert und an einigen Stellen des Gemäldes auch erhalten. Das 50er-Jahre-Blau des Himmels hat er im oberen Teil des Bildes lediglich gesäubert, die übrige Fläche aber retuschiert. Dem vermuteten Original nachempfunden, schieben sich nun von der Sonne beschienene Wolkenberge über ein Grau, wie es Barth einst wählt, um die Weite des Firmaments zu beschreiben. Wenske hat zaghaft die alten Retuschen verbessert und am rechten Bildrand auch einen Teil des Original-Barth freigelegt, was für das gesamte Bild nicht möglich war. „Es ist einfach zu wenig darunter“, sagt Oliver Max Wenske. Und das, was noch da wäre, sei „wahrscheinlich ein großes Risssystem“. Eine Bildruine. „Verrestauriert“, wie Wenske sagt.

Von Nadine Fabian

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