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Potsdam Mitte-Bündnis will Stadtkanal fördern
Lokales Potsdam Mitte-Bündnis will Stadtkanal fördern
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01:15 31.01.2019
Das ist die Vision. Bislang wird das Teilstück des Kanals in der Yorckstraße nur einmal jährlich zum Kanalsprint geflutet. Quelle: Bernd Gartenschläger
Innenstadt

Der Stadtkanal durch die Potsdamer Innenstadt soll mit Hilfe der Bürger wiedergewonnen werden – Die zwei verschiedenen Fördervereine des Kanals reagierten mit großem Beifall auf Oberbürgermeister Mike Schuberts (SPD) Rede auf dem Neujahrsempfang der Stadt.

„Wir freuen und sehr über dieses Bekenntnis und werden die Stadt dabei unterstützen“, sagte Siegfried Benn, Chef des Förderverein für die Wiederherstellung des Stadtkanals, der MAZ. Benn war maßgeblich an den ersten Teilabschnitten beteiligt und hatte mit dem Verkauf der Geländer-Pfosten Geld eingeworben.

„Der Stadtkanal macht Potsdam unverwechselbar und einzigartig und bringt mehr Grün und mehr Wasser und damit mehr Aufenthaltsqualität in die von Verkehrsachsen durchzogenen Innenstadt“, sagte Willo Göpel, der Vorsitzender des „Bauvereins Potsdamer Stadtkanal 1722“.

Am Wilhelmplatz, dem heutigen Platz der Einheit, floss der Kanal vor der heutigen Bibliothek entlang in die Yorckstraße. So sah es dort 1935 aus. Quelle: Potsdam-Museum

Bündnis will am 12. Februar einen offenen Arbeitskreis gründen

Das Bündnis „Potsdamer Mitte“, ein Zusammenschluss der Vereine und Initiativen für die Gestaltung verschiedener Teile der Innenstadt, will bereits Anfang Februar einen eigenen Arbeitskreis gründen, um Engagierte zusammenzuführen, wie Göpel ankündigte. „Ganz unabhängig von Mitgliedschaften in unseren Vereinen oder Initiativen ist jeder willkommen, der mithelfen will, einen neuen Stadtkanal zu schaffen“, sagte Göpel. Das Bündnis trifft sich erneut am Dienstag, 12. Februar um 19 Uhr im Restaurant Fliegender Holländer in der Benkertstraße.

Beteiligungsrat soll die Bürger in das Projekt einbinden

Schubert setzt bei der langfristigen Wiedergewinnung des gesamten, über 1,8 Kilometer langen Stadtkanals auf die inhaltliche Mitarbeit der Bürger. Laut Stadtverwaltung soll mit dem gerade neu aufgestellten Beteiligungsrat und der Werkstatt für Beteiligung ein Konzept für den Kanal erarbeitet werden. Schubert will mit dem Projekt einen Mehrwert „für das Stadtklima, für die Lebensqualität und für die Identität“ schaffen, wie er bei seiner Rede auf dem Neujahrsempfang der Stadt angekündigt hat.

„Stellen Sie sich vor, Sie sitzen in der Straße am Kanal vor einem der Häuser mit der auffälligen Ladenpassage aus den Sechziger Jahren. Vor uns wäre keine asphaltierte Fläche, sondern Wasser“, schwärmt Schubert – denn in seiner Vision sind die Autos in Tiefgaragen in der Umgebung verschwunden. Das Geruchsproblem, dass der alte Kanal wegen fehlender Strömung hatte, lasse sich laut Schubert mit Pumpen und Umwälzwerken lösen.

Der Blick auf den ehemaligen Potsdamer Stadtkanal in der Straße am Kanal. Die Reihe parkender Autos unter den großen Bäumen markiert den historischen Verlauf Quelle: Bernd Gartenschläger

Eine Studie ging 2002 von 65 Millionen Euro Kosten aus

Es gibt neben der Strömung noch zahlreiche andere offene Fragen, etwa der Verkehrsführung und der Finanzierung. Eine Studie des Sanierungsträgers aus dem Jahr 2002 schätzte die Kosten des Projekts damals auf rund 65 Millionen Euro. „Darin waren allerdings auch die Kosten für Gehwege und Straßen, für die Verlegung der Tramtrassen und für die Rekonstruktion aller Brücken enthalten“, sagt Willo Göpel. So sei entlang der Straße Am Kanal die mögliche Verlegung der Straßenbahntrasse nach historischem Verlauf beiderseits des Kanals mitkalkuliert worden. Er schätzt, dass mindestens ein Drittel der damals genannten Kosten „nicht stadtkanalbedingt“ sind.

Über 225 Pfosten für jeweils 2001 Deutsche Mark – nach dem Jahr der Potsdamer Bundesgartenschau – wurden vom Förderverein des Stadtkanals an Spender vergeben. Quelle: Bernd Gartenschläger

Göpel schlägt pragmatische Lösungen für Teilabschnitte vor

„Die Wiedergewinnung des Kanals muss nicht bedeuten, dass er auf ganzer Länge als zwölf Meter breite, holländische Gracht ausgeführt wird. Gerade in der Straße Am Kanal könnte es eine schmalere, moderne Form mit Freitreppen geben“, so Göpel. Ein schmaleres Teilstück in diesem Abschnitt sei an die Dimensionen der Nachkriegsbebauung angepasst und die Teilung der funktionierenden Tramtrasse unnötig.

„Kein reines Rekonstruktionsprojekt“

Auch die Querung der Friedrich-Ebert-Straße, wo heute im Gegensatz zu Zeiten des alten Stadtkanals, eine Tram fährt, könne man modern denken und durch ein zeitgenössisches Brückenbauwerk viel Geld sparen. „Wir dürfen nicht an jeder historischen Schraube hängen, das ist kein reines Rekonstruktionsprojekt“, sagt Göpel.

Kleine Chronik des Potsdamer Stadtkanals

Spätestens ab dem 12. Jahrhundert ist ein Stadtgraben zur Entwässerung nachgewiesen. 1722 wird der Graben begradigt, vertieft und an den Wänden mit Holz verschalt Ab 1756 wird der Kanal zur holländischen Gracht mit Sandsteinbrücken ausgebaut.

1809 gab es die erste belegte Beschwerde von Anwohnern wegen der Geruchsbelästigung. Im 19. Jahrhundert werden einzelne Brücken durch Eisenkonstruktionen ersetzt

Seit 1945 war der Kanal durch Kriegsschutt nicht mehr schiffbar. In den Fünfziger Jahren werden mehrere Brücken instandgesetzt. 1961 wird die erste Brücke abgerissen und die Zuschüttung angeordnet, die sich bis in die Siebziger Jahre hinzieht.

1998 gründet sich der Förderverein für die Wiederherstellung des Stadtkanals unter Vorsitz von Siegfried Benn. 1999 beginnt der Wiederaufbau des Kanals. Zur Bundesgartenschau 2001 wird das erste 130 Meter lange Teilstück des rekonstruierten Stadtkanals zwischen Friedrich-Ebert-Straße und Wilhelm-Staab-Straße eröffnet. Bis 2003 wird es bis zur Dortustraße verlängert. Die 130 Meter lange Einfahrt des Kanals bis zur früheren Kellertorbrücke wird bis 2009 ebenfalls rekonstruiert.

2005 findet der erste Kanalsprint des Kanuclubs Potsdam statt, wofür das leere Becken mit Wasser gefüllt wird. 2012 flutet das Localize-Festival flutet das trockene Kanalstück in der Yorckstraße mit Kunst und Musik.

Ein zweiter Verein mit dem Namen „Bauverein Potsdamer Stadtkanal 1722“ wird 2016 auf Initiative von Willo Göpel gegründet. Göpel errichtet bis 2017 auch die Kellertorwache am Beginn des Kanals als privates Wohnhaus wieder.

Von Peter Degener

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