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Modellversuch Zeppelinstraße bremst Wirtschaft aus

Verkehr in Potsdam Modellversuch Zeppelinstraße bremst Wirtschaft aus

Die Industrie- und Handelskammer fordert die vorzeitige Beendigung des Modellversuchs in der Zeppelinstraße. Firmen klagen über negative Folgen der Verkehrsplanung, unter anderem finden Hotelgäste kein Taxi, weil Fahrer sich nicht durch den Stau quälen wollen.

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Die Busspur in der Zeppelinstraße entlaste den öffentliche Verkehr nicht, findet Fuhrunternehmer Sven Kortschlag.

Quelle: Foto: Bernd Gartenschläger

Potsdam. Nach Pendlern und dem ADAC gehen nun auch regionale Unternehmer gegen den Modellversuch in der Zeppelinstraße auf die Barrikaden. „Das Pilotprojekt darf nicht auf Gedeih und Verderb durchgezogen werden“, erklärt der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK), Mario Tobias und fordert einen vorzeitigen Ausstieg aus dem Projekt, sollte der „Verkehrskollaps“ weiter andauern. Die Einschränkung der wichtigen Verkehrsader behindere nicht nur den Personen-, sondern auch den Wirtschaftsverkehr erheblich. „Schließlich können gerade unsere Unternehmen ihre Leistungen nicht mit Bus und Straßenbahn oder gar mit dem Fahrrad erbringen“, so Tobias.

Die IHK erreiche eine ganze Reihe von Klagen hiesiger Betrieben. „Das reicht von Logistikern bis zu Hoteliers“, sagt Tobias. Einer der Betroffenen ist Fuhrunternehmer Sven Kortschlag. „Es hat mir bisher keiner plausibel erklären können, dass der Schadstoffausstoß reduziert wird, wenn die Fahrzeuge im Stau stehen beziehungsweise einspurig mit 30 km/h in die Stadt rollen“, sagt der Geschäftsführer der Fahrservice H. Kortschlag OHG im Schlaatzweg. Das Projekt sollte deshalb deutlich auf einen Monat verkürzt werden, fordert er. Die Linken waren am Mittwoch in der Stadtverordnetenversammlung mit ihrem Antrag gescheitert, den auf sechs Monate angelegten Modellversuch, der seit einer Woche läuft, auf drei Monate zu begrenzen.

Hotelgäste bekommen kein Taxi

Jutta Braun geht sogar noch einen Schritt weiter: Der Versuch müsse umgehend beendet werden, fordert die Geschäftsführerin des Kongresshotels am Templiner See. „Seit Beginn der Maßnahme haben wir täglich massive Gästebeschwerden“, sagt Jutta Braun. Die Anfahrt sowohl aus der Innenstadt als auch Richtung Werder seit mit sehr viel Zeitaufwand verbunden. „Noch viel gravierender stellt sich die Situation für unsere Gäste bei der Buchung von Taxis dar: Taxibetriebe fahren in Hauptverkehrszeiten unser Hotel gar nicht erst an, da diese durch die Stauzeiten auch Einbußen zu verzeichnen haben“, schildert Braun. Inoffiziell sei ihr mitgeteilt worden, dass die Taxibetriebe in voller Absicht die Hotels entlang der Zeppelinstraße und darüber hinaus nicht anfahren bis geklärt sei, dass Taxis – wie in Berlin üblich – in der Busspur fahren dürfen. „Die Gäste sind verärgert, verpassen teilweise ihre Anschlusszüge oder Flüge und verstehen nicht, warum es nicht möglich ist, ein Taxi in Potsdam zu bekommen“, sagt die Hotelchefin.

„Die zeitliche Umsetzung der Maßnahmen könnte ungünstiger nicht sein“, findet Rüdiger Hage von der Potsdamer IPG Infrastruktur- und Projektentwicklungsgesellschaft. Durch die Großbaumaßnahme Nedlitzer Straße sowie die Großbaustelle an der A 10 bei Michendorf komme es nicht nur zu zeitweisen Verkehrsverlagerungen zum Beispiel zur B 273, das Verkehrsnetz werde insgesamt überlastet – „mit allen negativen volkswirtschaftlichen Auswirkungen“.

Frustrierte Lkw-Fahrer

Auch bei Firmen in Potsdam-Mittelmark sorgt die nervenaufreibende Fahrt durch die Landeshauptstadt für Frust. „An den meisten Tagen der Woche kommen unsere Lkw bereits deutlich vor 6 Uhr im Stadtgebiet Potsdams an. Dann betrifft uns der Stau auf der Zeppelinstraße – der sich nach 6 Uhr mindestens bis nach Geltow ausdehnt – nicht so sehr“, erklärt Sebastian Schornberg aus der Unternehmensführung von Werder Frucht in Groß Kreutz. „Haben wir es allerdings mit ungeplanten Touren oder Nachbestellungen unserer Kunden zu tun, welche Auslieferungen der Ware nach 6 Uhr nach sich ziehen, müssen wir heute schon eine halbe Stunde mehr Zeit einplanen.“ Das koste nicht nur Zeit und Geld, sondern drücke auch erheblich auf die Stimmung der Fahrer. „Eine grüne Welle, weniger gleichzeitig offene Baustellen oder eine bessere Vorbereitung nötiger Begleitmaßnahmen rund um das ,Experiment’ würden sicher helfen“, sagt Schornberg.

Fazit der IHK: Potsdam als Oberzentrum haben mit seinen Behörden, dem Einzelhandel, Gesundheitseinrichtungen und Dienstleistern wichtige Funktionen für die Menschen der Region zu erfüllen, „aus denen sich die Stadt nicht so hinausstehlen kann“. Eine Verlängerung des Versuchs dürfe es auf keinen Fall geben.

MAZ-Talk zur Zeppelinstraße

Das Thema Zeppelinstraße sorgt für Zündstoff. Am 17. Juli, 18 Uhr, bittet die MAZ zum Talk ins Atelierhaus Scholle in Potsdam.

Auf dem Podium sitzen Potsdams Baudezernent Bernd Rubelt (parteilos), die Bürgermeister der Gemeinde Schwielowsee, Kerstin Hoppe (CDU), und Ingo Baumstark vom Stadtteilnetzwerk Potsdam-West.

Anmeldung für die Veranstaltung unter 0331/2840-294 oder unter www.MAZ-online.de/MAZtalk.

Zudem ist Ihre Meinung bei einer Umfrage gefragt, www.MAZ-online.de/zeppelinstrasse

Von Marion Kaufmann

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