Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Potsdam Auf verbotenen Pfaden im Jahr 1987
Lokales Potsdam Auf verbotenen Pfaden im Jahr 1987
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
01:05 25.10.2014
Freundliche Begegnung am anderen Ende der Welt: Neugierige und vergnügte Mongolen umringen Marion Mentel. Quelle: Privat
Potsdam

Lange hatte Marion Mentel nicht geahnt, dass ihre Geschichte für fremde Menschen so interessant ist. Doch seit einem Artikel des "Spiegel"-Autors Peter Wensierski im Oktober 2012 über die Reise eines jungen Paares aus der DDR hat sich das geändert.

Die Babelsbergerin Marion Mentel lebt heute in Borne, einem Dorf bei Bad Belzig. Bilder ihrer verbotenen Reise sind in einer Ausstellung zu sehen, die jetzt auch in Potsdam Station macht. Quelle: Stefan Specht

Seit aus dem Artikel gar ein ganzes Buch – "Die verbotene Reise" – wurde, ist Marion Mentel nicht nur in ihrer neuen Heimat, dem Fläming, und der alten Heimat Potsdam bekannt. Zudem touren die Reisebilder als Ausstellung durch die Lande. Ab dem 5. November sind sie im Hotel "Mercure" zu sehen.

Besondere Momente: Jens Kießlinig gelangen beeindruckende Aufnahmen auf der langen Reise. Quelle: Privat

Warum ist diese Geschichte von Marion Mentel und Jens Kießling so spannend, dass sich unzählige Zeitungen, Radio- und Fernsehstationen dafür interessieren? "Es sind die verschiedenen Ebenen, die sie bietet", vermutet Hauptakteurin Marion Mentel. Sie war 1987 mit ihrem damaligen Freund Jens Kießling unerlaubt durch die Mongolei gereist. "Unerkannt durch Freundesland" hieß diese Art zu reisen. Marion Mentel und Jens Kießling gingen noch weiter. Mit Mut, guter Vorbereitung und einer Portion Glück schafften sie es bis nach China. War die Reise in die Mongolei schon schwer zu bewerkstelligen, so war das Reich der Mitte für normale DDR-Touristen so unerreichbar wie die USA.

Selten: Ein Foto mit Marion Mentel und Jens Kießling in China. Quelle: Privat

In der Dunkelkammer ihrer Kunsthochschule hatten sich die beiden Studenten Marion und Jens kennen gelernt. Jens hatte da bereits einige unerlaubte Reisen unternommen und plante gerade den nächsten Trip durch die Mongolei. Marion Mentel packte ihre Sachen und ging mit. Der erfahrene Jens Kießling war Cheforganisator. Er wusste, dass man ohne gültige Papiere in keinem so genannten sozialistischen Bruderland weit kam. Sollte man ihnen ihre Dokumente abnehmen, wären sie aufgeschmissen. "Wir klebten Passbilder in den Pionierausweis, den Ausweis der Deutsch-Sowjetischen-Freundschaft und in alles, was so ähnlich aussah", erzählte Marion Mentel.

Abenteurer Jens Kießling mit einem sowjetischen Flugzeug. Quelle: Privat

Einmal leisteten die Ersatzausweise gute Dienste. In einem chinesischen Kloster wurden sie von auffällig freundlichen Mönchen lange zum Bleiben aufgefordert. Das kam dem Paar seltsam vor. Es gab die Papiere ab, lief in die Berge und entkam seiner Verhaftung. Doch es sind vor allem Bilder von weiter Natur, endlosen Wüsten, klaren Seen und ebenso neugierigen wie freundlichen Menschen, die Marion Mentel in Erinnerung geblieben sind. Mehrere Wochen verbrachte sie mit dem leidenschaftlichen Biologen Jens zeltend in freier Natur. In Gegenden, in denen die Menschen so gut wie nie Fremde sahen, war ihnen die Aufmerksamkeit des ganzen Dorfes sicher.

Eine Panne bedeutete schon mal drei Tage Pause in der Wüste Gobi. Quelle: Privat

Irgendwo in einem Zug lernten sie einen russischen Piloten kennen, der sie ein Stück mit seiner Propellermaschine mitnahm. Das Cockpitfenster hatte einen Riss, der immer größer wurde. Ein Unwetter war im Anzug. Der Pilot musste einen Umweg fliegen und setzte das Pärchen in der Wildnis ab. Die beiden zogen weiter in die mongolische Hauptstadt Ulan Bator. Jens Kießling hatte den Plan gefasst, aus der DDR zu fliehen. Die Universität hatte ihn wegen seines Engagements für Naturschutz und Kirche exmatrikuliert. Ihn hielt nichts mehr in seinem Heimatland. "Bei mir sah das anders aus", erinnert sich die damalige Bühnenbild-Studentin. "Ich wollte zurück zu meiner Familie in Babelsberg, zu meinem Studium in Berlin." Bis nach China reisten Marion und Jens gemeinsam, doch die Stunde des Abschieds rückte näher. Marion reiste schließlich zurück nach Berlin, Jens ging in die Botschaft der BRD. Heute leben beide in Brandenburg. Jens Kießling im Spreewald, Marion Mentel mit ihrem Mann Frank Grünert und ihren Kindern in Borne bei Bad Belzig.

Mit Transitvisum zogen die Abenteurer gen Osten

Als "Unerkannt durch Freundesland" oder Unerlaubt durch Freundesland (UdF) wurde die illegale Reisetätigkeit von DDR-Abenteurern in der Sowjetunion bezeichnet. Möglich wurden diese Reisen mit einer „Reiseanlage für den visafreien Reiseverkehr“ (als "Transitvisum" bekannt), die die Durchreise durch die Sowjetunion auf dem Weg von der DDR nach Rumänien für einige Tage gestattete.
Die UdF-Reisenden versuchten, von der direkten Reiseroute abzuweichen und in Richtung Osten und Norden vorzustoßen. Sie gelangten nach Kaliningrad, in sowjetische Polargebiete, nach Wladiwostok und Nachodka am Japanischen Meer, in das Vulkangebiet Kamtschatkas, zur jüdischen Sowjetrepublik am Amur und in die Berge des Kaukasus, des Fan, des Tienschan und des Pamir.

Einige UdF-Reisende versuchten, verlassene Lager des Archipel Gulag und Nomaden jenseits des Polarkreises aufzusuchen und Fluchtversuche nach Alaska mittels Paddelboot oder nach China mit gefälschten Unterlagen und durch Überquerung von mittelasiatischen Gebirgspässen zu unternehmen. Oftmals dauerte die UdF-Reise mehrere Wochen. Bei der Rückreise musste an den sowjetischen Grenzübergängen nach Rumänien eine Strafe von einigen Rubeln bezahlt werden.

Prinzipiell konnten DDR-Bürger auch per Einladung zu Bürgern der Sowjetunion in verschiedene sowjetische Städte fahren. Jedoch sollten sie die Stadt nicht verlassen. Ansonsten konnte es Probleme für die Gastgeber geben. UdF-Reisen boten die Möglichkeit, in viele Regionen zu gelangen, die eigentlich auch per Einladung nicht zugänglich waren. Ein UdF-Treffen fand 1988 bei Jena statt, zu dem mehr als 100 Teilnehmer kamen.

Von Stefan Specht

Die Unerkannt-in-Freundesland-Fotos sind vom 5. November bis 14. Dezember im Hotel „Mercure“ (Erdgeschoss) zu sehen. Das Buch Die verbotene Reise: Die Geschichte einer abenteuerlichen Flucht - Ein SPIEGEL-Buch gibt’s für 19,99 Euro im Handel. Quelle: Verlag

Die Unerkannt-in-Freundesland-Fotos sind vom 5. November bis 14. Dezember im Hotel „Mercure“ (Erdgeschoss) zu sehen. Das Buch „Die verbotene Reise – Die Geschichte einer abenteuerlichen Flucht“ gibt’s für 19,99 Euro im Handel.

Potsdam Potsdams Lokalpolitiker bereiten Städtpartnerschaft vor - Jakobs verteidigt Flug nach Sansibar

Für eine ab Samstag geplante neuntägige Dienstreise nach Sansibar in Ostafrika muss Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) derzeit viel Kritik einstecken. Die Reise sei überflüssig, teuer und klimaschädlich, meint die FDP. Jakobs hält die Reise dagegen aus verschiedenen Gründen für vertretbar und wichtig.

08.07.2017
Potsdam Fördermittel des Landes müssen neu aufgeteilt werden - Fünfte jüdische Gemeinde in Potsdam gegründet

Überraschende Entwicklung bei den jüdischen Gemeinden in Potsdam: Wie jetzt bekannt wurde, hat sich bereits im Mai eine neue Gemeinde in der Stadt gegründet. Ihr Name: "Mitzwa". Das bedeutet auch, dass die gedeckelten Fördermittel des Landes nun wahrscheinlich auf noch mehr Gemeinden aufgeteilt werden müssen.

22.10.2014
Potsdam Fest in Potsdam vorerst gerettet - aber für wie lange? - Sinterklaas-Finanzierung für 2015 bleibt offen

Der holländische Weihnachtsmann reitet wieder durch Potsdam: Das beliebte Sinterklaas-Weihnachtsfest im Holländischen Viertel findet nach der Absage vom Herbst 2013 in diesem Jahr doch wieder statt. Doch die Finanzierung für die nächsten Jahre bleibt weiter offen.

23.10.2014