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Potsdam Monumentale Installation in der Nikolaikirche
Lokales Potsdam Monumentale Installation in der Nikolaikirche
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19:16 03.01.2018
Drei der Banner unter der Kuppel der Nikolaikirche, links der Krieger von Hans-Hendrik Grimmling. Quelle: Stefanie Ketzscher
Potsdam

Das 1977 entstandene Triptychon „Die Umerziehung der Vögel“ von Hans-Hendrik Grimmling zählt mit einer eigenen Wand zu den beklemmenden Höhepunkten der aktuellen DDR-Kunstausstellung „Hinter der Maske“ im Museum Barberini. Der Landeshauptstadt ist Grimmling schon lange durch regelmäßige Ausstellungen in der Galerie Sperl verbunden. Dennoch ist die Präsentation in der DDR-Kunstschau in gewisser Weise eine Heimkehr.

Vor 33 Jahren präsentierte er auf der anderen Seite des Alten Marktes in der Nikolaikirche in einer letzten Ausstellung vor seiner Ausreise nach West-Berlin auf einem monumentalen Banner das Bild eines Kriegers im Stacheldraht. Das Kunstprojekt war außergewöhnlich. Grimmling schrieb später: „Dass ich noch in meinem Ausreisejahr an einer Ausstellung teilnehmen konnte, schrieb ich der Sonderrolle zu, die sich die Kirche in der DDR bewahrt hatte.“

In Veröffentlichungen zur DDR-Kunstszene wurde die Aktion zur Friedensdekade 1985 schon mehrfach erwähnt: „Beinahe unbemerkt bahnte sich damit ein neuer Trend in Richtung Installationskunst an“, schrieb Christoph Tannert 2014 im Beitrag „Der sozialistische Tarnanstrich bröckelte“ für den Katalog zur DDR-Kunstausstellung „Stadt-Bild/Kunst-Raum“ im Potsdam-Museum.

Nun gibt es erstmals eine eigene Publikation zu dem Projekt. Der Potsdamer Kunsthistoriker Andreas Hüneke als Autor der illustrierten Broschüre „Das Friedensfest in der Potsdamer Nikolaikirche“ war gemeinsam mit dem Astrophysiker und Bürgerrechtler Rudolf Tschäpe Initiator und Kurator der Installation, an der neben Grimmling die Künstler Manfred Butzmann, Frieder Heinze, Dietrich Holtmanns und Olaf Wegewitz beteiligt waren.

Hüneke präsentiert eine Text- und Bildsammlung zur Entstehungsgeschichte der Friedensdekaden und des unter dem Dach der evangelischen Kirche wirkenden oppositionellen Friedenskreises. Er erinnert an die von Tschäpe 1974 organisierte Kunstausstellung des Bildhauers Wieland Förster im Großen Refraktor auf dem Telegrafenberg, der andere Kunstaktionen folgten. Bis das Zentralinstitut für Astrophysik sich weiteren Projekten unter der Kuppel des Großen Refraktors verweigerte.

Von Tschäpe, selbst im Friedenskreis aktiv, stammte die Idee, unter die Kuppel der Nikolaikirche zu wechseln, wo schließlich mehrere auf bis zu 17 Meter anwachsende Banner aus kaschiertem Seidenpapier über ein ausgeklügeltes System mit Drahtseilen und Weidenzweigen vorsichtig in die Höhe gezogen und gestaltet wurden: „Wie Rudolf half auch ich gelegentlich beim Einkleistern der Papiere, die zusammengeklebt und nach und nach, sich unten verlängernd, nach oben gezogen wurden“, schreibt Hüneke: „Nach dem Trocknen konnten sie auf die gleiche Weise beidseitig bemalt werden. Das heißt, die Künstler hatten zunächst nur das obere Stück von etwa zwei Metern Höhe vor Augen, das fertiggestellt wurde. Dann folgte das nächste Stück.“

Der Kirchenleitung waren die für mehrere Wochen angebrachten gewaltigen Windsegel allerdings nicht geheuer. Zu Konzerten und Gottesdiensten sollten die Bilder verschwinden. Und so „hingen sie geheimnisvoll zusammengerollt über den Gottesdienstbesuchern“, schreibt Hüneke, „und haben gewiss gerade wegen dieses Geheimnisses manche Gedanken gefangen genommen“.

Info: Die Broschüre gibt es für 4 Euro u.a. im Internationalen Buch, in der Stiftungs-Buchhandlung, im Potsdam-Museum, in der Nikolaikirche.

Von Volker Oelschläger

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