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Müll-Problem lässt Emotionen hochkochen

Potsdam Müll-Problem lässt Emotionen hochkochen

Gärtner der Freundschaftsinsel kommen mit dem Dreck-Wegräumen nicht mehr hinterher. Auch am MAZ-Lesertelefon kochen regelmäßig die Emotionen hoch, wenn es um das Thema Sauberkeit geht. Auf die zahlreichen Klagen reagiert die Stadt nun mit einem Runden Tisch.

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Müllecke in der Charlottenstraße.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Potsdam. Inselgärtner Thoralf Götsch freut sich mittlerweile über jeden verregneten Tag. Dann kann er wenigstens sicher sein, dass am nächsten Tag die Liegewiese auf der Freundschaftsinsel nicht einer mittelgroßen Müllkippe gleicht.

Götsch und seine neun Mitarbeiter kommen kaum mehr hinterher – und es wird immer schlimmer. Das kann der Inselgärtner anhand seiner detaillierten Aufzeichnungen genau nachvollziehen: „In den letzten fünf Jahren hat sich der Müll verdoppelt“, sagt Götsch resigniert. Der Zeitaufwand für die Müllberäumung ist so hoch, dass – statistisch gesehen – ein Mitarbeiter damit voll ausgelastet ist und bei der Pflege des Gartens fehlt. Was dem Inselgärtner besonders Sorgen macht, ist der Mentalitätswandel. Die Leute schleppen zwar immer mehr To-Go-Kaffeebecher, Einweggrills und Pizzas in riesigen Verpackungen an. Doch der Wille, den Müll auch wieder selbst wegzubringen, fehlt zunehmend. Götsch ist sauer: Darüber, dass er seine Fachleute immer öfter als Müllsammler einsetzen muss. „Wir spüren eine Art Missachtung“, sagt er: „Wir wollen die Flächen einladend machen, aber das wird einem nicht gedankt.“

Thoralf Götsch, Gärtner auf der Freundschaftsinsel

Thoralf Götsch, Gärtner auf der Freundschaftsinsel.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Auch am MAZ-Lesertelefon kochen regelmäßig die Emotionen hoch, wenn es um das Thema Sauberkeit geht. Beispiel: Taxifahrer Heinrich Bilowski. Er vermisst Papierkörbe am Rathaus Babelsberg und am Luisenplatz. „Papierkörbe gibt es jetzt nur an den Haltestellen von Bus und Bahn“, moniert er: „Wer durch die Karl-Liebknecht-Straße spaziert, findet keine öffentlichen Papierkörbe mehr.“

Fakt ist: Die Landeshauptstadt hat mancherorts ein Müll-Problem. Am Montag tagte zum ersten Mal der „Runde Tisch Stadtbild“. Anfang November 2016 hatten die Stadtverordneten beschlossen, dass eine Sauberkeitskampagne initiiert werden soll. „Eine Kommunikationskampagne, die nur auf Plakate und Appelle abzielt, reicht nicht aus“, betonte Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) am Montag: „Wir müssen nachhaltige Schritte unternehmen und vorhandene Maßnahmen und Konzepte bündeln. Deshalb wurde aus der Sauberkeitskampagne der Runde Tisch Stadtbild.“ Bei der Auftaktveranstaltung saßen Vertreter der Fraktionen, der Ortsbeiräte, der kommunalen Immobilienholding Pro Potsdam und ihres Tochterunternehmens Gewoba sowie des Potsdamer Verkehrsbetriebs (ViP) mit am Tisch. Die AGs Innenstadt und Babelsberg wollen ebenfalls mitmachen.

Überfüllte Mülltonnen wie hier in der Hegelallee sind in Potsdam keine Seltenheit

Überfüllte Mülltonnen wie hier in der Hegelallee sind in Potsdam keine Seltenheit.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Stadtmarketing-Chefin Sigrid Sommer schilderte die Beschwerden von Bürgern und Touristen: Illegale Sperrmüllablagerungen, überfüllte und zu wenig Mülleimer, verschmutzte Haltestelle, verschmierte Hinweiseschilder, Händlermüll in öffentlichen Abfallbehältern und vieles mehr. Auf der Suche nach Vorbildern sollte man auch ins Ausland schauen, empfahl Sommer: So ist es in Potsdams US-amerikanischer Partnerstadt Sioux Falls zum Beispiel üblich, dass öffentliche Einrichtungen wie das Krankenhaus oder Schulen Pflegepatenschaften für Grünflächen oder Straßenzüge übernehmen.

In Potsdam versucht man ebenfalls, die Probleme in den Griff zu bekommen. Im Rahmen des Papierkorbkonzepts sind mehr als 227 nicht-krähensichere und kleine Mülleimer durch größere Edelstahlbehälter ersetzt. Außerdem ist die Zahl der Hundekottütenspender seit letztem Jahr deutlich aufstockt worden – von 20 auf 126 Stück.

In den nächsten Monaten wird der Runde Tisch Stadtbild in einzelnen Arbeitsgruppen zu verschiedenen Themen tagen. Ein erster Zwischenbericht soll im November vorgelegt werden.

Von Ildiko Röd

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