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14:19 12.03.2018
Villenpark Groß Glienicke: Dieses altes Trafo-Haus soll ein Café und Nahversorger werden. Quelle: Rainer Schüler
Groß Glienicke

In diesem Kiez gibt es keine Brötchen, keine Milch, keine Eier, keine Zeitung zu kaufen - nichts, was das Frühstück zum Frühstück macht. Eigentlich gibt es nur Wald, deshalb heißt das Viertel ja auch Waldsiedlung. Projektentwickler Bernd Wolfgang Steuten ist das zu wenig. Sein Villenpark soll mehr sein als ein Teil der Waldsiedlung, mehr als die moderne Ergänzung zum alten Kasernenstandort, mehr als nur ein Ort zum Wohnen. Es soll mehr Leben ziehen in das Viertel vor den Toren von Berlin, am Rande von Groß Glienicke. Rund 700 Menschen werden im Villenpark mal leben, wenn er Mitte nächsten Jahres fertig ist und voll belegt. Weitere 750 leben und arbeiten in den historischen Kasernenbauten der Waldsiedlung, in Apartments, in einer Senioreneinrichtung, in einem Künstlerhaus. Alleine die Landesbehörden haben rund 550 Arbeitnehmer hier.

Im Villenpark Groß Glienicke will Projektentwickler Bernd Wolfgang Steuten ein altes Trafohaus zu einem Bistro mit Multishop umbauen. Quelle: Bernd Gartenschläger

Doch für sie alle gibt es keine Nahversorgung, weil keiner sie betreiben will. Ursprünglich hatte Steuten die ehemaligen Panzer- und Lkw-Garagen im Süden des Villenparks in ein kleines Gewerbezentrum umbauen wollen. 2011/12 machte er ein Konzept dafür und stellte es dem Ortsbeirat vor. „Zahlreiche unterschiedliche Ladenbetreiber – Feinkost, Gemüse, Friseur, Getränke etc.“ – hätten Interesse gezeigt und Mietabsichten geäußert, sagt er im Rückblick. Doch erst 2016, als das letzte Quartier im Villenpark erschlossen war, widmete er sich der Feinplanung der Ladenzeile und fragte bei den Mietern von vor vier Jahren nach. Zu spät: Kein einziger sagte ihm jetzt noch zu; alle glaubten inzwischen, dass das Käuferpotential in dieser abgelegenen Waldsiedlung nicht ausreicht, um so umfangreiche Flächen für diverse Einkaufsmöglichkeiten einzurichten und wirtschaftlich zu betreiben. Da machte es auch keinen Sinn mehr, Einzelhandel zu beantragten bei der Stadt. Bis zu 1200 Quadratmeter Ladenfläche hätte es geben können. Hätte.

Trotzdem will Steuten Nahversorgung schaffen, er glaubt, das schulde er den Menschen, die seine Grundstücke im Villenpark gekauft und bebaut haben im guten Glauben, es werde Läden geben, eine Schule, eine Kita, doch es gibt nichts dergleichen.

Das alte Trafohaus an der Seeburger Chaussee hat es Steuten angetan. Das verlassene, aber versorgungstechnisch noch immer angeschlossene Gebäude am Westrand der Siedlung möchte er umbauen zu einem Bistro und einem Multishop.

Das aufgegebene Trafo-Haus steht auf einem Gelände, das für eine Erschließungsstraße geplant war, doch die kommt vermutlich nie. Quelle: Rainer Schüler

Der Laden soll auf die Straßenseite zur Seeburger Chaussee kommen und ein Drittel des 105 Quadratmeter großen Bauwerks beanspruchen. Hier ist „Spontanversorgung“ angesagt: Getränke, Café to go, Zeitungen und Zeitschriften, belegte Brötchen und Baguettes, Butter, Eier Mehl. Stehtische laden zum Sofortverzehr und Zeitunglesen ein.

Die Waldsiedlung einst, heute und künftig

Das Militärobjekt wurde in den 1920er Jahren eingerichtet und in der Nazi-Zeit erheblich ausgebaut.

Nach dem Zweiten Weltkrieg nutzte die Rote Armee der Sowjetunion das Areal; dann folgte die Nationale Volksarmee der DDR.

Nach der Wende zogen Künstler in die leerstehenden Hallen ein, die sie als Ateliers nutzten.

1992 übernahm die Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) die Verwaltung des Geländes und verkaufte es an die Gewobag. Die verkaufte es 2010 an die Eucon (Europäische Consulting AG) Berlin, deren Vorstandsvorsitzender Bernd Wolfgang Steuten ist.

Schon 1991 gab es einen ersten städtebaulichen Rahmenplan zur Errichtung von 1700 Wohnungen, größeren gewerblichen Nutzungen (Büros und Handwerk), eines Einkaufszentrums sowie von Freizeit- (u.a. ein Schwimmbad) und Gemeinbedarfseinrichtungen (Schule, Kitas).

Anlass zur Aufstellung des Bebauungsplanes 11a war der Umzug von Bundesbediensteten von Bonn nach Berlin; sie sollten in der neuen Region mit Wohnungen versorgt werden.

1995/96 beschränkte man den Gewerbeteil auf bestehende, denkmalgeschützte Gebäude und reduzierte das Wohnungsbauziel auf 600 Einheiten, in der Feinplanung dann 550.

Außer den Wohngebäuden waren auch mal Flächen für eine Grund- und eine Realschule mit Sportfeld, für eine Kita und Grünanlagen geplant. Die im Haus 5 geplante Schule kam nicht; dort ist seit Ende 2014 ein Flüchtlingsheim mit 200 Plätzen untergebracht, in dem nur 80 Menschen leben, weitab der Stadt.

Eine Kita ist nicht mehr geplant, obwohl laut Steuten die Zahl der schon in der Waldsiedlung lebenden Kinder dies rechtfertigen würde.

Die gesamte Baufläche ist knapp 31 Hektar groß. Sie liegt rund 1,5 Kilometer vom Kern des Potsdamer Ortsteils Groß Glienicke entfernt und direkt an der Grenze zum Berliner Stadtbezirk Spandau.

Das Gelände des früheren Berliner Militärflugplatzes Gatow, wo 1200 Wohnungen entstehen sollen, ist nur durch einen Grünstreifen von der Waldsiedlung getrennt.

Einige Mannschaftsgebäude des Kasernenkomplexes wurden saniert und zu Büros, einem Altenheim und einem Asylbewerberheim umgebaut; auch Künstlergruppen haben sich eingemietet. In der Seniorenresidenz und den Apartments darüber leben etwa 70 Menschen. Acht Gebäude sind denkmalgeschützt, die anderen wurden abgerissen. Das Trafohaus blieb stehen, hat aber keinen Schutzstatus.

Der Bund hat das Gelände 1991 angeblich altlastenfrei von der Bundeswehr übernommen. Dann lag es zehn Jahre ungenutzt brach. Später fand man doch noch Bodenvergiftungen vor allem durch Treib- und Schmierstoffe des Militärs.

Geplant sind 188 Villen, notariell beglaubigt verkauft sind 184. für die restlichen vier Grundstücke gibt es ein Vielfaches an Bewerbern. 142 Villen sind bereits gebaut, für 19 sind die Baustellen eingerichtet. Eucon hat die Grundstücke erschlossen und verkauft an die Bauherren

An der östlichen Seite entsteht das Trafo-Bistro mit 12 bis 14 Sitzplätzen. Die Speisekarte soll frische Besonderheiten bieten, drei bis vier Gerichte nur am Tag. „Ich hab schon einen Koch dafür“, sagt Steuten, „und manchmal koche ich auch selbst.“ Eine kleine Weinauslese soll verlocken zum gemütlichen Beisammensein am Abend, nach Kaffee, Kuchen und einem „Schwatz unter Nachbarn“ am Nachmittag. Eine große Terrasse mit Parkplatz für Kinderwagen wird eine angenehme Erweiterung der Innenplätze hinaus ins Grüne sein. An der nördlichen Seite kann man noch den Rest eines früheren Anbaus sehen, den Steuten braucht als Lager. Das Haus bekommt unter dem ausgebauten Spitzdach eine kleine Toilettenanlage.

Trafohaus am Villenpark Groß Glienicke Quelle: Elena Spelman

Die Pläne sind gemacht, das Haus ist entworfen. Doch der Weg zur Baugenehmigung ist lang. Das kleine Häuschen, unscheinbar, von niemandem beansprucht außer Steuten, steht im gültigen Bebauungsplan (B-Plan) mitten auf einer Planstraße zur Erschließung des Villenparks. Doch diese Straße wird es „nach jetziger Kenntnis der Bauverwaltung“ nicht geben, erklärte Stadtsprecherin Christine Homann der MAZ. Der Villenpark nutzt als Zufahrt nämlich eine ganz andere Straße, die schon das alte Kasernenareal erschloss; die Straße mitten durch das Trafohaus ist also gar nicht nötig. Bekommt Bernd Wolfgang Steuten nun das Haus?

Es ist ein ruhiges Viertel und sicher ein gelungenes Beispiel für Konversion: Der Villenpark Groß Glienicke hat einen Teil des ehemaligen Militärkomplexes „Waldsiedlung“ besetzt, doch bislang gibt es dort keinerlei Versorgungsmöglichkeit. Das soll sich jetzt ändern. Der Investor will ein früheres Trafohöuschen zu einem Laden und einem Bistro umbauen.

Gemach, gemach, man muss für dieses winzige Detail den B-Plan ändern, sagt die Bauverwaltung; man muss ihn nochmal in den Ausschüssen beraten, auslegen zu neuen Stellungnahmen, ein zweites Mal beschließen. Steuten nervt das, aber er wird den Weg beschreiten, ein zweites Mal sogar. Beim ersten Antrag zur Umnutzung des Trafohäuschens erklärte man ihm in der Bauverwaltung, im B-Plan gebe es das Häuschen gar nicht, man könne nichts umnutzen, das es gar nicht gibt. Steuten verstand die Welt nicht mehr. Das „Phantomhaus“ war doch zum Anfassen real. Und wer den B-Plan betrachtet auf der Website der Stadtverwaltung und den Plan groß genug heranzoomt, findet am linken Rand, ganz oben, vor der letzten grünen Ecke, die Planstraße S1, die es nicht gibt: Unter dem „P“ verborgen liegt ein gestricheltes Etwas ohne Namen, ohne Beschreibung, ohne Zweckbestimmung: das „Geisterhaus“!

Trafohaus am Villenpark Groß Glienicke Quelle: Elena Spelman

Von Rainer Schüler

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