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Potsdam Musiker wollen die Rechnerhalle
Lokales Potsdam Musiker wollen die Rechnerhalle
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13:52 30.03.2018
Die Rechnerhalle steht ab Ende des Jahres frei. Rechts hinten das bereits als Kreativhaus genutzte Bürogebäude des Rechenzentrums. Quelle: Bernd Gartenschläger
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Potsdam

Der bislang hinter verschlossenen Türen geführte Szenario-Workshop zur Kreativwirtschaft in der Stadtmitte wird mit öffentlicher Beteiligung fortgesetzt. Wie berichtet, kam die mit Politikern, Fachleuten aus der Verwaltung, Vertretern der Kreativszene und der Stiftung Garnisonkirche besetzte Runde in drei Sitzungsterminen zu der Empfehlung, in der Innenstadt ein neues Kreativzentrum zu errichten.

Im Rechenzentrum wurde am Donnerstag die Idee für ein „Projektbüro Kosmos“ vorgestellt, das die mit dem Workshop eröffnete Debatte weiterführen soll. „Der Prozess ist nicht beendet“, sagte Musiker Christian Näthe, der als Vertreter der Bands am Workshop teilnahm.

Ansprechpartner im Kosmos-Büro sind Joos van den Dool, hauptberuflicher Moderator mit Büro im Rechenzentrum, die Architektin Frauke Röth als Mitglied des Vereins Freundliche Übernahme Rechenzentrum (FÜR), Anja Engel als Kulturmanagerin des Kreativhauses Rechenzentrum, Stefan Pietryga als bildender Künstler mit Atelier im Rechenzentrum, sowie Gregor Bartsch, Filmemacher und Mitglied des FÜR e.V.

Pietryga, der als einer von insgesamt zehn Vertretern der Kultur- und Kreativwirtschaft am Workshop teilgenommen hatte, äußerte sich enttäuscht, dass das Kuratorium der Garnisonkirchenstiftung nicht der Empfehlung des Workshops folgte, einer Nutzung des Rechenzentrums als Kreativhaus bis 2023 zuzustimmen.

Dann soll das neue Zentrum nach aktuellen Plänen bezugsfertig sein. Anliegen der Workshop-Teilnehmer war es, den Nutzern des Rechenzentrums einen nahtlosen Übergang ins neue Domizil zu ermöglichen.

Laut Pietryga wurde die Abschlussempfehlung im Konsens verabschiedet, also auch mit den Stimmen der Garnisonkirch-Vertreter. Aktuell sind die Verträge für das Rechenzentrum bis zum August 2018 befristet. Das Kuratorium beschloss kurz nach dem Workshop eine Verlängerung um lediglich „ein bis zwei Jahre“.

Eine Präzisierung ist bisher nicht erfolgt. Andreas von Essen als Geschäftsführer der Stiftung SPI in Potsdam, die den Betrieb der Rechenzentrums koordiniert, konnte am Donnerstag auf MAZ-Anfrage weder sagen, wann der Vertrag verlängert werden soll, noch um welche Frist es geht.

Die Nutzer des Rechenzentrums brauchten Planungssicherheit, sagte Filmemacherin Kristina Tschesch, die für die Kulturlobby am Workshop teilgenommen hatte. Flankiert wurde der Workshop von zehn unabhängigen Planungsrunden der Kreativen im Rechenzentrum, in denen sich die Szene zugleich neu organisierte: „Diese wilde Gang von 10 000 Spatzen musst du erst mal an einen Tisch bringen“, sagte Näthe.

Das Projektbüro Kosmos soll künftig den organisatorische Kern bilden. Erstes Vorhaben ist eine Bedarfsabfrage unter den Potsdamer Kreativen zu Arbeitsmöglichkeiten. In wenigen Tagen soll im Eingang des Rechenzentrums ein Modell des Karrees vom Kutschstall bis zur Dortustraße stehen, in dem das neue Kreativzentrum errichtet werden soll. Auch das Rechenzentrum selbst bleibt laut Bartsch eine langfristige Option. Das bislang nicht öffentliche Kompromisspapier des Szenario-Workshops lasse diese Auslegung zu.

Bartsch regte am Donnerstag an, auch die benachbarte Rechnerhalle nachdem Auszug des Landesbetriebs für Datenverarbeitung zum Jahresende wenigstens zeitweise für die Kreativen zu öffnen. Mit ihren massiven Wänden sei sie bestens als Band-Probenzentrum geeignet.

Der jüngste Musiker-Exodus findet am kommenden Dienstag seinen Abschluss. Dann ist laut Christian Näthe auch für die letzten Bands Termin für die Schlüsselübergabe in den Thiede-Werkstätten an der Babelsberger Ahornstraße, die nach drei Jahren nicht mehr für Musiker zur Verfügung steht.

Freundliche Übernahme Rechenzentrum

Ein Jahr nach seine Gründung hat der von Künstlern gegründete Verein Freundliche Übernahme Rechenzentrum (FÜR) den Vorstand gewechselt. Neu hineingewählt wurden vor wenigen Tagen zur Mitgliederversammlung anlässlich des einjährigen Bestehens der Architekt Michael Rosin und Kathrin Kiefer, Geschäftsführerin der Software-Firma „Da Vinci Communications“, geblieben sind der Musiker Robert Bernier und die Grafikdesignerin Jeannette Jacob. Alle vier gehören zu den rund 250 Nutzern des Kunst- und Kreativhauses im Rechenzentrum.

Der Verein FÜR wurde 2017 von rund 20 Nutzern des Kunst- und Kreativhauses im alten Rechenzentrum gegründet. Mittlerweile hat er rund 160 Mitglieder, von denen etwa die Hälfte im Rechenzentrum arbeitet. Zu den Vereinszielen gehören der Erhalt des Rechenzentrums als Ort für Kunst, Kultur und Kreativwirtschaft sowie die Stärkung des Kreativstandortes Potsdam.

Das 2015 für Künstler geöffnete Bürogebäude des benachbarten eigentlichen Rechenzentrums ist bisher bis August 2018 als Kreativstandort gesichert. Die Stiftung Garnisonkirche, die das Gebäude für den Neubau des Kirchenschiffs abreißen will, hat aktuell eine Vertragsverlängerung um ein bis zwei Jahre zugesagt. Verhandelt wird um eine Verlängerung bis 2023, dann soll ein neues Kreativzentrum in der Innenstadt eröffnet sein.

Von Volker Oelschläger

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