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Musikerprotest in Potsdam

Streit um Proberäume Musikerprotest in Potsdam

Musiker protestierten am Sonntag in Potsdam unter dem Motto „Muggeschön – Musik zurück in die Stadtmitte“ gegen den drohenden Verlust von Proberäumen. Nach Angaben von Teilnehmern müssen mehr als 30 Bands und Einzelmusiker ein seit drei Jahren genutztes Haus in Babelsberg verlassen, Grund seien Kündigungen und drastische Mieterhöhungen.

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Musikerprotest am Sonntag in der Potsdamer Innenstadt.

Quelle: Friedrich Bungert

Potsdam/Babelsberg. Erstmals nach gut drei Jahren ziehen Musiker wieder protestierend durch die Landeshauptstadt. 50 von ihnen trafen sich am Sonntag vor der abgerissenen alten Feuerwache in der Werner-Seelenbinder-Straße, um auf einen drohenden Künstler-Exodus in Babelsberg aufmerksam zu machen. Christian Näthe, Frontmann der legendären Band Hasenscheiße, war einer von ihnen. Nach seinen Angaben wird das Zentrum in einem Gebäudekomplex in der Babelsberger Ahornstraße aktuell von rund 30 Bands und einzelnen Musikern genutzt.

Den meisten seien Kündigungen oder Schreiben über eine Verdoppelung der Miete zum Jahreswechsel zugegangen. Der Landeshauptstadt drohe mangels Raumalternativen ein „Bandsterben“: Es könne nicht sein, dass das Musizieren in einer Band in Potsdam zu einem exklusiven Hobby für Besserverdienende werde, sagte er am Sonntag zu den Versammelten. Die Sache sei ziemlich „aussichtslos“.

Eröffnet wurden die Proben- und Atelierräume in damals leerstehenden Räumen 2014 als Alternative für Musiker, die sanierungsbedingt ihre Probenräume in der Alten Brauerei am Brauhausberg räumen mussten, sowie für Künstler, deren Domizil im Kunsthaus 17 an der Heinrich-Mann-Allee zur selben Zeit geschlossen wurde. Gefährdet waren seinerzeit auch das Kunsthaus „Sans titre“ und das Atelierhaus „Scholle 51“. Komplettiert wurden die Alarmmeldungen aus dem Kulturbereich durch das drohende Aus der Fete de la Musique.

Der mehrfach mit klingenden Kundgebungen auf die Straße getragene Protest der Musiker hatte rasch eine politische Dimension bekommen. Mit dem symbolischen Zapfenstreich zum Auszug aus der Alten Brauerei im April 2014 wurden Pläne für ein Szenenetzwerk namens Kulturlobby bekannt gegeben, das sich schließlich zwei Monate später offiziell gründete. Die Kulturlobby war eine der wichtigsten Organisationen bei der Errichtung des Kunst- und Kreativzentrums im alten Rechenzentrum, das von Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) Anfang 2015 zunächst für eine Übergangszeit von drei Jahren als Arbeitsort für Kreative geöffnet worden war.

Anja Engel, die im Auftrag der Stiftung Sozialpädagogisches Institut (SPI) als Projektleiterin für das Rechenzentrum tätig ist, sollte es schon bald als Ironie bezeichnen, dass sich das Haus rasch bis auf den letzten Raum mit Nutzern füllte – aktuell sind es mehr als 200. Nur für Musiker fand sich dort keine Lösung. Anja Engel ist Sängerin der Band Fosbury Flop, die die Ahornstraße zum Jahreswechsel ebenso räumen wird wie Christian Näthes Hasenscheiße. Auch die „Fossies“ haben noch keine Alternative für sich gefunden.

Im Kampf gegen die Räumung der Alten Brauerei zogen die Musiker mit ihren Instrumenten vor drei Jahren in die Brandenburger Straße, vor den alten Landtag und schließlich vor das alte Rechenzentrum. Dass sie sich dieses Mal vor der Baulücke der abgerissenen alten Feuerwache trafen, war laut Näthe als Fingerzeig gedacht.

Das Grundstück der alten Feuerwache und der wieder aufgebaute Lange Stall sind zwei Orte, die in einem sogenannten Szenarioworkshop als Alternative für die Nutzer des alten Rechenzentrums und andere Kreative diskutiert werden sollen. Wie berichtet, dringen Stadt und Stiftung Garnisonkirche darauf, dass die Kreativen dass Rechenzentrum spätestens 2023 räumen. Mit den Musikern hat nun eine weitere Gruppe von Künstlern akuten Raumbedarf – vorzugsweise in der Innenstadt – bekräftigt.

Von Volker Oelschläger

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