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Muslimische Gebete in der Französischen Kirche

„Nathan der Weise“ vom Poetenpack Muslimische Gebete in der Französischen Kirche

Das Theater Poetenpack inszeniert gemeinsam mit Flüchtlingskindern Gotthold Ephraim Lessings Toleranzdrama „Nathan der Weise“. Zum 330. Jahrestag des „Edikts von Potsdam“ feiert das Stück in der Französischen Kirche in Potsdam Premiere. Bereits für die Proben war echte Toleranz nötig, weil ein muslimisches Gebet zur Inszenierung gehört.

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Andreas Hueck inszeniert „Nathan der Weise“ mit Flüchtlingskindern.

Quelle: Peter Degener

Potsdam. Die Französische Kirche am Potsdamer Bassinplatz ist kein typisches Gotteshaus. Sie wurde nach dem Vorbild des Pantheon in Rom errichtet, der allen Göttern geweiht war. Das Potsdamer Pendant des römischen Tempels diente zudem französischen Religionsflüchtlingen. Der Regisseur Andreas Hueck nennt die Kirche ein „Mehrgotteshaus“. Derzeit probt Hueck mit dem Theater Poetenpack dort Lessings „Nathan der Weise“, ein Stück, das die Idee der religiösen Toleranz propagiert und seit Jahrzehnten an deutschen Schulen gelehrt wird. Angesichts der Flüchtlingswelle „brennt uns das Stück wieder unter den Nägeln“, sagt Hueck.

Premiere ist am 330. Jahrestag des „Edikts von Potsdam“

Der Termin für die Premiere am 29. Oktober wurde mit Bedacht gewählt. An diesem Tag jährt sich das „Edikt von Potsdam“ von 1685 zum 330. Mal – mit dieser im Potsdamer Stadtschloss unterzeichneten Urkunde lud der Große Kurfürst Religionsflüchtlinge nach Preußen ein. Der Verein „Neues Potsdamer Toleranzedikt“ hat das Poetenpack bei der Suche nach Spendern und Fördermitteln unterstützt. Über 100 Spender aus Potsdam, sowie öffentliche Fördermittel haben das Projekt überhaupt erst möglich gemacht.

Das Theater Poetenpack inszeniert  gemeinsam mit Flüchtlingskindern Lessings Toleranzdrama „Nathan der Weise“

Das Theater Poetenpack inszeniert gemeinsam mit Flüchtlingskindern Lessings Toleranzdrama „Nathan der Weise“.

Quelle: Peter Degener

Weil auch neun Flüchtlingskinder verschiedener Religionen aus einer Willkommensklasse der Leonardo-da-Vinci-Gesamtschule an der Inszenierung mitwirken, sind bereits die Theaterproben zu einer ersten Prüfung in Toleranz geworden. Rituale aus drei Religionen finden im Rahmen des Stücks in der Kirche statt. Neben dem muslimischen Morgengebet werden eine katholische Kommunion, sowie eine jüdische Hochzeit und Beerdigung auf der Bühne zelebriert.

Gebete in Kirchen sind Muslimen verboten

 

Gebete in christlichen Kirchen sind Muslimen aber verboten, wie der Regisseur bei der ersten Probe feststellte. So wurden die Eltern über den Charakter der Französischen Kirche aufgeklärt und festgestellt, dass das Gebet nicht praktiziert, sondern gespielt wird. „Wenn in einer christlich konnotierten Kirche ein solches Gebet stattfindet und die Eltern der Kinder das akzeptiert haben und mit ansehen werden, ist das ein praktiziertes Miteinander“, sagt Hueck.

Aufführungen von „Nathan der Weise“ in Potsdam

Das Drama „Nathan der Weise“ von 1779 ist das letzte Werk des deutschen Dichters Gotthold Ephraim Lessing (1729-1781). Insbesondere die „Ringparabel“ und die darin ausgedrückte Idee der religiösen Toleranz haben das Stück berühmt gemacht.

Insgesamt 13 Aufführungen der Inszenierung des Theater Poetenpack finden vom 29. Oktober bis zum 28. November in der Französischen Kirche in Potsdam statt. Karten für 18 Euro (ermäßigt 14 Euro) sind an den üblichen Vorverkaufsstellen, sowie im Theaterbüro in der Lennéstraße 37 (Dienstag bis Donnerstag von 10 bis 16 Uhr) und unter 0331/9791291 erhältlich.

Für Schulklassen sind fünf Vormittags-Aufführungen vorgesehen. Für diese Vorstellungen am 17. und 18. November, sowie vom 23. bis zum 25. November jeweils um 10 Uhr sind noch Karten erhältlich. Der Schülerpreis beträgt drei Euro.

Das wäre ganz im Sinne der Ringparabel im Kern des Stückes: Die Ringe, die ein König seinen drei Söhnen vererbt, stehen für verschiedene Religionen der Brüder. Keiner von ihnen weiß, welches die „wahre“ Religion ist. Das Wichtigste ist für Hueck die Weitergabe der Toleranzidee an die nächste Generation, „das ist der entscheidende Moment.“

Von Peter Degener

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