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Potsdam Mutmaßlicher Goldräuber vor Gericht
Lokales Potsdam Mutmaßlicher Goldräuber vor Gericht
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18:38 06.09.2016
Karol J. (M.) mit Übersetzer und Verteidiger.  Quelle: Foto: Julian Stähle
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Potsdam

 Die Kapuzenjacke tief in die Stirn gezogen, betritt er am 28.April um 15.10 Uhr die Juwelierfiliale Pandora in der belebten Brandenburger Straße. In der Fußgängerzone flanieren Touristen. Der Unbekannte tritt an die Theke, hält der Verkäuferin eine täuschend echt aussehende Softairpistole „Heavy Weight“ (Schwergewicht) vors Gesicht und fordert sie mit starkem polnischen Akzent auf: „Frau, du kommst mit aufschließen!“ Doch an der Glasvitrine wartet der Räuber nicht, bis die Verkäuferin den Schlüssel ins Schloss steckt. Er zertrümmert mit einem Gummihammer die Scheibe und stopft Goldschmuck im Wert von 40 000 Euro in eine Sporttasche von Puma.

An der Zapfsäule klickten die Handschellen

Der mutmaßliche Juwelendieb kam nur bis Werder. Beim Tanken seines Fluchtwagens, eines polnischen Mitautos, das er in einer Seitenstraße geparkt hatte, klicken die Handschellen. Seitdem heutigen Dienstag muss sich der 27-Jährige vor dem Potsdamer Landgericht wegen schweren Raubs verantworten.

Karol J. braucht die Hilfe eines Übersetzers. Der unverheiratete Pole lebt in Krakau und spricht kaum Deutsch. Abgesehen von dem Satz in Richtung der Verkäuferin soll nichts gesprochen worden sein. Seit gut vier Monaten sitzt J. in Untersuchungshaft. Er hat den Überfall bereits schriftlich gestanden. Vor Gericht aussagen will er erst heute, am zweiten Verhandlungstag. Dass er sich gerne persönlich bei der Verkäuferin entschuldigen würde, lässt er seinen Anwalt erklären, doch die Geschädigte befindet sich zur Zeit im Urlaub; das Gericht will auf ihre Befragung verzichten. „Wir müssen Opfer mit Fingerspitzengefühl behandeln“, erklärt der Vorsitzende Richter Andreas Dielitz. Aber die zweite Verkäuferin, die zur Tatzeit im Laden war, wird am Mittwoch als Zeugin gehört. Auch Polizisten sind geladen.

Nach MAZ-Informationen soll Karol J. die kleine Filiale in der Innenstadt vorher ausspioniert haben und mehrmals im Laden gewesen sein. Eine der Verkäuferinnen soll ihn wiedererkannt haben. Richtig ausgeklügelt war der Plan des 27-Jährigen aber nicht: Ein Zeuge beobachtet, wie der Goldräuber Richtung Dortustraße rennt und dort in den bereitgestellten – aber nicht vollgetankten – Opel Insignia springt und davonbrettert. Der Zeuge notiert das Kennzeichen, schießt ein Bild mit seiner Handykamera und informiert sofort die Polizei. Die nimmt die Verfolgung über die B 1 auf. An der Aral-Tankstelle in Werder wird Karol J. festgenommen. Er steht gerade an der Zapfsäule als die Beamten anrasen. Im Kofferraum finden die Ermittler den Schmuck und das Schusswaffen-Replikat.

Das Urteil soll kommende Woche fallen

Schon am morgigen Mittwoch könnten die Plädoyers gehalten werden. Das Urteil soll kommenden Dienstag fallen. Karol J. droht eine Haftstrafe von mindestens drei Jahren. Reue und Geständnis können sich strafmildernd auswirken. Hinweise auf Komplizen gibt es nicht.

Überfälle auf Juweliere in Potsdam

Der Überfall in der Brandenburger Straße vom April war nicht der einzige in jüngster Zeit in Potsdam. In diesem Jahr schlugen mehrfach Schmuckdiebe in der Landeshauptstadt zu.

In Babelsberg überfielen am 9. Januar zur besten Einkaufszeit am Samstag zwei Maskierte die Filiale des Juweliers Goldmann in der Rudolf-Breitscheid-Straße. Mehrere Zeugen beobachteten den Überfall und die Flucht. Obwohl bereits kurz darauf das mutmaßliche Fluchtfahrzeug gefunden worden war, wurden die Ermittlungen im Mai eingestellt, weil das Mietauto keinem Fahrer zugeordnet werden konnte.

Im Stern-Center schlugen in der Nacht zum 27. August Diebe zu. Die Unbekannten hatten sich im benachbarten Spielemax einschließen lassen, gelangten von dort durch die Wand in den Juwelierladen Neumann und erbeuteten Schmuck im Wert von mehreren Zehntausend Euro.

Von Marion Kaufmann

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