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Potsdam Nach 70 Jahren Ehe: Verliebt wie am ersten Tag
Lokales Potsdam Nach 70 Jahren Ehe: Verliebt wie am ersten Tag
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07:12 18.10.2017
Inge und Harry Kuhnt – beide pensionierte Lehrer, beide 91 Jahre alt – feiern heute ihre Gnadenhochzeit. Quelle: Bernd Gartenschläger
Waldstadt

Sie spielte Akkordeon. Das fand Harry Kuhnt ganz besonders reizend an der jungen Nowaweser Dame, die im Chor vor ihm stand. „Ich der Tenor, sie der Sopran – so habe ich meine Inge 1942 kennengelernt“, erzählt Harry Kuhnt. Süße 16 Jahre waren die beiden damals. Als er seiner Inge „die kleine Quetschkommode“ endlich einmal nach Hause tragen durfte, war’s um den Jungen, der aus Schlesien der Lehre halber zur Patentante nach Babelsberg gezogen war, längst geschehen. Heute feiern Harry und Inge Kuhnt ihren 70. Hochzeitstag. „Wir lieben uns wie am ersten Tag“, sagt Harry Kuhnt: „Wir sind das perfekte Paar.“

91 Jahre sind Harry und Inge Kuhnt alt. Sie haben beide als Lehrer in Potsdam gearbeitet und sind in den Sommerferien kreuz und quer durch die DDR und Osteuropa gereist: zuerst mit Fahrrad und Rucksack, dann mit Trabant und Zelt, später mit einem zum Campen umgebauten Wartburg, manchmal mit dem Wandercanadier. Nach dem Mauerfall holen sie den Rest des Kontinents nach. Sie haben einen Sohn großgezogen und freuen sich über drei Enkelkinder und eine Urenkelin. Im Wohnblock in der Waldstadt I, den sie vor 54 Jahren bezogen haben, als es wegen Inges Gesundheit im feuchten Babelsberger Altbau nicht mehr ging, sind sie die Hausältesten. Sie sorgen noch immer für sich allein.

Dass sie es gemeinsam soweit geschafft haben, ist ein kleines Wunder. Das liegt nicht nur daran, dass die Gnadenhochzeit nur den allerwenigsten Paaren vergönnt ist. Es liegt viel mehr an dem schweren Start, den ihre Liebe hatte: Der Krieg reißt das junge Glück schon 1943 entzwei. Harry Kuhnt wird eingezogen. Inge muss zum Kriegshilfsdienst jenseits der Oder. Im Dezember ’43 treffen sich die beiden noch einmal auf einen Theaterbesuch und amüsieren sich prächtig bei „Pension Schöller“ – es sollen die letzten gemeinsamen Stunden für lange Zeit bleiben. Harry Kuhnt zieht mit seiner Einheit nach Westen, nach Frankreich und Belgien. Am 3. September 1944 gerät er dort in amerikanische Kriegsgefangenschaft und wird über England in die USA verschifft. Er pflückt Baumwolle in Texas und knüpft Tarnnetze in Tennessee – dort erlebt er das Kriegsende am 8. Mai 1945. Es ist sein 19. Geburtstag.

In geborgter Hochzeitsgarderobe gaben sich Inge und Harry Kuhnt am 18. Oktober 1947 in Babelsberg das Ja-Wort Quelle: Bernd Gartenschläger

Egal, wie groß der Ozean ist, der zwischen ihnen liegt, „das Fräulein Inge“ geht Harry Kuhnt nicht aus dem Kopf und nicht aus dem Herzen. Regelmäßig schreibt er der Freundin Briefe. Und obwohl er keine Antwort auf seien Zeilen bekommt, steht für ihn doch fest, dass Inge einmal seine Frau werden soll. „Sogar in Paris, als alle in die Bordelle gingen, bin ich anständig geblieben“, sagt Harry Kuhnt und erhebt den Zeigefinger: „Ich hatte Möglichkeiten. Aber für mich war’s immer nur Inge, für mich war’s immer fest. Ich schwöre!“

Im Sommer 1946 ist es soweit: Harry Kuhnt kommt zurück in die Heimat. Zwei Wochen muss er noch im Quarantänelager in Brandenburg an der Havel aushalten. Dann endlich öffnet sich das Tor zur Freiheit. Davor stehen die Patentante, der Onkel und – Inge. Sie ist da, doch sie zögert. Er ist ihr fremd geworden, das gibt sie zu. Es folgt ein mächtiger Liebeskummer, doch Harry Kuhnt lässt nicht locker und erobert Inge zurück. Im Mai 1947 verloben sie sich.

Die Hochzeit am 18. Oktober ist ein bescheidenes Fest: Im Rathaus Babelsberg treten Braut und Bräutigam vor den Standesbeamten und noch am gleichen Tag vor den Pfarrer in der Friedrichskirche. Inge hat sich Kleid und Schleier von der Pfarrersfrau geborgt, Harry trägt eine vom Nachbarn gepumpte Hose, ein geliehenes Jackett, eine geliehene Fliege und einen Zylinder, der so groß ist, dass er ihm über die Ohren rutscht. „Nur das weiße Hemd gehörte mir. Aber es hatte auch schon Macken“, sagt Harry Kuhnt. „Was viel schlimmer war: Es war kalt – saukalt – und regnerisch an unserem Hochzeitstag. Meine Frau hat in der Kirche so gebibbert, dass ihr der Brautstrauß zerbröselt ist.“ Nach der Trauung lesen sie die feinen Nadeln des Zierspargels vom Kirchenboden auf. Dann wird daheim bei Inges Eltern in der engen Zwei-Zimmer-Wohnung gefeiert. „Jeder Gast hat ein bisschen Mehl und ein bisschen Zucker spendiert, so dass wir am Ende zwei Stück Kuchen für jeden hatten“, sagt Inge Kuhnt. „Dazu gab’s ein paar Löffel Kartoffelsalat.“ Angestoßen wird damals mit Alkolat – ein künstliches Gesöff, von dem man eine Flasche über den Bezugsschein ergattern konnte.

Heute wird im „Keiler“ gefeiert – mit allem Drum und Dran, vor allem aber mit der Familie, mit Freunden und ehemaligen Kollegen. „Ein vertrautes Umfeld – das ist das Wichtigste im Leben“, sagt Harry Kuhnt und drückt seiner Frau einen Küsschen auf die Wange.

Ein seltener Jubeltag

Die Gnadenhochzeit wird selten gefeiert. In Potsdam erreichen dieses besondere Ehe-Jubiläum im Jahr 2017 ganze drei Paare. Im Jahr 2016 und im Jahr 2015 gab es in Potsdam kein einziges Gnaden-Paar, 2014 war in der Landeshauptstadt eine Gnadenhochzeit zu verzeichnen. nf

Von Nadine Fabian

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