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Nach Orgelmusik und Predigt brach die Kontroverse los

Debatte nach Gottesdienst Nach Orgelmusik und Predigt brach die Kontroverse los

Wie oft kommt es wohl vor, dass sich nach der Sonntagspredigt und den Orgelklängen im Kirchenschiff eine Diskussionsrunde bildet – um energisch über die Worte des prominenten Gastredners zu diskutieren? Auf der Tagung zum „Projekt Garnisonkirche“ gab die Initiative „Christen brauchen keine Garnisonkirche“ eine markige Stoßrichtung vor.

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Ein Gottesdienst im Januar 2007 in der Französischen Kirche wurde damals vom ZDF übertragen.

Quelle: Christel Köster

Potsdam. Das gibt es nicht oft, dass sich nach der Orgelmusik zum Ausklang eines Gottesdienstes im Kirchenschiff aufgebracht eine Diskussionsrunde bildet und kontrovers die Predigt diskutiert. So geschehen am Sonntag in der Französischen Kirche Potsdam.

Der wunderschöne Rundbau, den der Architekt Knobelsdorff 1752 den hugenottischen Glaubensflüchtlingen errichtete, war mit etwa 130 Besuchern besser besucht als an anderen Sonntagen. Pastorin Hildegard Rugen­stein begrüßte neben der Kerngemeinde und einer trauernden Familie auch die Teilnehmer einer zweitägigen Tagung über „Das Projekt Garnisonkirche“. „Welche Zeichen will die evangelische Kirche hier setzen?“ steht über dem Programm der Martin-Niemöller-Stiftung. Als Mitveranstalter zeichnet die Initiative „Christen brauchen keine Garnisonkirche“, womit die Stoßrichtung klar war.

Einige Besucher waren auch gekommen, um den Prediger zu erleben. Christoph Dieckmann schreibt sonst Essays für „Die Zeit“ und publizierte schon viele Bücher. Man kennt ihn als Experten für Phänomene der DDR-Kultur und des DDR-Fußballs. Dass er 1956 in Rathenow als Pfarrerssohn auf die Welt kam und von 1975 bis 1981 in der DDR Theologie studiert hat, geriet in den vergangenen 25 Jahren in Vergessenheit.

Dreimal hatte sich die Gemeinde schon von den Plätzen erhoben und wieder gesetzt (die Lieder werden in der Reformierten Kirche im Stehen gesungen), als Dieckmann an das ebenerdige Rednerpult trat. Er legte die biblische Geschichte vom „Turmbau zu Babel“ aus, die zuvor verlesen worden war.

Dieckmann schlug einen großen Bogen. Von dem bösen, zornigen Gott der Sintflut bis zur Zeit der gotischen Großbauwerke war es nur ein Katzensprung. Der Kölner Dom wurde bekanntlich erst 1880 im Zeichen des preußischen Staatsprotestantismus vollendet. Dann streifte er den „Tag von Potsdam“ und den Weltraumflug von Juri Gagarin, um im Hier und Heute anzulangen. Dieckmann bekannte, dass er gegen den Wiederaufbau der Dresdner Frauenkirche gewesen sei, die Replik ihn aber dann überzeugt habe. Einen Vergleich zur Potsdamer Garnisonkirche ließ er jedoch nicht gelten. Und so gerieten sich nach der eindrucksvollen Orgel-Improvisation von Christoph Förste, der im Hauptberuf als Wissenschaftler am Geoforschungszentrum Potsdam arbeitet, Befürworter und Gegner in die Haare.

Von Karim Saab

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