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Nach Wasserschaden ins 4-Sterne-Hotel

Wohnen in der Potsdamer Innenstadt Nach Wasserschaden ins 4-Sterne-Hotel

Das Ehepaar N. staunte nicht schlecht, als ihnen im November die Mieterin unter ihnen einen Wasserschaden attestierte. Der Verursacher, ein undichter Toilettenzulauf, war schnell gefunden und getauscht, doch über Jahre hatten sich Wände und Fußboden des Altbaus voller Wasser gesogen, eine Komplettsanierung ist fällig. Über deren Ab- und Verlauf gibt es Streit.

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Unbenutzbares Bad: Die Schüttung ist zu einem Drittel entfernt, die Wände bloß und schimmelig, WC und Wanne fehlen.

Quelle: Privat

Innenstadt. Sieben Wochen im Sommer im Vier-Sterne-Hotel in der Potsdamer Innenstadt, und keinen Cent dafür bezahlen – das klingt nach einem Traum. Dass es auch ein Alptraum sein kann, erlebt Marina N. (voller Name der Redaktion bekannt) mit ihrem Mann dieser Tage. „Wir kriechen auf dem Zahnfleisch“, sagen sie .

Wasser aus der Lampe

Es begann ganz harmlos: Am 12. November letzten Jahres klopfte die Mieterin, die unter ihnen wohnte, bei den N.’s und fragte, ob sie einen Wasserschaden hätten: Es tropfe bei ihr aus der Lampe. Doch im Bad, das genau darüber lag, war nichts zu finden. Also meldeten sie das Problem ihrem Vermieter, der Gewoba, einer Tochter der städtischen Immobilienholding Pro Potsdam. Die sandte am 13. November einen Handwerker, der die Ursache schnell identifizierte: Der Zulauf der Toilette, unter Putz gelegen, war offenbar seit Jahren undicht. Die N.’s beschlich ein böser Verdacht, den eine Messung bald darauf bestätigte: Für den Raum wurden sehr hohe Feuchtigkeitswerte gemessen. Eine Probeöffnung von Wänden und Böden zeigte, dass sich die Wände und – schlimmer noch – im Fußboden des denkmalgeschützten Hauses in der Jägerstraße sich eine etwa zehn Zentimeter hohe Lehmschüttung über die Jahre komplett vollgesogen hatten. Die Schüttung speiste auch das Rinnsal in der Wohnung darunter. Da sie viel Wasser speicherte, hörte das Tropfen aus der Decke mit dem neuen Verschluss am Toilettenzulauf nicht sofort auf.

Umzug ins Hotel

Vor Weihnachten wollten die N.’s keine Reparaturen mehr, heißt es von der Pro-Potsdam-Pressestelle auf Nachfrage, und auch im Winter gab es stets Vorbehalte gegen die Gewoba-Vorschläge, so das Unternehmen. Marina N. sagt indes, da das aufgerissene Bad nicht mehr nutzbar war – die Wand hinter der Toilette wurde entfernt, das Füllmaterial und rund ein Drittel der Lehmverschüttung –, habe die Gewoba eine Ersatzwohnung in der Nannsenstraße angeboten. „Das war ein richtiges Loch, dort konnten wir nicht mal richtig duschen“, so N. Auch habe ihr Mann wegen Rückenproblemen auf der Matratze nicht schlafen können, weshalb das Paar schließlich auf Kosten der Hausratversicherung ins Voltaire-Hotel zog. Pro-Potsdam-Sprecherin Jessica Beulshausen versicherte, die Wohnung in der Nannsenstraße sei sanierter Altbau mit einer modernen Dusche, das Unternehmen habe eine Sonderreinigung und den Austausch der Matratze angeboten.

„Bekleidungstourismus“, Gutachten und eine Portion Skepsis

Marina N. betreibt derweil etwas, das sie „Bekleidungstourismus“ nennt: Sie geht in die Jägerstraße, um Wäsche zu holen, die Blumen zu gießen, die Post abzuholen, durchzulüften und Staub zu saugen. Sie fürchtet, die Versicherung zahle das hochwertige Hotel nicht mehr lange und beklagt vor allem, dass sie nach wie vor keinen Ablaufplan habe, wann nun was in der Wohnung passiere. Daran seien die Mieter nicht ganz unschuldig, entgegnet die Pro Potsdam indirekt. Verschiedene Rechtsanwälte hätten es unmöglich gemacht, dass Gutachter oder Pro-Potsdam-Vertreter in die Wohnung gelangten. Das sei erst seit Juni möglich.

Service

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Marina N. indes sagt, sie habe keine Ahnung, woran es hänge, sie hätte nichts lieber als einen verbindlichen Zeitplan zur Sanierung. Nach einem Besuch von Holzgutachter, einem Zimmermann sowie einem Statiker könne die Sanierung beginnen und dann auch zügig beendet werden, sagt die Pro Potsdam. Bis dahin zahle sowohl die Versicherung das Hotel, zudem würden den N.’s in dieser Zeit die Miete komplett erlassen und bei Wunsch erneut eine Ersatzwohnung zur Verfügung gestellt bekommen.

Marina N. bleibt skeptisch. Sie habe über ihren Anwalt diverse Fristen setzen lassen, wann ihr ein verbindlicher Ablaufplan zugehe, doch diese Termine seien stets ohne Rückmeldung verstrichen. Von Bekannten, die ebenfalls Gewoba-Mieter sind, will sie erfahren haben, dass das Unternehmen „gern Mieter bei Sanierungen zu Lasten der Hausratversicherung in Hotels ausquartiert“. Deshalb würde der Abschluss einer solchen auch Mietern nachdrücklich empfohlen.

Von Jan Bosschaart

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