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Potsdam Nach der Giftspritze kommt der Sauger
Lokales Potsdam Nach der Giftspritze kommt der Sauger
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12:10 04.06.2013
Er krabbelt wieder - der Eichenprozessionsspinner. Lange wurde er aus der Luft bekämpft, nun rücken die Sauger an. Quelle: Peter Geisler
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Potsdam

Von Nadine Fabian

Ja – er lebt noch. Trotz der großflächigen Gift-Attacke aus der Luft und vom Boden aus krabbelt der Eichenprozessionsspinner weiter und weiter. Die Landeshauptstadt fährt im Einsatz gegen den Falter und seine ätzenden Raupen nun ein weiteres Geschütz auf: In den nächsten Wochen werden die Nester des Eichenprozessionsspinners von den Bäumen abgesaugt.

„Der Einsatz dient zum Schutz des Waldes und von uns Menschen vor den allergieerregenden Nesselhaaren des Eichenprozessionsspinners“, sagt Elona Müller-Preinesberger, die für die Bereiche Umwelt und Gesundheit zuständige Dezernentin. „Wir hoffen, dass die Maßnahmen erfolgreich sind und die Beschwerden durch die Härchen der Raupe nicht weiter ansteigen.“

Durch die Einsätze mit dem Insektizid Dipel ES kam es laut Stadt teilweise zu Einschränkungen, so wurden Spielplätze und öffentliche Flächen gesperrt. Offenbar haben sich aber nicht alle Anwender an die Bestimmungen gehalten. Wolfgang Herr aus der Gaußstraße im Wohngebiet Am Stern hat zum Beispiel beobachtet, wie am 23. Mai eine Gebläsekanone durch den Hinterhof der Wohnanlage fuhr. „Die Genossenschaft hat den Einsatz weder angekündigt noch das betroffene Areal absperren lassen“, sagt Herr. „Die Kanone schoss das Insektizid bis in die Kronen der Bäume und kam auch dem Kinderspielplatz mit seiner Sandkuhle und dem Klettergerüst unangenehm nahe. Wir wurden hier ganz schön eingenebelt“, sagt Herr. „Und wir finden es überhaupt nicht in Ordnung, dass wir nicht vorgewarnt wurden.“

Der 77-Jährige hat den Vorfall dem Ordnungsamt, dem Oberbürgermeister und dem Naturschutzbund angezeigt. „Ich erwarte, dass die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden“, so Herr. Immerhin müsse das von Dipel ES betroffene Areal gekennzeichnet und für sechs bis acht Stunden gesperrt werden.

Der ehemalige Lehrer macht sich aber nicht nur Sorgen um die Gesundheit der Hausgemeinschaft. Er fürchtet auch, dass Insekten wie der seltene Schwalbenschwanz oder Singvögel Schaden nehmen. Gerade hat sich eine Blaumeisenfamilie auf seinem Balkon eingerichtet. „Die Würmchen, mit denen die Alten ihre Küken füttern, sammeln sie in den Bäumen, die mit dem Gift bespritzt wurden“, sagt Herr.

Die Stadt bestätigte gestern den Eingang der Beschwerde, die nun weiter bearbeitet werde. „Wenn im nächsten Jahr vorsichtiger mit dem Zeug umgegangen wird, haben wir schon ein Stückchen bewirkt“, sagt Wolfgang Herr.

 Giftige Premiere
  •  Das Insektizid Dipel ES ist dieses Jahr erstmals im Stadtgebiet eingesetzt worden, nachdem die Population des Eichenprozessionsspinners stark zugenommen hatte.
  • Der Gift-Angriff der Landeshauptstadt, der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten und der Forst hatte am 13. Mai begonnen und ist nun abgeschlossen.
  • Etwa 1500 Hektar Wald-, Park- und Grünflächen wurden aus der Luft besprüht. Im Auftrag der Stadt wurden zudem mehr als 3000 Eichen auf öffentlichen Straßen und Plätzen und auf städtischen Grundstücken von Schulen und Kitas vom Boden aus behandelt. An fast allen geplanten Straßen und Plätzen konnten der Sprüh-Einsatz wie beabsichtigt durchgeführt werden. Allerdings wurden in der vergangenen Woche wegen des Regens und der Temperaturen keine Einsätze mehr vorgenommen.
  • Die Hubschrauber kreisten unter anderem über den Ravensbergen, über Teilen des Wildparks und der Parforceheide, über der Pirschheide, über den Wäldern zwischen Eiche und Golm und über dem Königswald. Auch die Eichen in den Unesco-Welterbeparks wurden überflogen, darunter der westliche Teil des Parks Sanssouci, Park Babelsberg, der Neue Garten und der Pfingstberg. Zudem wurden die Bereiche Neuer Friedhof, Friedhof Bornstedt und der Sowjetische Friedhof an der B2 überflogen.
  • Im bewohnten Areal der Stadt wurde Dipel ES an knapp 30 Standorten im öffentlichen Straßenraum sowie an zwölf Kitas, 23 Schulen und vier Sportplätzen vom Boden aus bis zu 35 Meter hoch in die Baumkronen gespritzt. Dies fand am Wochenende statt.
  • Auch Wohnungsgesellschaften und -genossenschaften haben die Bäume auf ihren Grundstücken behandeln lassen.
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