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Potsdam Tödlicher Gully-Sturz: Stadtwerke rüsten nach
Lokales Potsdam Tödlicher Gully-Sturz: Stadtwerke rüsten nach
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12:54 04.07.2015
Die Polizei untersucht die Unglücksstelle Quelle: Julian Stähle
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Mitte

Die Stadtwerke haben Konsequenzen aus dem tödlichen Unfall vom 18. Juni am Hauptbahnhof gezogen und rüsten ihre Fahrzeuge für Kanalarbeiten mit festen Sperranlagen aus. An jenem Donnerstag war kurz nach halb zehn Uhr vormittags die 83-jährige Anneliese Wolf in einen offenen Gullyschacht gestürzt und dabei ums Leben gekommen. Geschäftsführer Wilfried Böhme sagte der MAZ, die Einsatzfahrzeuge des Tochterunternehmens Energie und Wasser Potsdam (EWP), die Kanalsondierungen wie die am Unglückstag machen, würden mit Sperren ausgerüstet, die künftig verhindern, dass jemand in einen offenen Gully stürzt. Ob es stabile Gitterturm-Sperren sind, wie die Arbeitsschutzvorschriften es verlangen, sagte Böhme nicht. Er rückte auch nicht von seiner schon am Unglückstag geäußerten Einschätzung ab, seine Mitarbeiter hätten die Untersuchungsstelle korrekt abgesperrt; es gebe kein Fehlverhalten.

Weiter Kritik an der Sicherung der Unfallstelle

Fotos der MAZ, die zweieinhalb Stunden nach dem tödlichen Sturz gemacht wurden, zeigen mehrere Warnkegel um das Gullyloch und ein Dreibein-Warnschild „TV-Untersuchung“. Einen Meter neben dem offenen Gully steht der Einsatzwagen, der aus dem Heck heraus einen Kran ausfahren wollte, um eine Kamera in den etwa fünf Meter tiefen Schacht hinabzulassen. Ob die Kegel und das Auto schon zur Absturzzeit genau da standen oder gar nicht da standen, wird noch untersucht. Die Staatsanwaltschaft konnte am Freitag noch kein Ermittlungsergebnis verkünden. Die Angehörigen glauben, dass es keine Kegel gab, weil die alte Dame sie sonst mit ihrem Rollator hätte umkurven müssen. Die Stadtwerke haben ein unbekanntes Auto, das von der Friedrich-Engels-Straße zum Taxistand neben dem Busbahnhof abbiegen wollte, dafür verantwortlich gemacht, dass die Frau von der Straße zurücktrat und dabei in den offenen Gully stürzte. Dessen Öffnung ist etwa 80 Zentimeter groß; der Schacht selbst rund einen Meter. Die Angehörigen vermuten außerdem, dass eher der zurückfahrende Einsatzwagen die Frau bedrängte, die dann einen Schritt in die falsche Richtung machte. Ob es das vorbeifahrende Auto wirklich gab, weiß niemand.

Der Rollator des Opfers stand lange genug weitab vom Ereignisort, dass jemand die Handtasche der alten Dame aus dem Klappfach stehlen konnte. Quelle: Julian Stähle

Es gibt wohl keine direkten Unfallzeugen

Weil die Uhr des Opfers um 9.35 Uhr stehen blieb, kennt man die genaue Absturzzeit. Erst etwa zehn Minuten später bekamen Feuerwehr und Polizei den Notruf eines der beiden EWP-Mitarbeiter. Keiner der beiden Männer hatte das Unglück mitbekommen, offenbar, weil sie beide im Fahrerhaus saßen oder sich an der Fahrzeugspitze aufhielten. Das Loch war in jedem Falle unbeaufsichtigt. Zeugen des Ereignisses gibt es offenbar nicht, weil es sonst nicht zehn Minuten gedauert hätte, bis das Unglück auffiel.

Wie die Frau gestorben ist, sollte eine Obduktion klären. Die Angehörigen wollen erfahren haben, dass das Opfer wegen vieler Knochenbrüche starb, nicht an den Kopfverletzungen. Die Staatsanwaltschaft sagt nichts zu gerichtsmedizinischen Untersuchungen.

Anneliese Wolf, die ganz in der Nähe des Unglücksortes wohnte und an jenem Tage zu einem Hausarzt in der Nachbarschaft wollte, hinterlässt einen schwer kranken Mann und drei Kinder.

Von Rainer Schüler

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