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Nachlass Joachim Werzlaus geht an Bibliothek

Kultur in Potsdam Nachlass Joachim Werzlaus geht an Bibliothek

Die Erben des in der DDR bedeutenden Komponisten Joachim Werzlau (1913-2001) haben seinen Nachlass als Schenkung an die Stadt- und Landesbibliothek in Potsdam übergeben. Werzlau schuf die Filmmusiken für Defa-Filme wie „Karbid und Sauerampfer“ und „Jakob der Lügner“. Seine Oper „Meister Röckle und Mister Flammfuß“ war auch international erfolgreich.

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Friedemann Werzlau (r.), Marion Mattekat und Karsten Fietzke mit dem Plakat für eine Aufführung von „Meister Röckle“ in Moskau.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Potsdam. Joachim Werzlau (1913-2001) zählt zu den bedeutenden Komponisten der DDR. Sein Name ist verbunden mit den Filmmusiken für legendäre Defa-Produktionen wie „Sonnensucher“ (1958), „Karbid und Sauerampfer“ (1963) oder „Jakob der Lügner“. Populär war er mit Liedern wie dem der FDJ gewidmeten „Weil wir jung sind, ist die Welt so schön“, mit Pionierliedern wie „Gestern ist ein Tag gewesen“ und „Pionierrepublik“. Sein größter Bühnenerfolg war die 1976 in der Staatsoper unter den Linden uraufgeführte Oper „Meister Röckle und Mister Flammfuß“, die es 1981 bis ans Musiktheater für Kinder in Moskau schaffte.

Joachim Werzlau

Joachim Werzlau.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Am Dienstag wurde der künstlerische Nachlass von Joachim Werzlau als Schenkung an die Stadt- und Landesbibliothek (SLB) übergeben. Nach Einschätzung von Bibliotheksdirektorin Marion Mattekat ist es nicht nur die bedeutendste Schenkung für die Musikabteilung, sondern die umfangreichste überhaupt seit der Gründung der SLB vor 25 Jahren. Zustande kam sie über den freundschaftlichen Kontakt zwischen Karsten Fietzke, dem Lektor der Musikbibliothek, und Friedemann Werzlau, Paukenist der Kammerakademie Potsdam, Sohn des Komponisten und ebenso wie Fietzke Musiker in der Potsdamer Band Mama George.

Joachim Werzlau hatte nicht nur über seine Arbeit für die Defa engen Kontakt nach Potsdam. Vom Beginn der 1950er Jahre bis 1967 wohnte er in einem Blockhaus am Hubertusdamm in Babelsberg. Das sinfonische Porträt „Hans Marchwitza“ (1970) hat ebenso einen Bezug zu Potsdam wie die Orchestermusik „Sanssouci“ (1971). Auch seine erste Oper „Regine“ wurde 1963 am Hans-Otto-Theater aufgeführt. In dem zehn Umzugskartons füllenden Konvolut von Joachim Werzlau fand sich auch ein Faksimile dieser Oper.

Die Erschließung des Nachlasses mit Autographen, Noten, Büchern, Bild- und Tonträgern sowie Fotos und Auszeichnungen, darunter mehreren DDR-Nationalpreisen, werde sicher Jahre brauchen, so Fietzke. Die SLB sei allerdings der „ideale Ort, um diesen Fundus zu erschließen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen“. Denn „unser Aufgabengebiet ist es insbesondere in der Funktion als Landesbibliothek, relevante Musik des Landes Brandenburg zu archivieren“.

Auch Friedemann Werzlau sagt, der Nachlass sei „aus unserer Sicht in den richtigen Händen und am richtigen Ort“. Das Material sei „zu wertvoll, um ein Dasein im privaten Kämmerlein zu fristen“. Zu den ungehobenen Schätzen im Nachlass gehört laut Werzlau junior eine Oper „Zille Heinrich“ für großen Chor und großes Orchester mit einem Libretto des seinerzeit sehr populären Lyrikers Heinz Kahlau (1931-2012), die Ende der 1980er Jahre an der Staatsoper unter den Linden uraufgeführt werden sollte. Das Projekt kam nicht zustande, die Erben hoffen auf eine neue Chance für dieses Werk.

Die Potsdamer Musikbibliothek

Die Potsdamer Musikbibliothek wurde 1939 gegründet. Ihr Bestand umfasst heute mehr als 40 000 Medieneinheiten, darunter 14 000 Noten und zahlreiche Sondersammlungen wie „Musik aus Brandenburg“, „Musik für Kinder“, das Schallplattenarchiv sowie ein 500 Bände umfassender Altbestand.

„Kaum ein anderer Bereich in unserem Haus spiegelt den Medienwandel so deutlich wider wie der Musikbibliothek“, sagt Direktorin Marion Mattekat. Das Spektrum der Medien reicht von Tonbändern, Schallplatten und Kassetten bis zu CDs, DVDs und neuerdings dem kostenlosen Musikstreaming auf Freegal.

Eine Sprechstunde zur Schallplattendigitalisierung und Nutzug von elektronischen Medien gibt es immer dienstags von 15 bis 16.30 Uhr.

Von Volker Oelschläger

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