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Potsdam Nachruf auf die alte Potsdamer Innenstadt
Lokales Potsdam Nachruf auf die alte Potsdamer Innenstadt
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10:51 28.11.2017
Abriss der Häuser Breite Straße 30 bis 43; zwischen 1998 bis 2001 wurde an ihrer Stelle der Neubau der Industrie- und Handelskammer errichtet.   Quelle: Siegfried Lieberenz
Potsdam

 Die Breite Straße wurde freigesprengt. Mitte der 1970er Jahre wurden komplette Häuserzeilen, die den Zweiten Weltkrieg halbwegs unbeschadet überstanden hatten, dem Umbau zur sozialistischen Magistrale geopfert: „Und das machte man auch symbolisch“, sagt Stadthistoriker Thomas Wernicke: „Man sprengte die Häuser. Man sprengte das alte Potsdam weg. Das war wirklich eine Phase der zweiten Stadtzerstörung.“

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Einem Nachruf gleicht die eindrucksvolle Bildersammlung zu dem ab 1950 wütenden Stadtumbau, die Siegfried Lieberenz und Rainer Lambrecht in ihrem eben erschienenen und in der ersten Auflage bereits vergriffenen Buch „Bevor der Abrissbagger kommt“ präsentieren. Am Montag wird das Buch in der Französischen Kirche vorgestellt. Lieberenz, passionierter Amateurfotograf und Aktivist der zur Wende gegründeten Arbeitsgemeinschaft zur Wiederherstellung der Potsdamer historischen Innenstadt (Agaphi), erlebte im April 1945 als Zehnjähriger in der Gutenbergstraße die verheerende Bombardierung der Potsdamer Innenstadt.

Sprengung vom Krieg verschonter Wohnhäuser am Blücherplatz an der Alten Fahrt nahe dem Alten Markt. Quelle: MAZ-EBV

Er war längst nicht der Einzige, der schon früh nach dem Kriegsende vom Abriss bedrohte Ruinen mit dem Fotoapparat dokumentierte, schreibt Lambrecht im Geleitwort: „Aber er ist einer der ganz wenigen, welche dieses fotografische Dokumentieren auch in der dritten Etappe fortsetzten.“ Die erste Etappe war für ihn die Enttrümmerung mit dem Ziel des Wiederaufbaus, wie es in der Wilhelm-Staab- und der Yorckstraße sogar originalgetreu geschah. In der zweiten Phase fielen „wiederaufbaufähige Ruinen wichtiger, einst stadtbildprägender Bauten“ vom Berliner Tor und dem Plögerschen Gasthof über das Stadtschloss, das Brauhausberg-Belvedere und das Schauspielhaus bis zur Garnisonkirche und dem Stumpf der Heiliggeistkirche.

In der dritten Phase aber folgte der „Abriss von Wohn- und Gewerbebauten, die in voller Nutzung standen“. In diese Etappe fiel die Neugestaltung der Breiten Straße und ihre Verlängerung von der Schopenhauerstraße über die teils zugeschüttete Neustädter Havelbucht hinweg zur Leninallee, der heutigen Zeppelinstraße. Dabei wurde nicht nur gesprengt.

Lambrecht und Lieberenz zitieren in ihrem Bericht zum Flächenabriss zwischen Schopenhauerstraße und Leninallee zwischen 1974 und 1978, der von der vormals dichten Gebäudelandschaft allein die „Moschee“ an der Havelbucht übrig ließ, einen Beitrag aus der Presse über eine „interessante Technologie“ der Abrissbrigaden: „Um das jeweilige Haus wird ein Stahlseil gelegt, seine Enden sind je an einem Lkw befestigt. Durch wechselseitiges Anziehen wird das Mauerwerk praktisch durchgesägt, bis es zusammenstürzt.“

Die Wohnhäuser an der Leninallee (Zeppelinstraße) fielen 1973, um Platz für die Einmündung der Breiten Straße zu schaffen. Quelle: Siegfried Lieberenz

Die illustrierte Abrissgeschichte zieht sich chronologisch bis zum Ende der 1980er Jahre mit der Zerstörung einer letzten barocken Häuserzeile in der Dortustraße. Im Protest gegen die Vernichtung ganzer Straßenzüge im Flächendenkmal der Zweiten Barocken Stadterweiterung formierte sich die bis heute aktive Arbeitsgemeinschaft für Umweltschutz und Stadtgestaltung (Argus), die noch vor dem Mauerfall einen Abrissstopp erzwang.

In einem System konzentrischer Kreise streifen die Autoren durch die historische Stadtmitte mit dem Stadtschloss und dem Plögerschen Gasthof als Ausgangspunkt, ziehen an der Burgstraße und dem Berliner Tor vorbei zu dem 1988 komplett vernichteten und mittlerweile wieder aufgebauten „Kleinen Holländischen Viertel“. Sie zeigen das Verschwinden der alten Breiten Straße, des Walls am Kiez und des Kiewitt. Sie erinnern an verlorene Häuser in der Zeppelin- und der Lennéstraße. Ein Abstecher auf die andere Havelseite ist der einzigen Jugendstilkirche Potsdams an der Heinrich-Mann-Allee gewidmet, die 1985 abgerissen wurde.

Eigene Kapitel bekamen verloren gegangene Wirtshäuser von der „Gaststätte am Neustädter Tor“ über das Gartenetablissement Colosseum in der Spandauer Straße bis zum Restaurant Friedrich Kuka in der Zimmerstraße. Das letzte Kapitel ist Profanbauten gewidmet, Toilettenhäuschen vom Luisenplatz bis zum Platz der Einheit, und einem Gartenpavillon auf dem Gelände des städtischen Krankenhauses, der 1973 verschwand.

Info Bevor der Abrissbagger kommt. 240 Seiten, Knotenpunkt-Verlag, 26,95 Euro. Buchvorstellung am Montag um 18 Uhr in der Französischen Kirche. Die zweite Auflage kommt laut Verlag voraussichtlich Ende Januar in den Handel.

Von Volker Oelschläger

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