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Potsdam Nacktheit und Klangkultur
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08:00 08.04.2013
... und ein nackter Mann ("Vaterschaftstest") von Jenny Alten: Das Freiland lud zur Ausstellung in den Ateliers ein.
POTSDAM

Zum ersten Mal seit zwei Jahren hatten die jungen Künstler zum „Zwischenstand“ in das Atelier geladen und zeigten erstmals ihre Werke. Die Resonanz beim Publikum war mehr als zufriedenstellend. Rund 150 Kunstliebhaber kamen und staunten.

„Hier arbeitet ein fester Stamm von zehn bis 15 Künstlern, die die unterschiedlichsten Sachen machen“, sagt Gregor Bednasch, Mitglied der wöchentlichen Zeichengruppe und selbst Aussteller. „Wir wollen die Kunst im Entstehungsprozess zeigen und uns auch von den Besuchern inspirieren lassen“, so Bednasch, der die Wände mit seinen eigenen Bildern versehen hat. „Ich wollte zu den Themen einen neuen Zugang finden und zeigen, wie klassische Lasurarten angewendet werden können“, so der Maler, der unter anderem sein Bild „Zwei komische Käuze“ – ein Selbstporträt – ausstellte.

Ein bunter Mix aus den verschiedenen künstlerischen Richtungen sei die Ausstellung, die bewusst den Namen „Zwischenstand“ trug. „Wir zeigen die Sachen zum ersten Mal, wollen aber in regelmäßigen Abständen die Pforten öffnen“, sagt Bednasch. So wollen die Künstler den Besuchern einen Einblick in das Arbeitsleben geben. „Der Zwischenstand bezieht sich natürlich auf die künstlerische Sicht, nicht auf die wirtschaftliche“, erwähnt Bednasch.

Zum festen Inventar der Künstlergruppe im Freiland gehört auch Joanna Walaszko. Die Klangkünstlerin aus Polen entwirft mit ihrem Sampler – eine Art Mini-Keyboard mit jeglichen Alltagsgeräuschen – zu jeder Installation im Raum einen selbst konzipierten Klang. „Ich habe mir verschiedene Kompositionen ausgedacht und lasse mich aber immer aufs Neue inspirieren“, sagt sie. Mal seien es Wassertropfen – wie zu dem ausgestellten Toilettenbild, mal sind es auch härtere Töne, die die 36 Jahre alte Künstlerin entwirft. „Ohne Bilder und ohne Kunstwerke funktioniert eine Klanginstallation nicht“, betont sie.

Einen besonderen Draht zur Natur hat Phillip Langer, der seit zwei Jahren in den Atelierräumen im Freiland seine Kunstwerke erstellt. Der Student der Kunstwissenschaften hat sich besonders auf die Wälder spezialisiert und zeichnet mit Kohle- und Bleistiften. „Der Natur fehlt es immer mehr an Leben. Meine Zeichnungen sollen eine Anspielung auf den laxen Umgang mit der Natur sein“, macht Langer klar, der in der ersten Etage seinen Waldraum hat. „Ich wollte deutlich machen, was die Natur für uns bedeutet. Eine Antwort darauf habe ich immer noch nicht gefunden“, sagt der Zeichner, der immer vor Ort seine Bilder erstellt. „Ich bin mitten im Thema und brauche keine neuen Inspirationen, wenn ich aber malen möchte, muss ich natürlich in die Wälder“. Auf den ersten Blick sehen seine Bilder aus wie Strichcodes auf Supermarkt-Waren. „Als ich die Bilder eingerahmt habe , erhielten sie noch einmal eine neue Wirkung“, sagt Phillip Langner.

Kunst und Nacktheit sind zwei miteinander verwobene Attribute, die auch im Freiland natürlich nicht fehlen durften. Künstlerin Bianca Baalhorn zeigte auf einer Videoleinwand sprichwörtlich alles, was sie als Frau zu bieten hat – komplett nackt. „Ich habe versucht, mich derart äußerlich zu reduzieren und auf ein neutrales Umfeld, einen weißen Hintergrund, zu stellen“, sagt Baalhorn über ihre Intention zu dem Videoprojekt. „Ich wollte aufrecht stehen und eine Kriegerposition einnehmen. Jedoch wollte ich keine bewusste plakativ-feministische Kunst machen, sondern mich abgrenzen“, so die Videokünstlerin, deren Nacktwerk in Dauerschleife auf einer Leinwand lief. „Nacktheit und Kunst sind Themengebiete, die mich schon immer beschäftigt haben“.

Aufmerksamkeit erregen auch die großformatigen Bilder von Jenny Alten - eine offene Toilette, in der etwas Blutiges schwimmt und das Gemälde eines Nackten mit einem Embryo im Bauch unter dem Titel "Vaterschaftstest". 

Auch beim Tag der offenen Ateliers am 5. Mai stellen die Künstler im Freiland wieder aus. (Von Marcel Jarjour)

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