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Potsdam Namensstreit um Karl-Liebknecht-Straße
Lokales Potsdam Namensstreit um Karl-Liebknecht-Straße
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02:15 18.02.2017
Detail der Skulptur „Herz und Flamme der Revolution“ von Theo Balden im Potsdamer Lustgarten.
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Potsdam

Die Karl-Liebknecht-Straße im Potsdamer Ortsteil Golm soll in Karl-Liebknecht-Chaussee umbenannt werden. Das empfiehlt die linksalternative Fraktion Die Andere in Abänderung eines Antrags der Grünen. Sie verweisen darauf, dass Liebknecht am 31. Oktober 1910 in Golm über den Kampf gegen das preußische Dreiklassenwahlrecht gesprochen habe.

Die Grünen empfehlen hingegen eine Umbenennung in Golm in Marie-Curie-Straße oder in Sofja-Kowalewskaja-Straße und verweisen dabei auf die irritierende Namensdoppelung mit der Karl-Liebknecht-Straße in Babelsberg. Die Anträge beschäftigen am Donnerstag den Potsdamer Kulturausschuss.

Die Anderen erklären in ihrem Antrag: „Derzeit gibt es in Potsdam zwei Straßen, die den Namen Karl-Liebknecht-Straße tragen. Es erscheint aber nicht schlüssig, die Straße im Ortsteil Golm umzubenennen, da die Benennung aufgrund eines historischen Bezuges erfolgte. Am 31.10.1910 sprach Karl Liebknecht in Golm über den Kampf gegen das preußische Dreiklassenwahlrecht.

Nach der demokratischen Revolution 1848/49 führt e König Friedrich Wilhelm IV. für die preußischen Abgeordnetenhauswahlen das Dreiklassenwahlrecht ein. Die Wähler erhielten ein nach ihrer Steuerleistung in drei Abteilungen abgestuftes Stimmengewicht. Das Wahlrecht zum Abgeordnetenhaus war angelehnt an das in der Rheinprovinz seit 1845 auf kommunaler Ebene geltende Dreiklassenwahlrecht.

Bei Kommunalwahlen in Essen führte dieses dazu, dass Alfred Krupp allein ein Drittel der Mitglieder des Stadtrates bestimmte. Das preußische Dreiklassenwahlrecht wurde während seiner Gültigkeit von fortschrittlichen Kräften entschieden kritisiert und mit dem Ende der Monarchie abgeschafft.

„Um die Namensgleichheit mit der Straße in Babelsberg aufzuheben und Verwechslungen zu vermeiden“, so die Andere, „schlagen wir daher eine Benennung vor, die den Namen Karl Liebknecht beibehält, aber dennoch für eine eindeutige Unterscheidung sorgt.“

Die Grünen begründen ihre Initiative damit, dass es in Potsdam aktuell zwei Straßen mit diesem Namen gibt – neben Golm in Babelsberg. Das führe „insbesondere bei neuen Studierenden aber auch bei Gästen der Wissenschaftseinrichtungen in Golm regelmäßig zu Verwirrungen“, so die Grünen.

Alternativ könne die Straße in Golm in Marie-Curie-Straße oder in Sofja-Kowalewskaja-Straße umbenannt werden. Der Oberbürgermeister soll dem Antrag zufolge gebeten werden, dazu ein Votum des Akademischen Senats und des Präsidiums der Universität Potsdam einzuholen und den Stadtverordneten bis Ende März zur abschließenden Entscheidung vorzulegen.

In Golm seien insbesondere die Mathematik, Naturwissenschaften und Kognitionswissenschaften der Universität Potsdam untergebracht, so die Grünen: „Hier bestehen enge wissenschaftliche Kooperationen mit den außeruniversitären Forschungseinrichtungen am Standort Golm, die ebenso in naturwissenschaftlichen Forschungsfeldern arbeiten. Eine Umbenennung der Karl-Liebknecht-Straße in Marie-Curie-Straße oder Sofja Kowalewskaja-Straße trägt damit der 25-jährigen Entwicklung zu einem national und international hoch beachteten Wissenschaftsstandort Rechnung.“

Marie Salomea Skłodowska-Curie war eine bedeutende polnisch-französische Physikerin und Chemikerin, die für die Erforschung der radioaktiven Strahlung und Mitentdeckung der Elemente Polonium und Radium die Nobelpreise für Physik (1903) und Chemie (1911) erhielt und damit die erste weibliche sowie zweifache Nobelpreisträgerin ist. Sie wurde am 7. November 1867 in Warschau in Polen geboren und verstarb am 4. Juli 1934 mit 66 Jahren in Sancellemoz (Sanatorium bei Passy, Savoyen) in Frankreich. 2017 jährt sich ihr Geburtstag das 150. Mal.

Sofja Kowalewskaja (1850-1891) war eine russische Mathematikerin und die erste Mathematikprofessorin überhaupt. Sie war zudem eine politisch sehr bewusste Frau, die sich aktiv für das Recht aller Frauen auf Ausbildung einsetzte.

Gedenktafel in der Potsdamer Innenstadt. Quelle: Bernd Gartenschläger

Karl Liebknecht (1871-1919) war ein prominenter Marxist und Antimilitarist zu Zeiten des Deutschen Kaiserreiches. Seit 1900 Mitglied der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, war er von 1912 bis 1916 einer ihrer Abgeordneten im Reichstag, wo er den linksrevolutionären Flügel der SPD vertrat. Nach zwei vergeblichen Anläufen 1903 und 1907 hatte er 1912 den „Kaiserwahlkreis“ Potsdam-Spandau-Osthavelland gewonnen, der bis dahin eine sichere Domäne der Deutschkonservativen Partei gewesen war

1916 wurde er aufgrund seiner Ablehnung der Burgfriedenspolitik aus der SPD-Fraktion ausgeschlossen und wenig später wegen „Kriegsverrat“ zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt. Nach etwa zwei Jahren Haft wurde er knapp drei Wochen vor dem Ende des Ersten Weltkrieges freigelassen.

Während der Novemberrevolution rief Liebknecht am 9. November 1918 vor dem Berliner Schloss eine „freie sozialistische Republik“ aus. Am 11. November gründete er gemeinsam mit Rosa Luxemburg, Leo Jogiches, Ernst Meyer, Wilhelm Pieck, Hugo Eberlein und anderen den Spartakusbund. Zum Jahreswechsel 1918/19 war Liebknecht einer der Gründer der Kommunistischen Partei Deutschlands. Kurz nach der Niederschlagung des Berliner Januaraufstands wurden er und Rosa Luxemburg von Freikorps-Offizieren ermordet.

In Potsdam erinnern an Karl Liebknecht neben den Straßennamen unter anderem das Karl-Liebknecht-Stadion in Babelsberg, das Karl-Liebknecht-Forum im Lustgarten mit der Skulptur „Herz und Flamme der Revolution“ von Theo Balden und dem Mosaik von Kurt-Hermann Kühn, sowie eine Gedenktafel in der Hegelallee 53 mit der Aufschrift: „Hier beauftragten Potsdamer Genossen im November 1914 Karl Liebknecht gegen die Kriegskredite zu stimmen.“

Verschollen ist die Gedenktafel am einstigen Kino Charlott in Potsdam-West mit der Inschrift: „In diesem Gebäude sprachen Karl Liebknecht, August Bebel (1840-1913) und Paul Singer (1844-1911) zu den Werktätigen Potsdams und riefen sie zum Kampf gegen Imperialismus, Militarismus und Krieg auf.“

Von Volker Oelschläger

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