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Potsdam Nazi-Anhänger und Widerständler in einer Familie
Lokales Potsdam Nazi-Anhänger und Widerständler in einer Familie
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20:48 20.07.2018
Leopold Bill von Bredow (l.) ist mit Buchautor Reiner Möckelmann zum Gedenken an den 20. Juli erstmals seit 1944 im Stadthaus gewesen. Quelle: Peter Degener
Innenstadt

Für Leopold Bill von Bredow ist der Sitzungssaal des Hauptausschusses im Potsdamer Stadthaus kein gewöhnlicher Raum. Der Saal mit seinen gespannten Stofftapeten und vergoldeten Holzverkleidungen war einst Teil der Dienstwohnung seines Onkels Gottfried, der in der Zeit des Nationalsozialismus Regierungspräsident in Potsdam war. „Das war das Taufzimmer und ich bin auch bei mindestens zwei Taufen an diesem Ort gewesen“, sagte von Bredow am Freitag. Anlass seines Besuchs war das Gedenken der Stadt an die Widerständler des 20. Juli 1944 – dem Datum des gescheiterten Attentatsversuchs auf Adolf Hitler.

Hannahs Bruder Gottfried gehörte zu den Anhängern des Regimes

Von Bredows Mutter Hannah gehörte zu den Gegnern des Naziregimes – im Gegensatz zu ihrem Bruder Gottfried im heutigen Stadthaus. „Das Gedenken an den Widerstand soll heute an die rund 50 Potsdamer erinnern, die Teil am Umsturzversuch hatten“, sagte Kämmerer Burkhard Exner anlässlich des 74. Jahrestags des Attentats. „Eine Potsdamerin im Widerstand war Hannah von Bredow. Ihr soll dieses Erinnern heute besonders gelten“, so Exner.

„Die Welt ist aus den Fugen“

Die 1893 geborene Enkelin Otto von Bismarcks war zwar nicht direkter Teil der Widerständler des 20. Juli, aber schon seit 1933 entschiedene Gegnerin der Nationalsozialisten. Am Tag nach Hitlers Ernennung zum Reichskanzler notierte sie: „Die Welt ist aus den Fugen, und wir können nur abwarten, bis uns das Genick umgedreht wird.“ Sie wurde überwacht, nutzte ihre Kontakte um unterdrückten Personen zu helfen, wurde zugleich von hochrangiger Seite denunziert, nach dem 20. Juli auch intensiv von der Gestapo verhört und überlebte mit ihren acht Kindern in Potsdam den Krieg. Erst 1971 starb Hannah von Bredow.

Reiner Möckelmann wertete Tagebücher und Briefe aus

Ihr Wirken ist dank Reiner Möckelmann gut erforscht. Der ehemalige Diplomat hat durch die Zusammenarbeit mit Leopold Bill von Bredow die Tagebücher und Briefe der Mutter auswerten können und in einem kürzlich erschienenen Buch verarbeitet: „Bismarcks furchtlose Enkelin gegen Hitler“ nennt Möckelmann sie darin.

Sohn Leopold hat gute Erinnerungen an das heutige Stadthaus

Am Freitag diente der Sitzungssaal nun für einen Vortrag von Möckelmann und ein Gespräch der beiden Männer. Für Leopold Bill war es die erste Rückkehr in das Gebäude seit 1944 – damals war er elf Jahre alt. Er verbindet deshalb trotz aller Geschichte vor allem glückliche Erinnerungen an das Stadthaus. „Meine Schwestern spielten im Garten unseres Onkels gerne Tennis“, erinnert er sich spontan. „Ich freue mich, dass das Haus noch steht und so gut in Ordnung ist.“

Leopold Bill von Bredow (l.) und Reiner Möckelmann im Stadthaus am 20. Juli 2018 in Potsdam Quelle: Peter Degener

Von Peter Degener

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