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Neonazi-Vorwürfe: Fortuna unter Druck

Spiel gegen Welcome United Neonazi-Vorwürfe: Fortuna unter Druck

Haben Mitglieder des Fußballvereins Fortuna Babelsberg Verstrickungen ins neonazistische Milieu? Der Verein gerät zunehmend unter Druck. Kurz vor dem Spiel von Fortuna Babelsberg III gegen das Flüchtlingsteam von Babelsberg 03 Welcome United am Sonntag hat er nun gekontert und sich klar positioniert.

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Der Fußball stand in dieser Woche bei Fortuna nicht im Mittelpunkt.

Quelle: Fotolia

Potsdam. Der Fußballverein Fortuna Babelsberg setzt sich gegen Vorwürfe von Verstrickungen ins neonazistische Milieu zur Wehr. „Wir distanzieren uns klar und eindeutig von Gewalt, Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und anderen Formen des Extremismus. Entsprechenden Ansätzen treten wir entschieden entgegen“, sagte Präsident Hartmut Domagala in einer Mitteilung vom Donnerstag, die der Verein auf seiner Internetseite veröffentlichte. „Sportler aus 25 verschiedenen Nationen und mit Migrationshintergrund sind bei Fortuna vertreten. Allein in der 1. Männermannschaft sind mehrere Spieler vertreten, die vor Jahren aus dem Irak fliehen mussten“, heißt es weiter.

„Gefährliche Nähe zu Neonazis“

Die Anschuldigungen gegen den Verein äußerte das Netzwerk Antifaschistische Recherche Potsdam/Umland. In einem Artikel hatte das Blog mehreren Mitgliedern von Fortuna Babelsberg Verbindung in die neonazistische Szene vorgeworfen. „[...] Weitere Mitglieder, Trainer und Vorstandsmitglieder weisen eine gefährliche Nähe zu Neonazis oder ihrer Ideologie auf – oder vertreten diese ganz offen“, heißt es dort. Domagala, der dem Verein seit eineinhalb Jahren vorsteht und schon zwischen 1999 und 2009 Präsident war, kündigt an: „Wir werden mit den Herrschaften, die in dem Artikel erwähnt sind, Einzelgespräche führen und dann entscheiden, was passiert.“

Hartmut Domagala ist seit eineinhalb Jahren Präsident von Fortuna Babelsberg

Hartmut Domagala ist seit eineinhalb Jahren Präsident von Fortuna Babelsberg.

Quelle: Scheerbarth

Überlegungen, das Spiel abzusagen

Besondere Brisanz bekommen die Anschuldigungen durch das Spiel der dritten Mannschaft gegen das Flüchtlingsteam von Babelsberg 03 Welcome United am Sonntag (11.30 Uhr). Der Verein hat eine Sicherheitsgruppe ins Leben gerufen und die Polizei über das Spiel informiert. „Wir hatten ernsthaft überlegt, das Spiel abzusagen. Aber das wäre das falsche Zeichen gewesen.Wir haben alle Vereinsmitglieder aufgerufen, zum Spiel zu kommen und Farbe zu bekennen“, sagte Domagala.

450 Mitglieder aus 25 Nationen


Fortuna Babelsberg hat derzeit rund 450 Mitglieder in 25 Mannschaften und aus 25 Nationen.

Der Verein spielt seit der Wende unter dem Namen Fortuna Babelsberg, Vorgänger war die BSG DEFA Babelsberg.

Die erste Männermannschaft ist in der Landesklasse West Tabellenfünfter und war jahrelang in der Brandenburgliga vertreten.

Am 24. Oktober (10 bis 15 Uhr) veranstaltet Fortuna ein F-Junioren-Turnier auf dem heimischen Stern-Sportplatz.

Daran nehmen acht Teams des Jahrgangs 2007/08 teil, darunter auch eine Mannschaft von zehn Flüchtlingskindern aus verschiedenen Potsdamer Gemeinschaftsunterkünften.

„Für die Aufnahme von Flüchtlingen sind wir offen, haben bereits die ersten Absprachen getroffen, um sie in allen unseren Mannschaften zu integrieren“, teilte der Verein mit.

Für die Partie in der 2. Kreisklasse C hat auch Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) sein Kommen angesagt. Der Besuch sei schon lange geplant gewesen, sagte Stadtsprecher Stefan Schulz. „Es ist wichtig, dass man die rassistischen und neonazistischen Aktionen in der Stadt im Blick behält. Es kann aber auch nicht sein, dass ein Verein wegen der Verfehlungen einzelner Mitglieder stigmatisiert wird. Wir finden es sehr gut, dass der Verein sich eindeutig positioniert hat“, sagte Schulz.

Bekannt beim Innenministerium

Mitgliedern des Vereins wurde schon in der Vergangenheit eine Nähe zur Neonazi-Szene vorgeworfen. Dazu teilte der Verein mit: „Wir vertreten die Meinung, dass Integration durch Sport auch für alle gilt. Ausschließlich auf Grund von Vergangenheiten zu urteilen, ist keine Integration.“ Dem Innenministerium des Landes Brandenburg sind die Aktivitäten einiger Vereinsmitglieder bekannt. „Der Verfassungsschutz des Landes Brandenburg gibt keine Auskünfte zu Einzelpersonen, sieht aber im Verein ,Fortuna Babelsberg’ und in dessen Umfeld Tendenzen, die sich gegen die Prinzipien einer liberalen, offenen Gesellschaft richten und zum Teil mit der freiheitlich demokratischen Grundordnung nicht vereinbar sind“, teilte das Ministerium mit. Der Verfassungsschutz empfehle, diesen Tendenzen aktiv entgegenzuwirken und sich öffentlich zu positionieren. Fortuna schloss seine Mitteilung mit den Worten: „Welcome 03 – Welcome bei Fortuna Babelsberg!“

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Von Stephan Henke

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