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MAZ zu Hause in ... Potsdam West Netzwerker, Grenzgänger, Kreative

Haeckelstraße und Luftschiffhafen, Park und Wasser, Jung und Alt: Potsdam West ist ein Stadtteil, der viel zu bieten hat. Doch was viele nicht wissen: Der Westen beginnt erst ab der Kastanienallee stadtauswärts – und unterscheidet sich stark von der benachbarten Brandenburger Vorstadt.

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Annette Paul (Mitte) vom Stadtteilnetzwerk im Gespräch mit Künstlern und Kreativen im Atelierhaus „Scholle 51“.

Quelle: Foto: Christel Köster

Potsdam West. Der wilde Westen fängt in der Kastanienallee an. Viele verorten ihn mehr Richtung Innenstadt. Doch das, was oft als Potsdam West bezeichnet wird – der belebte Teil der Geschwister-Scholl-Straße mit ihren Geschäften, Kneipen und Kinderwagenarmadas – gehört nach offizieller Einteilung der Stadt zur Brandenburger Vorstadt. Das eigentliche Potsdam West ist ruhiger und weniger hip als der Nachbarkiez. Aber nicht minder interessant.

Halina Weinert kennt beide Seiten. Ihr „Klangraum“ liegt mitten auf dem Scheideweg. In der Kastanienallee 35 hat sie 2003 ihr Studio für Eltern und Kinder eröffnet, bietet musische und kreative Kurse. „Die Leute aus Potsdam West sind treuer“, sagt die 38-Jährige, die ursprünglich aus Hamburg stammt. Wer mit dem ersten Kind zu ihr komme, komme oft auch mit dem zweiten und dritten. Die Familien aus der Brandenburger Vorstadt hingegen „schauen sich viele Sachen an und haben irgendwann ein Organisationsproblem zwischen Musikkurs, Tanzstunde und Fußball“, erzählt die dreifache Mutter. Das Angebot für Familien sei rund um den Rudolf-Tschäpe-Platz einfach größer als im Haeckelkiez. Wenige hundert Meter machen da den Unterschied. Ab der Ecke Kastanienallee Richtung Wildpark wird die Geschwister-Scholl-Straße mit einem Mal ruhiger. „Die Potsdam-Westler sind dankbar und freuen sich, dass es bei ihnen in Laufentfernung auch ein Angebot gibt“, sagt Halina Weinert. Und noch einen Unterschied hat die Zugezogene, die selbst in Babelsberg wohnt, bemerkt: Die Mütter in der Brandenburger Vorstadt bekommen das erste Kind oft erst mit Ende 30/Anfang 40. „Die jüngeren Mamis sind meist aus West.“

Annette Paul ist das Bindeglied zwischen der östlichen und der westlichen Seite der Kastanienallee, zwischen Brandenburger Vorstadt und Potsdam West, zwischen Spätgebärenden und Teeniemüttern, zwischen Zugezogenen und Alteingesessenen, zwischen Flüchtlingen und Deutschen, zwischen Jung und Alt. Seit dreieinhalb Monaten ist die 45-jährige Künstlerin mit eigenem Atelier in der Carl-von-Ossieztky-Straße in der Brandenburger Vorstadt Geschäftsführerin des umtriebigen Stadtteilnetzwerks Potsdam West. „Die Grenze ist ganz deutlich spürbar“, sagt Annette Paul. Kleinere Wohneinheiten, niedrigere Decken, geringere Einkommen, höherer Ausländeranteil. „Ab Lidl in der Zeppelinstraße ändert sich das Stadtbild. Potsdam West ist eine andere Wohngegend als die Brandenburger Vorstadt“, meint sie.

Die Zeppelinstraße ist die Hauptschlager des Stadtteils

Die Zeppelinstraße ist die Hauptschlager des Stadtteils.

Quelle: Köster

Potsdam West ist ein Stadtteil der Gegensätze

Potsdam West – das ist die Haeckelstraße mit ihren Plattenbauten und der renommierten Da-Vinci-Gesamtschule, die ins Bornstedter Feld umziehen wird, sobald der Pfusch am dortigen Schulneubau behoben ist – und laut Annette Paul eine große Lücke hinterlassen wird, weil sie eine enorme Strahlkraft ins Viertel hat. Potsdam West – das ist der Garagenkomplex am Bahndamm, wo Weihnachten 2011 ein totes Baby gefunden wurde, dessen Herkunft bis heute ungeklärt ist. Es sind aber auch schmucke, durchsanierte, dörfliche Straßen wie in der Siedlung Stadtheide. Es ist der Luftschiffhafen mit der MBS-Arena und großen Sportevents, Start und Ziel des Schlösserlaufs kommenden Sonntag. Das sind die Kleingärten Am Wildpark und der westliche Teil des Schlossparks Sanssouci. Es ist das Havel­ufer am Yachthafen und inmitten von Grün und Wasser auch die Zeppelinstraße als viel befahrene Magistrale, über deren geplante Verengung im Stadtteil heftig diskutiert wird.

„Potsdam West ist eine ganze Menge. Es gibt viel Potenzial“, sagt Annette Paul. An einer langen Holztafel in der Geschwister-Scholl-Straße 51 versucht sie, das alles unter einen Hut zu bringen. Im Atelierhaus „Scholle 51“ hat das Stadtteilnetzwerk seinen Sitz – inmitten von Künstlern und Kreativen, die sich in das Haus eingemietet haben. Maler, Theater-Pädagogen, Tischler, Musiker – sie alle tummeln sich im Kunst- und Kulturzentrum in Potsdam West. Punkt 13 Uhr sitzen alle gemeinsam an einem Tisch. Jeden Tag kochen zwei andere für die Gruppe. Beim Mittagessen wird auch auf kreativen Ideen für den Stadtteil herumgekaut. „Das ist wie eine kleine WG. Nein, wie eine große WG“, sagt Annette Paul.

Blick auf die Haeckelstraße

Blick auf die Haeckelstraße.

Quelle: Köster

Die Kreativen treffen sich in der „Scholle 51“

Zwischenzeitlich stand es nicht gut um die „Scholle 51“. Die Kirche als Eigentümer verkaufte an einen Investor, der auf dem Areal ein Seniorenwohnheim errichten wollte. Doch am Ende zeigte der Protest gegen die geplante Änderung des Bebauungsplans Wirkung. Die Künstler konnten bleiben. Langfristig will das Stadtteilnetzwerk aber ein paar Häuser weiter ziehen, in die Geschwister-Scholl-Straße 34. Die „Scholle 34“ wird derzeit durch das Netzwerk wieder nutzbar gemacht. Ein Nachbarschaftsgarten wurde vor zwei Wochen eröffnet. Das ist erst der Anfang. Wo früher das beliebte Ausflugslokal Charlottenhof lockte, soll ein Begegnungszentrum entstehen. „Direkt an der Schnittstelle zwischen Brandenburger Vorstadt und Potsdam West“, sagt Annette Paul, die das Netzwerk mit einer halben Stelle leitet.

Einige Aktivitäten seien schon auf Potsdam West konzentriert worden. So findet auf der Freifläche „Platte“ an der Ecke Haeckelstraße/Knobelsdorffstraße seit 2013 ein gut besuchter Nikolausmarkt statt. Auch die Integration von Flüchtlingen, die in der Zeppelinstraße und zumindest noch bis August in der Haeckelstraße untergebracht sind, spielt anders als in der Brandenburger Vorstadt eine große Rolle im Potsdamer Westen. „Es wäre schön, wenn wir auch noch mehr Senioren erreichen könnten“, sagt Annette Paul. In der „Scholle 34“ soll das künftig möglich sein. Mitten im Grenzgebiet.

Von Marion Kaufmann

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