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Neu Fahrland zwischen Angst und Hilfsbereitschaft

Info-Abend zu Flüchtlingen in Neu Fahrland Neu Fahrland zwischen Angst und Hilfsbereitschaft

Beim Infoabend zur Flüchtlingsunterbringung in Neu Fahrlandhaben die Einwohner vor allem ihre Ängste am Mittwochabend deutlich gemacht. Wegen des großen Andrangs wurde die Veranstaltung unter freien Himmel verlegt und so zum Härtetest für die Verantwortlichen der Stadt, die auf heftigen Widerspruch stieß. Doch es gab auch Hilfsbereitschaft.

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Die Informationsveranstaltung wurde spontan ins Freie verlegt, weil über 300 Menschen daran teilnahmen.
 

Quelle: Julian Stähle

Neu Fahrland.  Auch  in Neu Fahrland sollen noch im November bis zu 96 Flüchtlinge in Leichtbauhallen untergebracht werden. Vor allem wegen des geplanten Standorts neben der Kita „Kinderland“  lehnen viele Bewohner die Unterkunft ab. Zu einem Infoabend der Stadtverwaltung am Mittwochabend im Bürgertreff des Ortsteils kamen über 300 Menschen. Weil der vorgesehene Raum diesem Andrang nicht gewachsen war, wurde die Veranstaltung spontan nach draußen verlegt – und wurde zu einem Härtetest für die Verantwortlichen der Stadtverwaltung.

  INFO: MAZonline berichtete im Liveticker von der Veranstaltung>>
 

Der Saal des Bürgertreffs war am Mittwochabend bereits voll und viele Menschen standen noch vor der Tür

Der Saal des Bürgertreffs war am Mittwochabend bereits voll und viele Menschen standen noch vor der Tür. So wurde entschieden nach Draußen zu gehen und auch einen zweiten Info-Abend zu veranstalten.

Quelle: Julian Stähle

Härtetest für die Verwaltung – Zwischenrufe, Widerworte und Gelächter

„Unter freiem Himmel können wir die Situation der Flüchtlinge vielleicht etwas besser nachvollziehen“, sagte Neu Fahrlands Ortsvorsteherin Carmen Klockow (Bürgerbündnis) zu Beginn. Im Mittelpunkt stand danach allerdings nicht die Lage der Flüchtlinge, sondern das Sicherheitsbedürfnis der Neu Fahrländer Bürger und ihrer Kinder. Es wurde unter anderem gefordert, den Zaun um das Kita-Gelände zu erhöhen.

Ortsvorsteherin Carmen Klockow (Bürgerbündnis) hat sich bei der Kommunalaufsicht beschwert, dass der Ortsbeirat nicht in die Standortsuche mit

Ortsvorsteherin Carmen Klockow (Bürgerbündnis) hat sich bei der Kommunalaufsicht beschwert, dass der Ortsbeirat nicht in die Standortsuche mit einbezogen worden ist.

Quelle: Julian Stähle

Potsdams Sozialbeigeordnete Elona Müller-Preinesberger und Bernd Richter, Werkleiter des Kommunalen Immobilienservice (Kis), ernteten Widerworte, Zwischenrufe und Gelächter bei der Erläuterung der Flüchtlingssituation und den Anstrengungen und Zwängen der Stadtverwaltung. Die Sozialbeigeordnete stellte fest, dass angesichts des bevorstehenden Winters eine Notsituation herrsche und dass es sich um eine vorübergehende Unterbringung für voraussichtlich zwei oder drei Jahre handele. Ohne die Leichtbauhallen würden die Flüchtlinge schon bald „obdachlos auf dem Bassinplatz und dem Platz der Einheit“ leben. Ihr Hinweis, dass sie sogar das Recht zur Beschlagnahmung von Liegenschaften habe, dies aber nicht ausüben wolle, wurde als Drohung empfunden.

„Wir haben hier Angst!“ rief einer, prompten riefen andere „Nein!“

Es zeigte sich allerdings auch, dass viele Anwohner zu der Veranstaltung kamen, um sich für die künftigen Neubürger des Ortsteils zu engagieren. „Wir haben hier Angst!“, rief ein Anwohner, doch prompt antwortete ein Teil der Menge „Nein! Wir haben keine Angst!“ Auch die Unterschriften von etwa 70 Familien unter einen offenen Brief, der sich gegen den Standort der Hallen ausspricht und mit „Die Anwohner Neu Fahrlands“ unterzeichnet ist, führte zu heftigem Widerspruch von einem Teil der Anwesenden.

Zur Organisation von Hilfe wird in den Bürgertreff geladen

Nachdem die 79-jährige Jutta Bratz in der mittlerweile nasskalten Dunkelheit das Wort ergriffen hatte, wurde die aufgeheizte Diskussion deutlich konstruktiver geführt. „Viele in meinem Alter haben den Zweiten Weltkrieg erlebt. Die Erfahrung wie Krieg sich anfühlt, wünsche ich keiner dieser jungen Familien und ihren Kindern hier. Diese Menschen sind auch nicht die letzten Penner, sondern Leute wie wir“, sagte Bratz und bekam den lautesten Applaus des Abends. „Wie können wir diese Menschen konkret unterstützen?“, fragte sie. Zu diesem Zweck sind die Bewohner am kommenden Mittwoch ab 19 Uhr erneut in den Bürgertreff eingeladen. Dann sollen erste Hilfsmöglichkeiten und die Vernetzung der Neu Fahrländer in Angriff genommen werden. Birgit Malik aus dem Ortsbeirat von Groß Glienicke, wo seit diesem Sommer ebenfalls Flüchtlinge untergebracht sind, appellierte an die Anwohner: „Lassen Sie sich nicht von Ihren Ängsten unterkriegen. Sehen Sie die Flüchtlinge als Bereicherung für Ihren Ort.“

Weitere Info-Abende

Für die Slatan-Dudow-Straße in Drewitz findet die Info-Runde am Donnerstag, 22. Oktober, 18 Uhr, statt. Ort: Turnhalle der Grundschule „Am Priesterweg“, Oskar-Messter-Straße 4-6

Für die Sandscholle in Babelsberg ist die Anwohnerversammlung am Montag, 26. Oktober, 18 Uhr, geplant. Ort: Filmuniversität „Konrad Wolf“, Marlene-Dietrich-Allee 11.

Für Neu Fahrland findet eine zweite Informationsveranstaltung am Dienstag, dem 27. Oktober, in der Turnhalle der neuen Grundschule an der Pappelallee statt.

Ein erstes Organisationstreffen für Helfer in Neu Fahrland findet am kommenden Mittwoch, 28. Oktober, ab 18 Uhr im Bürgertreff in der Straße Am Kirchberg 51 statt.

Ortsvorsteherin legt Beschwerde bei Kommunalaufsicht ein

Ortsvorsteherin Carmen Klockow rief zur Hilfsbereitschaft auf, machte aber deutlich, dass sich der Ortsbeirat bei der Standortsuche übergangen fühlt. „Die Kommunalverfassung sieht vor, dass der Ortsbeirat vor wichtigen Entscheidungen mit einbezogen wird und das ist nicht passiert“, sagte Klockow. Sie habe daher Beschwerde bei der Kommunalaufsicht eingelegt. Stadtsprecher Jan Brunzlow bekräftigte aber, dass die Hallen in Neu Fahrland errichtet werden. Der Bauantrag sei gestellt, die Stadt gehe davon aus, dass der Eilantrag Klockows vom Verwaltungsgericht abgewiesen werde.

Schon 2013 protestierten Neu Fahrländer gegen Unterkünfte

Schon in der Vergangenheit haben sich die Bürger Neu Fahrlands gegen die Unterbringung von Flüchtlingen in ihrem Ortsteil ausgesprochen. Im Sommer 2013 war zunächst eine Unterkunft in einem Plattenbau geplant. Das Projekt wurde aber wegen Asbestverseuchung nicht realisiert.

Von Peter Degener

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